Homepage » Luftverkehr » Qantas feiert heute 100-jähriges Bestehen

Qantas ist die älteste ohne Unterbrechung existierende Fluggesellschaft der Welt. Sie wurde heute vor genau 100 Jahren gegründet, um „die Tyrannei der Distanz“ zu beenden. Sie hat in ihrer Geschichte einige historische Meilensteine gesetzt. Obwohl sie aufgrund der Covid-19-Pandemie derzeit Passagiere nur innerhalb Australiens fliegt, bereitet sie sich schon auf den Neustart im nächsten Jahr vor.

16.11.2020

Zum 100-jährigen Bestehen hat Qantas eine Boeing 787 Dreamliner mit einer Sonderlackierung versehen. © Qantas

Vor genau 100 Jahren, am 16. November 1920, gründeten die beiden Veteranen des Australian Flying Corps, Hudson Fysh und Paul McGuinnes, zusammen mit drei Viehzüchtern das Luftfahrtunternehmen Queensland and Northern Territory Aerial Services, abgekürzt Qantas. Schon am 31. Januar 1921 nahm das junge Unternehmen seinen Flugbetrieb mit einer vom Militär ausgemusterten Avro 504K auf. Im ersten Jahr flogen die Flugzeuge hauptsächlich Fracht und Post zwischen dem Outback und den Städten in der Region. Im November 1922 erhielt die Firma den Zuschlag für eine Linienverbindung zwischen den beiden Kleinstädten Charleville und Cloncurry in Queensland.

100 Jahre Qantas

Das Luftfahrtunternehmen wollte „die Tyrannei der Distanz“ beenden, da die großen Entfernungen zwischen den einzelnen Siedlungen in Australien die Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Entwicklung des Norden Australiens erheblich einschränkten, so der Anspruch der jungen Gesellschaft.

Qantas expandierte schnell und entwickelte sich allein aufgrund der Entfernungen zwischen den Städten in Australien zu einer Fluggesellschaft mit großer Erfahrung in Langstreckenflügen. Schon in den dreißiger Jahren bediente Qantas Singapur.

Ende 1940 wurde das Unternehmen aufgrund seiner strategischen Bedeutung verstaatlicht. Trotzdem blieb Qantas eine innovative Airline, die sich nicht scheute, neue Technologien und neue Flugzeuge einzusetzen. Im Juli 1959 übernahm sie beispielsweise als erste Fluggesellschaft außerhalb der USA die Boeing 707. Boeing baute sogar eine Sonderversion, die 707-138, exklusiv für Qantas. Diese Version des legendären Jetliners war drei Meter kürzer als das Standardmodell und verfügte über eine fünfte Aufhängeposition für eine Triebwerk. Qantas nutzte diese Position ab und zu, um Ersatztriebwerke zu befördern. Die 707-138 hatte eine größere Reichweite als die Standard-707.

Qantas hat früh neue Flugzeugmuster genutzt

Auch bei der Boeing 747 war Qantas einer der frühen Nutzer, schon ab 1971 waren Jumbo Jets mit dem fliegenden Känguru auf dem Seitenleitwerk auf der Strecke Sydney – Singapur – London unterwegs. Qantas war auch die weltweit erste Fluggesellschaft, die eine Business Class an Bord ihrer Flugzeuge einführte.

Qantas gehörte auch zu den Airlines, die den Airbus A380 definierten. Die Airline hatte zunächst eine Bestellung über 20 Exemplare bei Airbus abgegeben, aber nach Abnahme von zwölf Exemplaren die Übernahme der weiteren acht A380 immer wieder verschoben. Im Januar 2019 machte sie schließlich reinen Tisch und annullierte den Auftrag für die ausstehenden acht A380.

Zum Jubiläum gab es heute keine großen Feierlichkeiten, dafür aber einen Sonderflug mit einer Boeing 787-9, die mit einer Sonderlackierung versehen wurde. Der Flug mit 100 Angestellten der Airline an Bord führt den Dreamliner über die Wahrzeichen von Sydney wie das Operhaus und die Harbor Bridge.

Sonderflug zum Jubiläum

Alan Joyce, der Hauptgeschäftsführer (CEO) der Qantas Group, sagte: „Weltweit ist Qantas wahrscheinlich für seinen Sicherheitsrekord, seine Langstreckenfüge und seine Meilensteine des Luftverkehrs bekannt. Aber für Australier gibt es nichts Vergleichbares als das fliegende Känguru am Flughafen zu sehen, das darauf wartet, einen nach Hause zu bringen. Wir hoffen sehr, viele solche Dinge in den kommenden Monaten und Jahren wieder zu tun.“

Aufgrund der Covid-19-Pandemie fliegt Qantas seit diesem Frühjahr keine Passagiere mehr international. 53 der 113 Flugzeuge stehen momentan geparkt am Boden. Die australische Regierung hat angekündigt, dass die Grenzen des Landes wahrscheinlich bis Juli 2021 für normalen Linienflüge geschlossen bleiben. Fast schon trotzig teilte die Airline heute zu ihrem Jubiläum mit: „Unsere Flugzeuge mögen gegroundet sein, unser Geist ist es nicht.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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