Homepage » Business Aviation » Dassault hat die Falcon 10X enthüllt

Dassault Aviation hat heute seinen neuesten Business Jet der Öffentlichkeit vorgestellt: Die Falcon 10X wird der größte Jet und das neue Flaggschiff des Herstellers. Mit der 10X stößt Dassault Aviation auch in eine neue Reichweitendimension vor, die Flugzeiten von über 15 Stunden ermöglicht. Dementsprechend großen Wert haben die Konstrukteure bei der Auslegung des neuen Jets auf Passagierkomfort gelegt.

6.05.2021

Dassault Aviation hat sein neues Flaggschiff Falcon 10X am 06. Mai 2021 der Öffentlichkeit erstmalig präsentiert. © Dassault Aviation

Der französische Aerospace-Konzern Dassault Aviation hat heute den Vorhang geöffnet, hinter dem bislang das neueste Mitglied der Business-Jet-Familie Dassault Falcon Jet verborgen war. Die Falcon 10X – so der Name des neuen Falcon Jets – wird das neue zivile Flaggschiff des Herstellers. Schon mit der Bezeichnung gelang dem Hersteller bei der heutigen Premiere ein Coup, denn wohl kaum jemand hätte auf Falcon 10X als Namen getippt, sondern eher auf eine Falcon 9X.

Carlos Brana, der Executive Vice President Civil Aircraft bei Dassault Aviation, nannte als Rahmendaten, die das Unternehmen bei der Entwicklung des Flugzeugs angestrebt hatte, eine Reichweite von 7.500 nautischen Meilen (13.890 Kilometer) bei einer Reisegeschwindigkeit von Mach 0.85, eine Startstrecke von unter 6.000 Fuß (1.829 Meter), eine Landestrecke von unter 2.500 Fuß (762 Meter) sowie die Fähigkeit, auch von Flugplätzen wie dem London City Airport aus zu operieren.

Dassault Falcon 10X

Mit 7.500 nautischen Meilen Reichweite kommt der zweistrahlige Jet von Paris problemlos nonstop nach Tokio, Anchorage oder Honolulu. Selbst der nordwestlichste Zipfel Australiens ist noch innerhalb des globalen Reichweitenzirkels. Von New York aus erreicht die Falcon 10X Australien nicht, aber dafür alle anderen Kontinente ohne Zwischenlandung.

Die 10X ist eine Neuentwicklung

Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine komplette Neuentwicklung und kein modifiziertes Muster, betont Dassault. Das zeigt sich beispielsweise beim Rumpfquerschnitt, der mit einem Durchmesser von 2,90 Meter so gewählt wurde, um die Kabine optimal für längste Flüge gestalten zu können. Der Kabinen-Durchmesser beträgt 2,77 Meter und bietet eine Stehhöhe von 2,03 Metern. Damit ist die Falcon 10X der Business Jet mit dem größten Rumpfdurchmesser und löst die Falcon 6X ab, die auf 2,70 Meter kommt. Angesichts dieser Maße überrascht das Kabinenvolumen von 78,7 Kubikmetern nicht. Wie breit die Kabine ist, wird deutlich, wenn man sich vor Augen hält, dass die Passagiere im Konferenz-/Essbereich vom Tisch aufstehen können, ohne dass sie ihren Sitznachbarn bitten müssen, Platz zu machen.

Bei der Innenausrüstung können die Kunden aus einer Vielzahl von Konfigurationen und Optionen auswählen. „Wir bieten unseren Kunden ein maßgeschneidertes Flugzeug“, sagte Carlos Brana. Insgesamt 38 extragroße Fenster sorgen für viel natürliches Licht in der Kabine. Selbst in der optional erhältlichen Dusche ist ein Fenster vorgesehen. Dieses kann man aber verdunkeln, wenn man duschen möchte, wenn das Flugzeug gelandet ist. Ähnlich wie bei einigen Airlines aus dem Mittleren Osten wird Dassault in der Falcon 10X auch einen Passagiersitz anbieten, der sich mittels einer Trennwand zu einer privaten Suite verwandeln lässt.

Höchster Passagierkomfort gefordert

Gerade auf Ultralangstreckenflügen, wie sie mit der Falcon 10X möglich sein werden, hat der Passagierkomfort höchsten Stellenwert. Die Flüge können 15 Stunden und mehr dauern. Je niedriger die Druckhöhe in der Kabine ist, umso angenehmer und weniger ermüdend sind solche Reisen für die Insassen. Dassault wird einen Kabinendruck bei seinem neuen Flaggschiff realisieren, der dem Druck auf nur 3.000 Fuß Höhe entspricht, selbst wenn das Flugzeug in Flugfläche 410 fliegt.

Die Kabine ist mit 2,77 Meter breiter als die jedes anderen Business Jets. Die Passagiere sollen sich ja auch während einer Flugzeit von 15 Stunden noch wohlfühlen. © Dassault Aviation

Den Antrieb für die Falcon 10X liefert Rolls-Royce in Form von zwei Rolls-Royce Pearl 10X. Dieses Triebwerk ist die modernste und größte Version des Rolls-Royce Pearl. Die Technologie dieses Turbofans hat der Hersteller mit seinem Technologie-Demonstrationsprogramm Advance2 zur Reife gebracht. Nie zuvor hat Rolls-Royce einen Business Jet von Dassault Aviation ausgerüstet. Als Startschub nennt der Hersteller 18.000 lbs (80 kN). Das Triebwerk wird rund fünf Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als heutige Triebwerke, wird aber für die Verwendung von 100 Prozent nachhaltig produziertem Treibstoff, dem so genannten SAF (Sustainable Aviation Fuel) zugelassen sein. Erste Tests dazu hat der Hersteller bereits auf dem Prüfstand in Dahlewitz absolviert. Das Pearl 10X soll auch eines der leisesten Triebwerke auf dem Markt werden. Dafür sorgen verschiedene Maßnahmen, unter anderem eine optimierte Verkleidung der Triebwerkseinläufe. Dr. Dirk Geisinger, der Hauptgeschäftsführer (CEO) von Rolls-Royce Deutschland, sagte: „Wir haben bereits 1.000 Testzyklen und über 500 Stunden Erfahrung gesammelt. Das Pearl 10X wird das erste Triebwerk sein, welches wir an unserem neuen fliegenden Prüfstand, einer Boeing 747-400, testen. Die 747-400 ist ein fliegender digitaler Hub und ermöglicht uns die Auswertung von mehr Daten als jemals zu vor.“

Cockpit der übernächsten Generation

Das Cockpit der Falcon 10X wird nicht nur ein Cockpit der nächsten, sondern auch der übernächsten Generation sein. Neben den großen Touchscreen-Panorama-Displays mit Gestensteuerung wie bei einem Smartphone im Instrumentenbrett bieten auch zwei Advanced Head-up-Displays (HUD) den Piloten alle flugrelevanten Informationen. Für die HUDs strebt Dassault Aviation eine Zulassung als „Sole Means of Flying“ an, das bedeutet, dass die Besatzung alle Informationen für die sichere Flugdurchführung auch im Display sieht, ohne den Kopf zu senken, um auf die Instrumente zu schauen.

Auf der Mittelkonsole im Cockpit der Falcon 10X thront ein einziger Gashebel, der so genannte Smart Mono Throttle, der beide Triebwerke digital steuert. Eine Trimmung sucht man im 10X-Cockpit vergeblich, die neueste Generation der digitalen Flugsteuerung DFSC (Digital Flight Control System) von Dassault trimmt das Flugzeug abhängig von den Eingaben der Crew immer optimal. Das Overhead-Panel ist im Vergleich zu heutigen Flugzeugen deutlich in seinen Ausmaßen geschrumpft. Viele Schalter, Sicherungen und Hebel sind als digitale Funktionen in die Avionik eingeflossen und können per Bildschirm bedient werden.

Dassault wird die modernster Version seiner digitalen Fly-by-Wire-Flugsteuerung in die Falcon 10X integrieren. © Dassault Aviation

Um auf künftige Entwicklungen vorbereitet zu sein, sollen die Pilotensessel der Falcon 10X in eine Liegeposition ausgefahren werden können, allerdings immer nur einer zur Zeit. Die Arbeitsbelastung durch die Automatisierung verringert sich nach Angaben von Dassault-Cheftestpilot Philippe Duchateau so stark, dass zumindest theoretisch im Reiseflug einer der Piloten im Cockpit ruhen könnte. Derzeit, so betont es Duchateau, sei es noch nicht zugelassen, dazu bedürfe es noch weiterer Systeme, die beispielsweise die Müdigkeit der Crew überwachen, aber in Zukunft sei eine Extended Minimum Crew Operation (eMCO) durchaus vorstellbar.

Assistenzsysteme für die Piloten

Assistenzsysteme für die Crew werden in der Flugsteuerung der Falcon 10X integriert. Da kommt Dassault Aviation die große Erfahrung im Bau von militärischen Hochleistungsflugzeugen zugute. Die 10X wird beispielsweise wie die Rafale ein System erhalten, das den Jet im Fall einer räumlichen Desorientierung der Crew oder bei einer unkonventionellen Fluglage, ausgelöst durch Wirbelschleppen eines nahe vorbei fliegenden Widebodies, automatisch wieder in eine normale Fluglage zurückbringt.

Die Tragflächen des neuen Dassault-Flaggschiffs kommen auf eine Spannweite von 33,60 Meter und übertreffen damit sogar die Spannweite des bisher einzigen Airliners des Herstellers, des Single Aisle Jets Dassault Mercure, der auf 30,55 Meter Spannweite kam. Die Tragflächen werden komplett aus Faserverbundwerkstoffen gefertigt und sollen nicht nur für einen effizienten, sondern auch für einen ruhigen Flug sorgen. Eine hohe Streckung sorgt für Effizienz, Slats, Flaps, Spoiler und große Querruder für eine große Agilität und eine hohe Geschwindigkeitsbandbreite.

Das Programm der rund 71,5 Millionen US-Dollar (Wertstellung 2021) teuren Falcon 10X ist schon weit fortgeschritten. Als Datum der Zulassung und der Indienststellung des neuen Musters nennt Dassault Aviation Ende 2025.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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