Die neuen Hubschrauber werden auf einer neuerrichteten Basis in Tromsø stationiert, um den bisherigen Such- und Rettungsdienst (SAR) – aktuell betrieben durch den zivilen Vertragspartner CHC Helikopter Service – durch militärische Kapazitäten der Luftforsvaret (Norwegische Luftstreitkräfte) zu ersetzen. Bis 2030 soll der derzeitig zivil durchgeführte SAR-Dienst im hohen Norden vollständig von der 330 Squadron mit ihren AW101 „SAR Queen“ übernommen werden. Die Hubschrauber werden von der 330 Squadron im Auftrag des Ministeriums für Justiz und Öffentliche Sicherheit betrieben, das für die Organisation des SAR-Dienstes verantwortlich ist. Die Auslieferung der beideni neuen Hubschrauber ist dementsprechend ebenfalls für den Zeitraum 2029 bis 2030 geplant. Der Finanzbedarf für das Gesamtprojekt (Infrastruktur und Beschaffung) liegt Angaben zur Folge bei rund 4,2 Milliarden NOK (zirka 373 Millionen Euro).
Optionen nach Fristverlängerung eingelöst
Norwegen nutzt für die Beschaffung der beiden weiteren AW101 SAR-Hubschrauber Kaufoptionen aus dem im Dezember 2013 zwischen dem Ministerium für Justiz und Öffentliche Sicherheit und AgustaWestland (heute Leonardo Helicopters) geschlossenen NAWSARH-Vertrag (Norwegian All-Weather Search and Rescue Helicopter). Dieser sah unter anderem die Lieferung von 16 AW101 SAR-Hubschraubern sowie eine Kaufoption auf sechs weitere Hubschrauber vor. Die Frist zur Einlösung der Option wäre im Dezember letzten Jahres ausgelaufen. Aufgrund rechtzeitiger Gespräche der Vertragspartner wurde diese bis Ende Februar dieses Jahres verlängert, so dass, nach intensiven Beratungen und Analysen, nunmehr kurz vor Schluss durch Einlösung der Option für zwei Hubschrauber eine Folgebeschaffung eingeleitet werden kann. Damit vergrößert sich die Flotte der AW101 „SAR Queen“ auf 18 Hubschrauber.
Die SAR-Queen hat sich bewährt
Die norwegische Variante der AW101 gilt als einer der fortschrittlichsten SAR-Hubschrauber der Welt. Er verfügt über ein umfassendes Anti-Eis-System, ein elektronisches Antikollisionssystem, das Osprey AESA-Radar (Active Electronically Scanned Array) und ein Handy-Ortungssystem, das vermisste Personen anhand ihres Mobilfunksignals lokalisieren kann. Laut Leonardo weisen die Helikopter eine Verfügbarkeit von über 99 Prozent auf und haben seit ihrer offiziellen Indienststellung im September 2020 über 22.700 Flugstunden bei 1.800 Einsätzen pro Jahr absolviert.
Die AW101 der norwegischen Streitkräfte sind sehr leistungsfähige Such- und Rettungshubschrauber. © Leonardo Helicopters
Die letzte der 16 regulären Maschinen wurde im Juni 2025 ausgeliefert und ist bereits mit den neuesten Upgrades ausgestattet, die auch für die anderen Hubschrauber im Rahmen des Product Improvement Plan (PIP) vorgesehen sind. Dieses Programm zielt darauf ab, die Leistung der Hubschrauber in den anspruchsvollen arktischen und maritimen Bedingungen Norwegens weiter zu verbessern. Zu den wesentlichen Verbesserungen zählen eine höhere Drehmomentleistung (Torque) der CT7-Triebwerke von GE Aerospace, Steigerung der Nutzlast bei Starts, vergrößerter Einsatzradius, besseres Flugverhalten und erweiterte Einsatzmöglichkeiten in großer Höhe.
Luftwaffe übernimmmt SAR-Dienst nördlich des Polarkreises
Eine veränderte Sicherheitslage sowie zunehmende Spannungen im hohen Norden erfordere laut norwegischer Regierung trotz der extremen Wetterbedingungen deutlich gesteigerte Fähigkeiten und eine verstärkte Einsatzbereitschaft. Daher werde nach Ablauf des Vertrags mit dem zivilen Betreiber CHC Helicopter Service die Betreiberschaft des Stützpunktes für Rettungshubschrauber in Tromsø an die 330 Squadron der norwegischen Luftstreitkräfte übergehen. Die 330 Squadron operiert mit ihren 16 AW101 „SAR Queen“-Hubschrauber von sechs Stützpunkten (Sola, Florø, Ørland, Bodø, Banak, Rygge). Bis 2030 wird Tromsø als dann siebenter Stützpunkt in die bestehende Organisationsstruktur der 330 Squadron eingegliedert. Mit der Eingliederung des Stützpunkts Tromsø in die Luftwaffenstruktur werden Management, Einsatzbereitschaft und operative Durchführung des Rettungshubschrauberdienstes in einer einzigen Organisation zusammengeführt. Dies ermöglicht eine bessere operative Kontrolle, schnellere Entscheidungsprozesse und eine engere Zusammenarbeit zwischen zivilen und militärischen Akteuren.
Carsten Vennemann
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