Homepage » Luftverkehr » Mit der Boeing 747-8 nach Palma de Mallorca

Innereuropäisch sind auch auf den Rennstrecken zu den Warmwasserzielen am Mittelmeer fast nur Narrowbodies unterwegs. Die Lufthansa hat jetzt wegen der großen Nachfrage ausnahmsweise auch die Boeing 747 und den Airbus A350 nach Palma de Mallorca geschickt. Aerobuzz-Autor Vasco Garcia ist mitgeflogen.

15.08.2021

Aufgrund der hohen Nachfrage setzt die Lufthansa an ausgesuchten Tagen während der Sommerferien Boeing 747-8I und Airbus A350 auf den Strecken von Frankfurt und München nach Mallorca ein. © Vasco Garcia

Dicht an dicht drängen sich die Passagiere, darunter auch viele Familien mit Kindern, ausgestattet mit Maske und Gepäck durch das Terminal A am Flughafen Frankfurt. An den Knotenpunkten wie Check-in und Security bilden sich lange Schlangen. Wartezeiten von 30 Minuten sind keine Seltenheit. Der Wunsch nach Sommerurlaub und Normalität ist deutlich spürbar.

Dieser Trend spiegelt sich auch in den Buchungszahlen für so beliebte Reiseziele wie Palma de Mallorca wieder. Die Lufthansa nutzt diese Möglichkeit und setzt auf der Strecke Frankfurt – Palma in den Monaten Juli und August samstags immer wieder eine Boeing 747-8 ein. Definitiv ein Highlight für die Passagiere und Crew gleichermaßen. Normalerweise ist die -8, wie sie von Insidern genannt wird, nur auf der Langstrecke zu Hause und bedient so faszinierende Metropolen wie Los Angeles, New York, Shanghai, São Paulo und Buenos Aires. Flugzeiten von 13 Stunden sind keine Seltenheit. Heute geht es in unter zwei Stunden nach Palma.

An Bord der 747-8I

Im Cockpit unseres Fluges von Frankfurt nach Palma sitzen zwei erfahrene 747-Piloten. Richard Weidlin, seit 15 Jahren Kapitän auf der 747 und Ausbilder. An seiner Seite Felix Ebinger, Senior First Officer, für den heute ein ganz besonderer Tag ist. Nach knapp 15 Monaten Auszeit aufgrund der Coronakrise darf er heute endlich wieder auf dem rechten Sitz im Cockpit Platz nehmen. Um wieder voll in den Flugbetrieb integriert zu werden, hat er bereits diverse Simulatorflüge erfolgreich abgeschlossen. Jetzt stehen für ihn noch drei so genannte Ausbildungsflüge an. Einer davon ist heute. Die Arbeitsbelastung während eines reellen Fluges ist weitaus vielschichtiger und noch anspruchsvoller als im Simulator. Sicherheit steht bei Lufthansa an oberster Stelle und kann nur durch fundiertes sowie regelmäßiges Training sichergestellt werden. In der Kabine verantwortlich für den Service und das Vollbefinden der Passagiere Purser Heike Reymann.

Reiseflughöhe von 39.000 Fuß

Die Boeing 747 mit dem Callsign DLH21P Heavy hat mittlerweile ihre Reiseflughöhe von 39.000 Fuß erreicht. Die knapp 290 Tonnen gleiten mit Mach 0.85 und einem Heading von 210° über eine geschlossene Wolkendecke. Unter uns ist in einem Wolkenloch der Genfer See zu erkennen. Auf der Funkfrequenz hört man ein Mischmasch aus spanischem, französischem und Schweizer Akzent. Weiter geht es auf dem Airway UN852 an den exotisch klingenden Waypoints DOTIG, GIROL und TUPOX vorbei in Richtung französische Riviera. Endlich bricht auch die Wolkendecke auf, leichte Bewölkung und gute Sicht begleiten uns für den Rest des Fluges. Kapitän Weidlin und Senior First Officer Ebinger bereiten die Landung vor.

Leichte Bewölkung und gute Sichten machen den Anflug auf den Flughafen von Palma de Mallorca zu einem Genuss. © Vasco Garcia

Wir durchqueren mittlerweile 15.000 Fuß. Die malerische Küste Mallorcas mit ihren unverkennbaren kleinen Buchten und dem türkisfarbenen Meer liegt bereits vor uns. Die spanischen Fluglotsen dirigieren uns in Richtung des Flughafens von Palma. In der Nähe des Polensa VOR bekommen wir ein Radar Heading und steuern auf das ILS 24R zu. „Landing check List complete“. Mit Flaps 25 und 150 Knoten setzt die 276 Tonnen schwere Boeing auf der Runway 24R auf und rollt bis zum Ende der Bahn, wo wir von einem gelben Follow Me begrüßt werden. Unser Parkposition befindet sich ganz im Osten des Flughafens. „All doors in park” ertönt aus den Lautsprechern. Kurz nach dem Öffnen der Türen strömt uns eine warme Brise entgegen. Der Urlaub zum Greifen nahe. 30 Grad Celsius und Sonne satt erwarten die fast 350 Passagiere des Fluges LH1152. Einige von Ihnen haben aber nur eine Mission: Einmal Boeing 747 fliegen. Sie freuen sich bereits auf den Rückflug mit uns in zwei Stunden.

Die Faszination Boeing 747 ist allgegenwärtig. Viele Gäste, darunter auch Airline-Angestellte und Fluglotsen nutzten die Gunst der Stunde zum Gespräch mit den zwei Piloten. Geduldig stehen die beiden Rede und Antwort. Nur den Bus zum Terminal dürfen die Passagiere nicht verpassen und somit ist die Gesprächsdauer zeitlich begrenzt. Selbst ein Airbus-A330-Kapitän von Iberia nutzt die Gunst der Stunde, um den speziellen Gast aus der Nähe zu betrachten. Der Besuch der 747 in Palma sorgt für viel positiven Wirbel.

Kapitän Weidlin versteht das nur zu gut: „Schon als kleiner Junge hat mich die Entwicklung der 747 fasziniert. Ich erinnere mich noch, als 10-Jähriger den Erstflug des Jumbos im Fernsehen verfolgt zu haben – nicht nur die Größe und die Eleganz des wunderschönen Fliegers hat mich damals schon beeindruckt, sondern auch die Technik, der Mythos sowie die beteiligten Menschen. Auch wenn es damals nur ein Werbespruch war, wird sie heute zu Recht über 50 Jahre später als ‚Queen of the Skies‘ bezeichnet und wird hoffentlich noch viele Jahre weiter fliegen.”

Die Bodenzeit in Palma beträgt zwei Stunden, dann geht es wieder zurück nach Deutschland. © Vasco Garcia

Die zwei Stunden Bodenzeit auf der Insel vergehen rasant. Dennoch bleibt auch Zeit für einen Austausch mit der Kabinencrew. Purser Heike Reymann erläutert: „Einen Kurzstreckenflug mit einer Boeing 747 durchzuführen erfordert immer ein komplettes Umdenken der Crew. Definitiv kein Standard und somit ist viel Flexibilität und Spontanität gefragt. Reicht die Flugzeit aus, um die Gäste vollumfänglich zu betreuen, wie sie es auf der Langstrecke gewohnt sind? Letztlich hat die enorme Begeisterung der Passagiere für den großartigen Lufthansa Jumbo und die besondere Situation auch uns als Crew mitgerissen und jegliche Bedenken, die wir anfangs hatten, als nicht relevant herausgestellt.”

In 1:45 h von Palma nach Frankfurt

Wir sitzen wieder im Cockpit und warten auf die Taxi Clearance. Flugzeit nach Frankfurt schnelle 1:45 Stunden. Auf dem Hinflug mit der Aufgabe (PM= Pilot monitoring) betreut, übernimmt Felix Ebinger auf dem Rückflug nun die Rolle (PF = Pilot flying). DLH84K Heavy, unser Call Sign für den Rückflug, ist nun startbereit. Selbst mit einem reduzierten Powersetting von 82% N1 (um die vier GEnx-2B Triebwerke) zu schonen, ist die Boeing 747 in kurzer Zeit airborne und gewinnt schnell an Höhe. Ein kurzer Blick zur Seite offenbart uns eine wunderschöne Aussicht auf die im Sonnenlicht schimmernde Insel Mallorca. Ein Juwel im Mittelmeer. Air Traffic Control weist uns an, auf FL140 zu steigen und eine langgezogene Linkskurve in Richtung Norden zu fliegen. Der Rest des Fluges verläuft unspektakulär, und wir hangeln uns auf FL400 an den vorgegebenen Waypoints in Richtung Frankfurt.

Zum Abschluss hat Mutter Natur noch ein Schmankerl für uns im Gepäck. Aus dem Drucker kommt gerade das letzte Wetter für Frankfurt. SIGMET U01 Valid 071345 / 071600. Ein kurzer Blick auf den Ausdruck und mir fallen sofort drei Worte auf „SEV TURB FCST“ = Severe Turbulence Forecast im Bereich FL140. Das kann spannend werden, selbst für so ein großes Flugzeug wie die Boeing 747. 15 Minuten vor der Landung geht es los. Wären die Anschnallzeichen für die Passagiere noch nicht eingeschaltet gewesen, wäre jetzt der ideale Zeitpunkt. Es rüttelt und schüttelt, und ich sehe die zwei Piloten wie sie, festgeschnallt in ihren Sitzen, der Situation mit gewohnter Gelassenheit, Professionalität und dem entsprechenden Humor begegnen. Kapitän Weidlin scherzt: „Jetzt hätte ich noch Lust auf ein Tablett.“

Jeder geht anders mit Turbulenzen um. Auch wenn sich diese fünf Minuten für den ein oder anderen Passagier wie eine Ewigkeit angefühlt haben, navigiert uns die Crew von LH Flug 1153 sicher und routiniert durch diese instabile Wetterlage. Der Tower meldet sich über Funk und weist uns die Landebahn 25L zu. Auf dem Wetterradar erkennt man es schon, weitere Wetterkapriolen in Frankfurt kurz vor der Landung sind zu erwarten. Eine im Süden des Flughafens stehende Regenfront breitet sich schneller als gedacht über dem Flughafen aus.

Runway-Change im Anflug

Die potenzielle Gefahr von auftretenden Windshear erkennt Kapitän Weidlin sofort und kommuniziert mit dem Tower: „DLH84K heavy requesting swing over to Runway 25C due to weather.“ Aufgrund der aktuellen Verkehrs- und Wetterlage wird uns dieser Wunsch sofort gewährt. Die Alternative wäre ein Go Around gewesen. Senior First Officer Ebinger bewegt das Steuerhorn leicht nach rechts für einen Visual Approach auf die 25C. Kurze Zeit später, um 16:39 Uhr, berührt die Boeing 747 wieder deutschen Boden. Die ersten Regentropfen perlen bereits an der Frontscheibe ab. Sekunden später öffnet der Himmel seine Schleusen. Mit den Scheibenwischern auf höchster Stufe rollen wir langsam zum Gate A69, unserer Ausgangsposition von vor über sechs Stunden. Für die Crew von LH1153 ist nach einem anstrengenden und ereignisreichen Tag jetzt Feierabend. Für unsere Boeing 747 geht es an diesem Abend wieder zurück auf die gewohnte Langstrecke. Zwölf Stunden durch die Nacht nach São Paulo.

Vasco Garcia

 

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Über Vasco Garcia

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Vasco D. Garcia, Jahrgang 1972 hat sich als freier Journalist auf den Bereich Zivilluftfahrt spezialisiert und schreibt, photographiert seit zwei Dekaden für deutsch- und englischsprachige Publikationen. Seine Bildersprache, die viel Wert auf Details, Qualität und die speziellen Momente legt, ist eine perfekte Ergänzung zum geschriebenen Wort.

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