Homepage » General Aviation » Die Eco Caravan ist zum ersten Mal geflogen

Die hybrid-elektrisch angetriebene Eco Caravan von Ampaire hat ihren Erstflug absolviert. Der Verbrennungsmotor des Antriebssystems kommt aus Deutschland. Das kalifornische Start-up-Unternehmen will die Umrüstung von konventionell angtriebenen Cessna Caravan zu Eco Caravan bis 2024 durch die FAA-Zulassung bringen.

21.11.2022

Am 18. November 2022 absolvierte die hybrid-elektrisch angetriebene Eco Caravan in Camarillo in Kalifornien ihren Erstflug. © Ampaire

Am 18. November um 07.49 Uhr Ortszeit schob der Testpilot Elliot Seguin den Leistungshebel der ersten hybrid-elektrisch angetriebenen Eco Caravan nach vorne, das Flugzeug beschleunigte auf der 1.833 Meter langen Asphaltpiste des Camarillo Airport im US-Bundesstaat Kalifornien und hob ab. Seguin ließ die Eco Caravan auf 3.500 Fuß steigen, zog den Leistungshebel zurück auf Reiseleistung und testete in dieser Höhe 20 Minuten lang verschiedene Leistungseinstellungen, beobachtete die angezeigten Daten und kehrte dann zum Startflugplatz zurück, wo er 33 Minuten nach dem Start wieder landete. Der Erstflug der Eco Caravan von Ampaire war gelungen. Seguin sagte nach dem Flug: „Das Eco Caravan-Antriebssystem funktionierte genau wie erwartet. Alles war ruhig und leise. Alle Temperatur- und Leistungsmesswerte waren normal.“

Das 2016 gegründete Unternehmen Ampaire strebt an, die Zulassung der US-Luftfahrtbehörde FAA für den Umbau einer Serien-Caravan mit Turboprop-Antrieb auf sein hybrid-elektrisches Antriebssystem bis 2024 zu erreichen. Neben dem von Ampaire entwickelten Elektromotor arbeitet auch ein Zwölfyzlinder-Dieselmotor A03 mit 406 kW (550 PS) von RED Aircraft aus Adenau in der Eifel unter der Cowling der Eco Caravan.

Bis zu 70 Prozent geringerer Verbrauch

Nach Berechnungen der Ampaire-Ingenieure verbraucht die Eco Caravan bis zu 70 Prozent weniger Treibstoff als das Ausgangsmuster. Die CO2-Emissionen können – wenn SAF als Treibstoff verwendet wird – fast auf null gefahren werden. Die Betriebskosten der Eco Caravan lägen nach Angaben von Ampaire 25 bis 40 Prozent niedriger als die einer konventionell angetriebenen Caravan.

Dank der hybrid-elektrischen Auslegung kann die Eco Caravan ihre Batterien im Flug laden. Die Reichweite beziffert der Antriebshersteller mit „deutlich über 1.000 Meilen“, was umgerechnet mehr als 1.609 Kilometer sind. Diese Eigenschaft hebt Ampaire besonders hervor, denn er erwartet, dass die Lade-Infrastruktur an den Flugplätzen noch auf Jahre hinaus limitiert sein werde. Deswegen sei es besonders bedeutend, dass ein Flugzeug auch unabhängig von dieser betrieben werde könne. Die Batterien des Antriebssystems sind im Cargopod unter dem Rumpf der Caravan untergebracht. Die Nutzlast-Kapazität beträgt nach Firmenangaben elf Passagiere oder 2.500 pounds (1.133 Kilogramm).

Kevin Noertker, der Hauptgeschäftsführer (CEO) von Ampaire, sagte: „Die Luftfahrt ist die am schwersten zu dekarbonisierende Branche. Vollelektrische Flugzeuge haben aufgrund ihres Gewichts und der Energiekapazität der Batterien der aktuellen Generation eine begrenzte Reichweite. Hybridelektrische Flugzeuge hingegen können die Reichweite und den Nutzen heutiger Flugzeuge erhalten. Deshalb konzentrieren wir uns auf hybrid-elektrische Antriebe für eine Reihe von immer leistungsfähigeren Regionalflugzeugen. Dies ist ein Weg für die Luftfahrtindustrie, die Dekarbonisierung zu beschleunigen und gleichzeitig von niedrigeren Betriebskosten zu profitieren. Die Einführung der hybrid-elektrischen Luftfahrt ist keine einfache Aufgabe, aber wir haben sie durch die Umrüstung eines bereits zertifizierten Flugzeugs erleichtert.“

Eine beeindruckende Zahl von Caravan-Betreibern habe bereits Umrpstungsverträge unterschrieben, so Ampaire. Die Antriebstechnologie ist nach Angaben des Unternehmens skalierbar bis zu Antriebssystemen für Regionalflugzeuge. Ampaire hat sein Antriebssystem zuvor intensiv mit dem Versuchsträger Ampaire EEL auf Basis einer umgebauten Cessna 337 Push-pull getestet. Unter anderem hat das Unternehmen EEL auf Hawaii und in Großbritannien unter annähernd realen Regional-Airline-Bedingungen geflogen.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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