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Die „Spirit of Innovation“ erreicht vollelektrisch 555 km/h

Rolls-Royce und seine Projektpartner haben beim Elektroflug-Projekt „Spirit of Innovation“ neue Bestleistungen für Elektroflugzeuge bei Geschwindigkeit und Steigleistung aufgestellt. Die Dokumentation der Rekordflüge liegen nun bei der FAI zur Anerkennung als Weltrekorde.

19.11.2021

Rolls-Royce hat die Flüge der vollelektrisch angetriebenen Spirit of Innovation bei der FAI als Weltrekorde angemeldet. © Rolls-Royce

Der Elektroflug ist nach Ansicht von vielen Forschern und Konstrukteuren eine vielversprechende Technologie, mit der manche Segmente der Luftfahrt ihr Ziel, klimaneutral zu werden, erreichen können. Rolls-Royce forscht nicht nur theoretisch an dieser Antriebsart, sondern entwickelt auch ganz konkrete Projekte, um den Elektroflug voranzutreiben. Eines dieser Projekte ist die Spirit of Innovation, ein schlanker, einsitziger, einmotoriger, vollelektrisch angetriebener Bolide, mit dem Rolls-Royce den Geschwindigkeitsweltrekord für Elektroflugzeuge brechen will. 

Spirit of Innovation

Am 15. September dieses Jahres flog das Flugzeug zum ersten Mal. Nur zwei Monate später, am 16. November 2021, zeigte die Spirit of Innovation, was in Bezug auf Geschwindigkeit in ihr steckt: An diesem Tag hat sie bei Flügen über dem Versuchsgelände Boscombe Down des britischen Verteidigungsministeriums mehrere Bestleistungen aufgestellt. Am Steuerknüppel saß Testpilot Phill O’Dell, der auch Director of Flight Operations bei Rolls-Royce ist. Auf einer Strecke von drei Kilometern erreichte die Spirit of Innovation eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 300,2 Knoten (555,9 km/h). Damit war das Elektroflugzeug 115 Knoten (213,04 km/h) schneller unterwegs als der bisherige Rekordhalter!

Auf der Strecke über 15 Kilometer erreichte die Spirit of Innovation 532,1 km/h (287 Knoten) – und war damit 292,8 km/h (158 Knoten) schneller als der derzeit bestehende Weltrekord. Bei diesem Flug wurde sie von Steve Jones, dem Testpiloten von Electroflight, geflogen. Bei den Flügen am 16. November betrug die höchste gemessene Geschwindigkeit sogar 623 km/h, umgerechnet 336,4 Knoten.

Über 300 Knoten im Geradeausflug

Dass das Rekordflugzeug nicht nur schnell fliegen, sondern auch schnell Höhe gewinnen kann, stellte Steve Jones ebenfalls unter Beweis: In nur 202 Sekunden stieg er mit der Spirit of Innovation auf  eine Höhe von 3.000 Metern und war damit 60 Sekunden schneller als jedes andere Elektroflugzeug zuvor. 

Phill O’Dell sagte: „Die ‚Spirit of Innovation‘ mit diesen unglaublichen Geschwindigkeiten zu fliegen und hoffentlich den offiziellen Weltrekord für vollelektrisches Fliegen gebrochen zu haben, ist ein bedeutendes Ereignis. Das ist der Höhepunkt meiner Karriere und ein unglaubliches Ergebnis für das gesamte Team. Die Möglichkeit, bei diesem bahnbrechenden Kapitel in der Geschichte von Rolls-Royce in erster Reihe mit dabei zu sein und die Zukunft der Luftfahrt zu gestalten – das ist der Stoff, aus dem die Träume sind.“ 

Rolls-Royce hat die Daten der Flüge und die notwendigen Dokumentationen an die Fédération Aéronautique Internationale (FAI) übermittelt. Der Weltluftsportverband ist für die Anerkennung von Weltrekorden zuständig und wird die Daten überprüfen, bevor er die Bestleistungen als offizielle Weltrekorde anerkennt. 

Unter der Cowling der Einmot arbeitet ein 400 kW starker Elektromotor mit einem leistungsstarken Antriebs-Akkupack. Er ist nach Angaben des Herstellers der stärkste seiner Art, der bisher in einem Luftfahrzeug zum Einsatz gekommen ist. 

Dr. Tim Woolmer, der Chief Technology Officer und Gründer des Projektpartners YASA, sagte: „Das elektrische Fliegen wird die Mobilität genauso stark verändern wie das Düsentriebwerk vor 70 Jahren. Es ist aufregend zu sehen, wie unsere extrem leistungsstarken und superleichten Elektromotoren die ‚Spirit of Innovation‘ zu diesen hohen Geschwindigkeiten antreiben, und zu wissen, dass Kooperationsprojekte wie ACCEL uns der Realisierung des emissionsfreien elektrischen Fliegens einen Schritt näher bringen.“ 

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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