Homepage » Luftverkehr » MC-21-300 hat Vereisungstests abgeschlossen

Das russische Verkehrsflugzeug MC-21-300 hat eine weitere Hürde auf dem Weg zur Musterzulassung genommen: Eine Crew des Herstellers testete das Verhalten des Flugzeugs unter echten Vereisungsbedingungen. Dazu musste sie mehrere Tage lang vom Flughafen Archangelsk im russischen Norden aus starten.

9.04.2021

Die MC-21-300 absolvierte vom Flughafen Archangelsk aus die Tests für Flüge in bekannten Vereisungsbedingungen. © United Aircraft Corporation

Der erste Prototyp des russischen Single Aisle Jets MC-21-300 ist jetzt zum Flugtestzentrum nach Schukowski zurückgekehrt, nachdem der in den vergangenen Wochen in Archangelsk im Norden Russlands Testflüge unter natürlichen Vereisungsbedingungen durchgeführt hatte, teilte der Hersteller PJSC Irkut Corporation nun mit. Das von zwei Pratt & Whitney PW1400G-Getriebefans angetriebene Verkehrsflugzeug hatte von Archangelsk aus 14 Flüge mit einer Dauer zwischen drei und fünf Stunden absolviert.

Dabei nutzte die Crew die für ein solches Vorhaben passenden Wetterbedingungen über dem russischen Nordpolarmeer zwischen Arachangelsk und der Doppelinsel Nowaja Semlja. Dort fiel während der Tests stetig Niederschlag unterschiedlicher Form und Intensität, und die Wetterverhältnisse variierten stetig, waren aber immer mit Vereisungsbedingungen kombiniert.

Wolken mit Vereisungsbedingungen gesucht

Die Crew führte die Erprobung in mehreren Schritten durch: In der ersten Phase suchte sie anhand der Daten des Wetterdienstes nach Wolken, die eine für die Zulassung notwendige Vereisung verursachen würden. Beim Flug in diese Wolken nutze die Besatzung spezielle Instrumente, um die Eisbildung auf den Oberflächen des Flugzeugs zu überwachen. Nach Erreichen der erforderlichen Eisdicke steuerte die Testflugbesatzung die MC-21-300 auf eine bestimmte Höhe, auf der das Flugzeugverhalten unter natürlichen Vereisungsbedingungen beobachtet werden konnte. Die Dicke der Eisschicht nahm von Flug zu Flug zu und erreichte einen Spitzenwert von 8,0 Zentimetern!

Neben der Stabilität und Steuerbarkeit des Flugzeugs unter diesen Extrembedingungen wurde auch die Funktion der Anti-Ice-Systeme der MS-21-300 getestet. Nach den aktuellen Vorschriften müssen die Tests auch zeigen, dass das Flugzeug in der Lage ist weiterzufliegen, auch wenn das Anti-Ice-System nicht funktioniert. Mehrere Flugzeugsysteme wurden unter diesen Bedingungen getestet, insbesondere die externe Beleuchtung, die Kommunikationssysteme sowie das Fahrwerk. Während der Tests war neben der vierköpfigen Erprobungscrew des Herstellers auch ein Pilot des staatlichen Forschungsinstituts für Zivilluftfahrt an Bord, der die Ergebnisse der Flüge für die Zulassung dokumentierte.

Volker K. Thomalla

 

Folgen Sie uns auf Twitter
Liken Sie uns auf Facebook

 

Schon gelesen?

Die MC-21-310 mit PD-14-Turbofans ist zum ersten Mal geflogen

Irkut testet die MC-21 auf überfluteten Start- und Landebahnen

Aeroflot will 50 MC-21 von Aviacapital-Service leasen

Über Volker K. Thomalla

zum Aerobuzz.de
Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.