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Airbus will mit Vertex einen nächsten Schritt zum autonomen Fliegen gehen

Die Airbus-Innovationsschmiede UpNext wird verschiedene Technologie-Bausteine in den H130 Flightlab-Demonstrator einbauen, um das Fliegen eines Helikopters für dramatisch zu vereinfachen und sicherer zu machen. Das Projekt Vertex ist aber auch ein Schritt in Richtung autonomes Fliegen, denn es testet Technologien im Zusammenspiel, die dafür unabdingbar sind.

11.05.2021

Airbus wird mit dem Projekt Vertex Technologien zum autonomen Fliegen in seinem Testträger H130 Flightlab erproben. © Airbus Helicopters

Airbus wird in naher Zukunft verschiedene Technologien zum autonomen Fliegen von Drehflüglern an seinem Testträger H130 Flightlab testen. Séverin Dauvergne, der Leiter des Vertex Demonstrator-Programms, sagte im Gespräch mit Aerobuzz, man werde im Rahmen des Vertex-Programms verschiedene Bausteine erproben, die unterschiedliche Autonomie-Grade ermöglichen. Die Ergebnisse von Vertex sollen sowohl als nachrüstbare Eigenschaften in bestehende Hubschrauber einfließen, als auch in neue Programme und in Fluggeräte für die künftige Urban Air Mobility (UAM). Die Mission von Airbus sei nicht, die Autonomie als Ziel an sich voranzutreiben, sondern autonome Technologien neben anderen technologischen Innovationen zu erforschen, um das Potenzial zur Verbesserung des Flugbetriebs zu analysieren und gleichzeitig diese Möglichkeiten zur weiteren Erhöhung der Flugsicherheit nutzen, so der Hersteller.

Helikoptersteuerung per Tablet

Im Rahmen von Vertex, das unter der Ägide der Airbus-Innovationstochter Airbus UpNext läuft, verfolgt der Hersteller das Ziel, eine Flugsteuerung für Drehflügler zu entwickeln und zu testen, bei der die Crew den Hubschrauber über fortschrittliche Mensch-Maschine-Schnittstellen steuert. Eine dieser Schnittstellen ist ein Joystick anstelle der heutigen Pedale, Cyclic und Controls. Eine weitere Schnittstelle ist ein von Airbus selbst hergestelltes Tablet. Darüber geschieht die Flugplanung, entweder in Form von numerischen Eingaben oder über grafische Eingaben auf dem Bildschirm. „Der Pilot/die Pilotin gibt ein, wo er hinfliegen will und bestätigt. Dann startet der Helikopter und führt den Flug selbstständig bis zum Abstellen durch“, sagt Dauvergne. „Er oder sie kann sich so komplett auf die Mission konzentrieren, das Fliegen übernimmt der Helikopter.“ Änderungen der Flugroute, der Flughöhe oder selbst Zwischenlandungen seien über das Tablet ebenfalls einfach einzubringen.

Der Pilot soll die Flugführung durch eine Datenbrille oder ähnliche Sichtsysteme überwachen, damit er nicht die ganze Zeit auf das Tablet starrt. Er bleibe aber in jedem Fall der Entscheider, so Dauvergne. Die Systeme dienten zuallererst als Entscheidungshilfe und zur Erhöhung der Flugsicherheit.

Sehr hohe Rechenleistung

2022 wird Airbus einen LIDAR-Sensor in sein H130 Flightlab integrieren, der Hindernisse vor dem Helikopter erkennen kann. Eine um zwei Achsen gesteuerte Kamera sowie eine Infrarot-Kamera sollen als optische Sensoren dafür sorgen, dass der Hubschrauber sicher fliegt und alle Arten von Hindernissen erkennt und ihnen ausweicht. Ab 2023 soll Flightlab mit allen Vertex-Technologien an Bord fliegen.

„Die Sensoren erzeugen eine große Datenmenge, die an Bord verarbeitet werden muss. Zwei leistungsstarke Computer – einer für das Sichtsystem, einer für die Avionik – sind die Gehirne von Vertex, die jeweils 500- bis 800-mal mehr Rechenleistung zur Verfügung stellen, als die Computer in jedem Serienhubschrauber. Diese verarbeiten die von den verschiedenen Sensoren gelieferten Daten und wenden Algorithmen an, um das vollständig durch Fly-by-wire-gesteuerte Fluggerät zu steuern“, sagte Dauvergne. Die neuen Algorithmen dafür würden von Airbus entwickelt.

Dauvergne betonte im Gespräch mit Aerobuzz, dass die Vertex-Technologien Plattform-neutral und skalierbar seien. Man teste sie an der H130 Flightlab, weil dieser Hubschrauber eben der Technologie-Demonstrator sei.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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