Homepage » General Aviation » Van’s Aircraft feiert sein 50-jähriges Bestehen

Der erfolgreichste Kitflugzeug-Hersteller der Welt, Van’s Aircraft aus Aurora im US-Bundesstaat Oregon, wurde vor 50 Jahren von Richard VanGrunsven gegründet. An keinem besseren Ort als in Oshkosh während des EAA AirVenture könnte man das Betriebsjubiläum feiern.

27.07.2022

Die RV-15 ist der erste Schulterdecker in der 50-jährigen Geschichte von Van's Aircraft. © Van's Aircraft

Wenn jemand vor 1972 selbst ein Flugzeug bauen wollte, musste er entweder Ingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik sein oder aber über die Begabung verfügen, sein Fluggerät komplett selbst zu entwickeln und zu fertigen. Einige Firmen verkauften damals schon Baupläne für Selbstbauflugzeuge, aber die Auswahl an Typen war sehr überschaubar.

Richard VanGrunsven aus Reedville in Oregon hatte schon Erfahrungen darin gesammelt, ein bestehendes Selbstbauflugzeug, eine Stits SA-3A Playboy, zu modifizieren und zu verbessern. Da er überzeugt war, ein besseres Flugzeug entwerfen zu können, entwickelte er die einsitzige RV-3 in Ganzmetall-Bauweise. Die RV-3 sollte kunstflugtauglich sein, eine hohe Reisegeschwindigkeit erreichen, angenehme Flugeigenschaften aufweisen und erschwinglich sein und auch von Nicht-Ingenieuren gebaut werden können.

RV-Flugzeuge

Um die Pläne für das Flugzeug zu vermarkten, gründete VanGrunsven 1972 Van’s Aircraft. In diesem Jahre stellte er seine RV-3 auch auf dem EAA Fly-in in Oshkosh vor und wurde für die beste aerodynamische Auslegung eines Homebuilt ausgezeichnet.

Neben den Plänen stellte VanGrunsven auch komplexe Teile des Flugzeugs für seine Kunden in einem Schuppen neben seinem Wohnhaus selbst her. Die Nachfrage nach den Plänen und vorgefertigten Teilen für die RV-3 wuchs, so dass VanGrunsven mit seiner Familie nach Reedville westlich von Portland zog, um dort ein größeres Gebäude für die Fabrikation von Teilen zu beziehen.

Als Ergänzung der einsitzigen RV-3 stieß ab 1979 die doppelsitzige RV-4 hinzu. Um eine möglichst schlanke Rumpfform zu gewährleisten, sitzen die beiden Insassen hintereinander. Der Doppelsitzer eroberte die Herzen der Amateurflugzeugbauer schnell.

Die RV-4 war der erste Doppelsitzer

Richard VanGrunsven wollte möglichst vielen Menschen die Möglichkeit geben, ihr eigenes Flugzeug selbst zu bauen und entschied sich daher, nicht mehr nur Pläne und Teile anzubieten, sondern komplette Bausätze. Die US-Luftfahrtbehörde FAA erlaubte dies, vorausgesetzt, 51 Prozent der Arbeiten werden vom Amateurflugzeugbauer selbst ausgeführt. Das Konzept setzte sich durch, vor allem auch, weil viele der Kitflugzeuge sehr individuell ausgerüstet und lackiert werden. Kitflugzeuge sind eben keine Flugzeuge von der Stange.

In Deutschland wurden die Bausatzflugzeuge von der für den Amateurflugzeugbau zuständigen Oskar-Ursinus-Vereinigung nicht als vollwertige Selbstbauflugzeuge anerkannt. Selbst Anfang der neunziger Jahre, rümpften bei den OUV-Sommertreffen noch einige eingefleischte Mitglieder die Nase, wenn ein Kitflugzeug zum Fly-in erschien. Das hat sich mittlerweile deutlich gewandelt. Bei den OUV-Treffen sind heute mehr Bausatzflugzeuge zu sehen als komplett selbst entwickelte Flugzeuge.

1985 ergänzte Van’s Aircraft seine Produktpalette um die RV-6. Das war das erste RV-Flugzeug, in dem die beiden Insassen nebeneinander sitzen. Das Flugzeug – auch wieder eine klassische Ganzmetall-Konstruktion – war vom Fleck weg erfolgreich. Bis 2001 verkaufte Van’s Aircraft nicht weniger als 2.704 Exemplare der RV-6, die auch fertiggesetellt wurden. Ab 2001 wurde die RV-6 durch die verbesserte RV-7 mit Spornrad-Fahrwerk und die RV-7A (mit Bugrad-Fahrwerk) abgelöst.

Builder Assist Programm unterstützt die Kunden

Für Kunden, die Hilfe beim Bau eines RV-Flugzeugs benötigen, entwickelte die Firma Unterstützungsservices, das sogenannte „Builder Assist“-Programm. Die Bausätze wurden im Laufe der Zeit immer ausgefeilter, so dass der Bau einer RV-7 oder RV-7A beispielsweise heute in rund 1.500 Arbeitsstunden zu schaffen ist.

Aufgrund ihrer großen Zahl sind RV-Flugzeuge immer prominent auf dem EAA AirVenture in Oshkosh vertreten. In diesem Jahr sind besonders viele RV’s nach Oshkosh gekommen, um das 50-jährige Bestehen der Firma zu feiern. Auch die Experimental Aircraft Association (EAA) als Dachorganisation der Flugzeug-Selbstbauer weiß, was sie Van’s Aircraft zu verdanken hat und ehrte das Unternehmen gleich am ersten Tag des AirVenture mit einem Formationsflug von 50 RV-Flugzeugen.

Bis zum 26. Juli 2022 sind 11.114 RV-Flugzeuge fertiggestellt und geflogen. Keine andere Kitflugzeug-Familie ist so weit und so zahlreich verbreitet. Nach Modellen geordnet teilen sich die fertiggestellten RVs wie folgt auf:

 

Muster Anzahl
RV-3 304
RV-4 1.445
RV-6/-6A 2.704
RV-7/-7A 1.906
RV-8/-8A 1.609
RV-9/-9A 1.1173
RV-10 1.010
RV-12/-12iS 761
RV-14/-14A 202

Van’s Aircraft ruht sich nicht auf dem Erreichten auf. Zum Firmenjubiläum kündigte das Unternehmen die RV-15 an, einen Doppelsitzer in Schulterdecker-Auslegung. Das erste Exemplar fliegt bereits und wird derzeit erprobt. Erst nach Abschluss der Erprobung wird der Bausatz entwickelt und angeboten. Der Stand von Van’s Aircraft in Oshkosh ist gut besucht, und mit der RV-15 ist der erste Schritt in Richtung der nächsten 50 Jahre des Unternehmens getan.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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