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NHIndustries sieht großes Interesse an den norwegischen NH90 NFH

Norwegen hatte sich – wie andere NH90-Nutzer auch – von seinen NH90 getrennt. NHIndustries hat sich mit Norwegen geeinigt, die Hubschrauber zurückzunehmen und ist in Gesprächen mit Interessenten, die sie übernehmen wollen. Die Ersatzteile der Norweger und der Australier sind eine willkommene Ergänzung des Ersatzteildepots des Herstellers. Die NH90 werden bis in die 2080er Jahre im Dienst stehen.

9.10.2026

Norwegen und NHIndustries haben einen Kompromiss gefunden und den Streit um die Rücknahme der NH90-Hubschrauber beigelegt. © NHIndustries

Bei den Airbus MDays im südfranzösischen Marignane in dieser Woche hat Axel Aloccio , der Präsident von NHIndustries und Leiter des NH90-Programms berichtet, dass die Lebensdauer aller NH90 von bislang 30 Jahren auf 50 Jahre angehoben werde. Damit ist klar, dass das Hubschraubermuster bis in die 2080er Jahre hinein im Einsatz bleiben wird. „Alle NH90 werden von der Lebensdauerverlängerung profitieren, es handelt sich dabei vor allem um Papiere“, sagte Aloccio auf die Frage von AeroBuzz.

NH90 im Dienst

Derzeit testet der Hersteller die neue, modernisierte Konfiguration der Marine-Version NH90 NFH in einer NH90 NFH der italienischen Marine. Der erste Hubschrauber mit der Block-1-Konfiguration – auch bekannt unter der Bezeichnung SWR3 (Software Release 3) – flog erstmalig am 21. Juli dieses Jahres. Zwischenzeitlich ist auch ein zweites Exemplar mit dem Upgrade im Testflugbetrieb. „Dieses Upgrade wird im Laufe des Jahres 2028 qualifiziert. Über 200 NH90 werden dieses Upgrade erhalten“, sagte Aloccio. Derzeit sei man mit der NAHEMA (NATO Helicopter Management Agency) in Verhandlungen über den Vertrag zur Modernisierung der Hubschrauber.

Im Zeitraum 2029/2030 werde der erste neu gebaute NH90 mit dem SWR3-Standard ab dem Werk ausgeliefert. Die letzten der 31 von Deutschland bestellten NH90 Sea Tiger würden auch in der SWR3 (Block-1) Konfiguration ausgeliefert.

SWR3-Upgrade beinhaltet auch Link-22

Mit dem SWR3-Upgrade erhalten die NH90 eine Reihe von neuen Technologien, darunter erstmals eine in einen Hubschrauber integrierte Link-22-Fähigkeit, ein hochauflösendes elektrooptisches Beobachtungssystem (LEOSS-T), verbesserte U-Boot-Abwehr-Sonarfähigkeiten mit den Sonaren OTS-90 Mark II und FLASH, ein modernisiertes ziviles GNSS/FMS-Navigationssystem sowie die Integration zusätzlicher Waffensysteme und erstmalig auch Fähigkeiten zur elektronischen Kriegsführung (EW).

Norwegen und Australien haben sich von ihren NH90 getrennt und Belgien hat den Flugbetrieb mit den NH90 TTH eingestellt, fliegt aber die Marineversion NH90 NFH weiter. Im November 2025 hatten sich Norwegen und NHIndustries auf eine Regelung zur Rücknahme der von Norwegen nicht mehr gewünschten Hubschrauber geeinigt. Norwegen hatte zwar 14 NH90 NFH bestellt, aber bis 2021 nur acht Exemplare erhalten. Die sind nun zurück im Besitz von NHIndustries. Man habe auch die Ersatzteile der Norweger und der Australier übernommen und könne sie jetzt den anderen NH90-Nutzern zu günstigeren Kosten anbieten, da es sich ja um Ersatzteile aus zweiter Hand handele. Die Ersatzteilversorgung für das Muster sei insgesamt sichergestellt, 99 Prozent aller Ersatzteile kämen heute pünktlich beim Kunden an, sagte Aloccio. „Ersatzteile sind kein Thema mehr.“

Man sei in Gesprächen mit mehreren Interessenten für die norwegischen Hubschrauber, so Aloccio. Die Hubschrauber würden weltweit auf viel Beachtung stoßen, es könnte sein, dass nicht ein Kunde, sondern mehrere Kunden die norwegischen NH90 NFH übernehmen. Die Hubschrauber hätten durchschnittlich nur 500 Flugstunden absolviert.

Studien für Block 2-Upgrade sind im Gange

Auch wenn das Block-1-Upgrade derzeit noch in der Qualifikation steht und ab 2028 flottenweit eingeführt wird, hat die NAHEMA als zuständige Beschaffungsagentur den an NHIndustries beteiligten Konsortialpartnern Airbus Helicopters, Leonardo und GKN Aerospace schon im Frühjahr dieses Jahres einen Auftrag zur Erstellung einer Studie für ein Mid-Life-Upgrade erteilt. Dieses Block-2 genannte Update soll unter anderem modulare Avionik beinhalten, einen neuen Maintenance-Plan, der zu einer Vereinfachung der Instandhaltung führt und die Kosten senken soll, neue Missionsfähigkeiten integrieren sowie die Gesamtleistungen des Hubschraubers in Bezug auf Reichweite und Geschwindigkeit durch eine Optimierung der vorhandenen Systeme und Technologien verbessern. Die Studie für das Block-2-Upgrade soll bis zum Frühjahr 2028 abgeschlossen sein.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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