Die Business Aviation wächst weltweit. Die Zahl der Auslieferungen von neuen Geschäftsreisejets verharrt derzeit auf einem hohen Niveau, gleichzeitig steigt auch die durchschnittliche Nutzung der globalen Business-Jet-Flotte. Dies führt zu einer hohen Nachfrage nach Crews, die diese Flugzeuge auch fliegen können und dürfen.
Das Luftfahrt-Ausbildungsunternehmen AeronautX aus Wels in Österreich – es ist Teil der international agierenden, diversifizierten AX Aero Group – will mit einem neuen Trainingszentrum in den Niederlanden helfen, Cockpitnachwuchs für die Geschäftsluftfahrt zu qualifizieren und die Kompetenzen bereits qualifizierter Crews hoch zu halten.
In unmittelbarer Nähe des Flughafens Amsterdam-Schiphol lässt AeronautX derzeit sein Amsterdam Training Centre errichten, welches im ersten Quartal 2027 seinen Betrieb aufnehmen wird. Das neue Ausbildungszentrum ist bereits für Expansion ausgelegt und wird mit Platz für insgesamt acht Simulatoren an den Start gehen, wobei zu Beginn nur zwei der acht Simulator-Bays auch belegt sein werden.
Erste Trainings ab Anfang 2027
Zunächst lässt AeronautX zwei Full-Flight-Simulatoren für Bombardier-Jets installieren. Einer repräsentiert das Cockpit eines Challenger 3500, der andere das eines Challenger 650. Der Challenger-3500-Simulator soll ab März 2027 einsatzbereit sein, der Challenger-605-Sim im Juli 2027. Die beiden Simulatoren stellt AXIS Flight Simulation her, ebenfalls ein Tochterunternehmen der AX Group. AXIS Flight Simulation hatte im November 2025 die Zulassung der US-Luftfahrtbehörde FAA nach Level D für seinen Challenger CL350-Full Flight Simulator erhalten.
Zunächst werden Simulatoren für die Bombardier-Muster Challenger 3500 und Challenger 650 im neuen Training Centre installiert. © AeronautX
Die AX Aero Group investiert rund 40 Millionen Euro in das Amsterdam Training Centre, antwortete Niall Olver, der Vorsitzende der AX Aero Group bei einem Pressegespräch auf die Frage von AeroBuzz.
Jörg Oberhofer, der Gründer und Hauptgeschäftsführer (CEO) von AeronautX, legte dar, wie das neue Trainingszentrum sich gegenüber etablierten Anbietern in diesem Segment behaupten will. Er sagte: „Um zu fliegen, muss man die höchsten Standards erfüllen. Das Training sollte nicht anders sein.“ Oberhofer sagte, es gebe Ausbilder, die keine eigene Flugerfahrung auf dem Muster in einem Flugbetrieb hätten, auf dem sie ausbilden. Das sei zwar legal, aber nicht zielführend. AeronautX lege Wert darauf, dass die Ausbilder eine entsprechende Erfahrung mitbringen. Es sei zwar keine einfache Aufgabe, diese Ausbilder zu rekrutieren, aber man habe schon 20 Ausbilder, die über eine entsprechende Erfahrung verfügten, und die beispielsweise schon Landetrainings für Kunden mit AeronautX durchgeführt hätten. Man verfüge über ein großartiges Netzwerk.
Niall Olver (li.), der Vorsitzende der AX Aero Group und Jörg Oberhofer (re.), der Gründer und CEO von AeronautX. © AeronautX
Als ersten strategischen Partner für das neue Ausbildungszentrum hat AeronautX schon VistaJet gewonnen. Oberhofer sagte: „VistaJet hat sich einen Ruf für außergewöhnlich hohe Standards in den Bereichen Sicherheit, Service und operativer Zuverlässigkeit erworben und ist damit ein idealer strategischer Partner für AeronautX. Unsere Partnerschaft mit VistaJet veranschaulicht das flexible Modell, das wir in Amsterdam aufbauen: Wir unterstützen die spezifischen Anforderungen führender globaler Betreiber und bleiben gleichzeitig ein unabhängiger Ausbildungsanbieter, der für Betreiber jeder Größe tätig ist.“
Neueste Technologien im Trainingseinsatz
Rob Lacelles, der Head of Local Training bei AeronautX, sagte im Gespräch: „Wir nutzen die modernsten Technologien für das Pilotentraining.“ So werde jeder Pilot schon vorab mit einer Software versorgt, die das Cockpit repräsentiere, so dass sie sich schon mit dem Cockpit vertraut machen können. „Wir verschwenden keine wertvolle Zeit im Simulator, um nach Schaltern oder Knöpfen zu suchen.“ Auch seien alle komplexen Flugzeugsysteme anschaulich auf dem Tablet erklärt. Für das Debriefing nach einer Trainingsession setzt AeronautX KI ein, aber, so Lacelles: „Die Technologie stellt uns die Fakten zur Verfügung, die Beurteilung obliegt ausschließlich dem Lehrer.“
Im Amsterdam Training Centre bietet AeronautX verschiedene Trainings an, vom Base Training über Recurrent Training, Type Rating Instructor Qualification bis hin zu kundenspezifischen Ausbildungen.
Das Training soll individualisiert nach den Anforderungen und Bedürfnissen der Kunden sein. Es gibt kein Abo-Modell, mit dem sich der Kunde über Jahre an den Anbieter binden muss. Auch wird es möglich sein, Simulatorstunden ohne Lehrer von AeronautX zu buchen, wenn der Kunde seine eigenen Ausbilder mitbringt.
Niall Olver weiß sehr genau, dass AeronautX mit seinem neuen Ausbildungszentrum in direkte Konkurrenz der beiden weltweit führenden Trainingsanbieter FlightSafety International und CAE tritt. Er sagte: „Unser Ziel bei AeronautX ist es, Ausbildung in einem vertrauensvollen, von persönlichen Beziehungen geprägten Umfeld anzubieten. Wir sind davon überzeugt, dass erstklassige Ausbildung durch die Kombination moderner Technologie mit einem reibungslosen und herausragenden Lernerlebnis entsteht. Die Pilotenausbildung wurde jahrzehntelang von großen, standardisierten Anbietern dominiert. Es ist Zeit für einen neuen Ansatz.“ >
Volker K. Thomalla
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