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Southwest Airlines feiert ihr 50-jähriges Bestehen

Die „Mutter aller Billigfluggesellschaften“ fliegt seit 50 Jahren und hat die Branche geprägt wie wenige andere Airlines. Ihr unkonventioneller und charismatischer Gründer und Chef Herb Kelleher, hat dem Low Cost Carrier seinen Stempel aufgedrückt. Die von ihm installierte Firmenkultur half Southwest Airlines nun auch, durch die Coronakrise zu kommen.

21.06.2021

Mit der Sonderlackierung Freedom One einer ihrer Boeing 737-800 feiert Southwest Airlines die Aufnahme des Flugbetriebs vor 50 Jahren. © Southwest Airlines/Stephen M. Keller

Fluggesellschaften, die einen solch großen Einfluss auf die gesamte Luftverkehrsbranche haben wie Southwest Airlines aus Dallas im US-Bundesstaat Texas, kann man an einer Hand abzählen. Die Airline, die als „Mutter aller Low Cost Carrier“ gilt, hat am 18. Juni ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Aus diesem Grund hat sie eine ihre Boeing 737-800 mit der Sonderlackierung Freedom One versehen. Bei der Vorstellung des Single Aisle Jets im Hangar der Airline auf dem William P. Hobby International Airport in Houston, Texas, sagte Gary Kelly, der Vorsitzende und Hauptgeschäftsführer (CEO) von Southwest Airlines: „Das Wort ‚Freedom‘ hat eine große Bedeutung für die Menschen und die Geschichte von Southwest Airlines. Wir sind denjenigen, die in unseren Streitkräften gedient haben und derzeit dienen, unendlich dankbar – einschließlich der mehr als 7.400 Veteranen und 1.500 Militär-Ehepartner in unserer Southwest-Familie. Unser Ziel ist es, die Menschen durch freundliche, zuverlässige und kostengünstige Flugreisen mit dem zu verbinden, was ihnen im Leben wichtig ist. Wir könnten unseren Zweck nicht erfüllen, wenn wir nicht die Opfer und die Hingabe unserer Militärs und Frauen hätten. Wir schätzen ihren Dienst und ihre Tapferkeit, mit der sie unserem Land einen Schutzschild der Freiheit bieten.“

Southwest Airlines: Freedom One

Der erste Flug von Southwest Airlines hob am 18. Juni 1971 ab. Die Airline startete mit drei Boeing 737-200. Zunächst bediente die Gesellschaft die drei texanischen Städte, Dallas, Houston und San Antonio, bevor sie ihren Siegeszug in den Vereinigten Staaten antrat. Die Airline folgte dem Konzept: Einfache Betriebsabläufe, eine Flugzeugfamilie und günstige Preise. Das Konzept wurde mehrfach von anderen Fluggesellschaften übernommen und adaptiert. Den größten Erfolg bei der Kopie des Geschäftsmodells von Southwest Airlines hat die irische Discount-Airline Ryanair.

Größter Betreiber der Boeing 737

Southwest Airlines betreibt derzeit 744 Flugzeuge der Boeing 737-Familie und ist damit der größte Kunde für den Single-Aisle-Jet. Nur 57 der 744 Boeing 737 sind derzeit geparkt, der Rest steht im aktiven Flugbetrieb, nachdem der inneramerikanische Flugverkehr wieder zu wachsen beginnt.

Southwest Airlines betreibt rund 750 Boeing 737. © Volker K. Thomalla

Ausgerechnet in der Jubiläumswoche erwischte die so erfolgreiche Southwest Airlines: Ein Computerfehler legte Teile des Reservierungssystems lahm, so dass eine Vielzahl von Flügen ausfallen musste.

Southwest Airlines beschäftigt derzeit 56.000 Mitarbeiter und hat 2019 über 130 Millionen Passagiere befördert. Damit ist sie auch der größte Carrier für Flüge innerhalb der USA. Erst vor wenigen Jahren hatte die Airline überhaupt ihre ersten Auslandsflüge angeboten. Nun bedient sie auch Ziele in zehn weiteren Ländern. Southwest Airlines ist auch kommerziell die erfolgreichste Airline der Welt: Mit Ausnahme des Pandemie-Jahres 2020 hat sie fast kontinuierlich Gewinne gemacht.

Geschenk der US-Luftfahrtbehörde FAA

Auch die US-Luftfahrtbehörde FAA gratulierte Southwest Airlines zum 50. Geburtstag und überraschte mit einem besonderen Geschenk: Als Auszeichnung für die Verdienste des Gründers und langjährigen Southwest-Airlines-Chefs Herb Kelleher, benannte sie einen Approach auf den Hobby Airport in Houston HERBZ. Kelleher war am 3. Januar 2019 gestorben. Er führte die Airline seit ihrer Gründung bis zum Mai 2008.

Sein Mangagementstil war unkonventionell, das mag ein Beispiel über einen Streit mit dem Wartungs- und Business Aviation-Unternehmen Stevens Aviation aus dem Jahr 1992 zeigen: Southwest Airlines hatte 15 Monate lang mit dem Werbeslogan „Plane Smart“ geworben, als Stevens Aviation die Airline aufforderte, den Slogan nicht länger zu nutzen, da Stevens den Slogan schon länger genutzt hatte. Kurt Herwald, der CEO von Stevens Aviation hasste – genau wie Kelleher (der ja ausgebildeter Rechtsanwalt war) – juristische Auseinandersetzungen. Deshalb schlug er Kelleher vor, mit einem öffentlichen Armdrücken auszufechten, wer künftig den Slogan verwenden dürfte. Das Armdrücken fand in Dallas statt und war für beide Firmen ein unglaublicher Marketing-Erfolg. Kelleher verlor den Kampf, aber Southwest Airlines hatte enorm an Sympathie und Popularität gewonnen. Kelleher sagte danach: „Es hätte Southwest 500.000 Dollar gekostet und ein Prozess hätte mehrere Jahre gedauert, bis es eine Entscheidung gegeben hätte.“  Nach dem Kampf verdoppelte sich der Aktienkurs des Unternehmens, und Stevens Aviation konnte seinen Umsatz innerhalb von drei Jahren vervierfachen.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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