Homepage » Business Aviation » Dassault Aviation feiert das Roll-out der Falcon 10X

Dassault Aviation feiert das Roll-out der Falcon 10X

Das neue Flaggschiff von Dassault Aviation, die Falcon 10X, wurde gestern Abend offiziell in einer beeindruckenden Roll-out-Zeremonie der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Ultralangstreckenjet verfügt über eine Reichweite von 7.500 nautischen Meilen und bietet seinen Nutzern dank seiner großen Kabine ein neues Flugerlebnis in der Business Aviation. Volker K. Thomalla berichtet aus Bordeaux-Mérignac.

11.03.2026

Mit einer spektakulären Lichtshow präsentierte Dassault Aviation am 10.03.2026 die Falcon 10X in Bordeaux-Mérignac. © Dassault Aviation

Der französische Flugzeughersteller Dassault Aviation hat am 10. März in seinem Werk in Bordeaux-Mérignac im Südwesten Frankreichs sein neues Flaggschiff vorgestellt. Der zweistrahlige Ultralangstrecken-Business-Jet Dassault Falcon 10X ist der mit Abstand größte Business Jet des Herstellers. Seine Spannweite beträgt 33,60 Meter, die Gesamtlänge 33 Meter. Im Vergleich zur Falcon 8X – dem bisherigen zivilen Flaggschiff des Unternehmens – ist das eine um 7,60 Meter größere Spannweite und eine um 9,0 Meter größere Länge. Das Datum wurde nicht zufällig gewählt, denn der 10. März war schon mehrfach ein wichtiger Tag in der Geschichte des Herstellers: AM 10. März 1978 hob der Prototyp der Mirage 2000 zu seinem Erstflug ab, am 10. März 2021 startete die Falcon 6X zu ihrem Erstflug. Und nun hat sich mit dem 10. März 2026 ein weiterer Meilenstein in der Geschichte von Dassault Aviation ereignet.

Roll-out der Falcon 10X

Die Falcon 10X ist ein komplett neu entwickeltes Flugzeugmuster mit einem Kabinenvolumen von 78,7 Kubikmetern. Dassault Aviation hatte das 10X-Programm offiziell im Mai 2021 gelauncht. Seinerzeit war der Hersteller von einer Indienststellung Ende 2025 ausgegangen.

Die Kabine ist der Falcon 10X ist 16,40 Meter lang und kann in vier verschiedene Kabinenbereiche (Lounges) aufgeteilt werden, die auch einzeln kontrolliert werden und unterschiedliche Temperaturen aufweisen können. Dank eines modularen Konzepts können die Kunden der Falcon 10X ihre Kabinen individuell zusammenstellen und gestalten. Unter anderem ist es auch möglich, eine Dusche mit Stehhöhe einzubauen – was angesichts der Reichweite von 7.500 nautischen Meilen und einer entsprechenden Flugdauer eine nicht zu unterschätzende Annehmlichkeit darstellt.

Bei der Wahl der Materialien hat Dassault sich für einen Rumpf aus Aluminium und Tragflächen aus Faserverbundwerkstoffen entschieden. Diese Technologie beherrscht Dassault schon seit Jahrzehnten. Der erste Business Jet mit Kohelfaserflügeln war die Falcon 10V, die schon 1985 zugelassen wurde. Die Tragflächen des Kampfflugzeugs Rafale von Dassault Aviation sind ebenfalls aus Composites gefertigt und haben sich unter harschen militärischen Einsatzbedingungen bewährt.

NeXus Flight Deck reduziert die Arbeitsbelastung der Crews

Antoine Doussaud, einer der Experimental Test Pilots von Dassault Aviation und Mitglied des Falcon 10X-Teams, stellte das NeXus Flight Deck der Falcon 10X vor. Es stellt eine Weiterentwicklung der EASy-Cockpitfamilie von Dassault und Honeywell dar. Ziel der Entwicklung des Cockpits der nächsten Generation sei es gewesen, so Doussaud, eine intuitive und einfache Schnittstelle zu schaffen, die die Arbeitsbelastung der Cockpitcrews reduziert und gleichzeitig das Situationsbewusstsein erhöht.

Im Cockpit finden die Besatzungen vier Hauptbildschirme (Main Displays) sowie vier Sekundärbildschirme (Secondary Displays) und zwei Touchpads vor, auf denen die flug- und systemrelevanten Informationen übersichtlich präsentiert werden. Die Secondary Displays sind in der Zentralkonsole und jeweils rechts und links außen im Instrumentenbrett integriert. Dank einer so genannten „Open World“ Funktionalität können auch externe Applikationen auf den Touchpads laufen. Dazu gehören Apps mit ergänzenden Funktionen zur Unterstützung des Fluges wie beispielsweise Wetterinformationen oder andere Apps. Die Displays können aber auch genutzt werden, sollte die Falcon 10X zum Special Mission Aircraft modifiziert werden, beispielsweise als Elektronikaufklärer oder Seefernaufklärer.

Das Nexus-Flightdeck der Falcon 10X ist das derzeit modernste Cockpit der Business Aviation. Es gibt nur einen Gashebel für die beiden Rolls-Royce-Pearl-10X-Turbofans. © Dassault Aviation

Das Overhead-Panel wurde von den Konstrukteuren im Vergleich zur Falcon 6X um die Hälfte reduziert. Die Falcon 10X wird serienmäßig mit zwei Head-up-Displays (HUD) ausgeliefert. Das HUD zeigt die Informationen des Combined-Vision-Systems (CVS), bei dem die Informationen des optischen Enhanced Vision Systems und des Synthetic Vision Systems übereinandergelegt werden und so der Crew auch bei Nebel und Dunkelheit ein genaues Abbild der vor ihnen liegenden Landschaft zeigen. Das CVS erlaubt Anflüge bis zu einer Höhe von 100 Fuß über der Pistenschwelle.

Zur weiteren Arbeitsentlastung der Cockpitcrews trägt der so genannte „Smart Throttle“ bei. Obwohl die Falcon 10X von zwei Rolls-Royce Pearl 10X-Turbofans angetrieben wird, gibt es nur einen Gashebel. Die Piloten müssen nun nicht mehr die Leistungen der einzelnen Triebwerke der gewünschten Flugsituation anpassen, sie rufen einfach über die Throttle-Stellung den erforderlichen Schub ab. Definierte, virtuelle Positionen des Gashebels für beispielsweise „Max. Climb“, „Idle“ oder „Reverse“erlauben die taktile Bedienung des Throttles, ohne dass die Crew die Gashebelstellung optisch prüfen muss.

Die Falcon 10X wird von zwei Pearl 10X von Rolls-Royce Deutschland angetrieben. © Rolls-Royce

Angetrieben wird die Falcon 10X von zwei Rolls-Royce Pearl 10X-Turbofans. Es ist das erste Mal, dass der französische Hersteller für einen Business Jet ein Rolls-Royce-Triebwerk verwendet. Die Aggregate werden in Dahlewitz bei Berlin produziert und leisten je „über 18.000 lbs Startschub“ (umgerechnet über 80 kN), sagte Philipp Zeller, der Senior Vice President für Dassault und das 10X-Programm bei Rolls-Royce bei einem Medienbriefing in Paris. Die Zweiwellen-Triebwerke sind bereits für die Verwendung von reinem Sustainable Aviation Fuel (SAF) ausgelegt und leisten damit einen wichtigen Beitrag für den nachhaltigen Flugbetrieb der Falcon 10X.

Rolls-Royce hat bereits alle Zulassungstests für das Pearl 10X erfolgreich abgeschlossen und arbeitet nun an der notwendigen Dokumentation für die Behörden. Das Pearl 10X hat schon über 3.500 Teststunden absolviert, inklusive 25 Testflügen an Bord des fliegenden Rolls-Royce-Prüfstands, einer modifizierten Boeing 747-200. Der Triebwerkshersteller hat in unmittelbarer Nähe des Dassault-Werks in Bordeaux ein eigenes Support Center errichtet, das eröffnet ist und die Flugerprobung der Falcon 10X unterstützen wird. Philipp Zeller sagte, Rolls-Royce habe bereits zehn Pearl 10X für die Flugerprobung fertiggestellt.

Für die Endmontage der Falcon 10X hat Dassault Aviation in Mérignac extra eine neue, 26.500 Quadratmeter große Endmontagehalle errichtet.

Dassault Aviation strebt den Erstflug der Falcon 10X in den nächsten Monaten an. Nach dem Erstflug werde es nach Angaben von Eric Trappier, dem Präsidenten und Vorsitzenden von Dassault Aviation zwischen zwei und drei Jahre bis zur Zulassung dauern. Dassault strebt die parallele Zertifizierung des Musters durch die EASA (Agentur für Flugsicherheit der Europäischen Union) und der US-Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) an,

Volker K. Thomalla

 

Keine News mehr verpassen: Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Folgen Sie uns auf Bluesky

Liken Sie uns auf Facebook

 

Schon gelesen?

Das Pearl 10X, das Triebwerk der Falcon 10X, ist erstmalig geflogen

FlightSafety übernimmt das Training für die Dassault Falcon 10X

Dassault hat die Falcon 10X enthüllt

Über Volker K. Thomalla

zum Aerobuzz.de
Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.