Homepage » Industrie » Electra entwickelt Hybrid-Airliner-Konzept für die NASA

Mit seinen Konzept-Arbeiten für eine NASA-Studie wagt Electra.aero einen großen Schritt in eine neue Dimension von Flugzeugen. Indem die Konstrukteure fortschrittliche Antriebe mit einer fortschrittlichen aerodynamischen Auslegung paaren, soll ein Passagierflugzeug entstehen, welches in Bezug auf Effizienz neue Maßstäbe setzt.

17.06.2026

Electra hat für das AACES 2050-Programm der NASA das Konzept eines elektrisch angetriebenen Verkehrsflugzeugs mit 100 Sitzen entwickelt. © Electra

Electra.aero ist ein Technologie-Unternehmen aus Manassas im US-Bundesstaat Virginia, welches sich mit der Entwicklung von elektrisch angetriebenen beziehungsweise mit Hybrid-Antrieben ausgerüsteten Flugzeugen beschäftigt. Das Unternehmen hat die Entwicklung seines eSTOL-Flugtaxis EL9 Ultra Short schon weit vorangetrieben und hat im Dezember 2025 bei der US-Luftfahrtbehörde FAA die Zulassung der EL9 beantragt.

Nun überraschte das Unternehmen mit einem Konzept eines hybrid-elektrisch angetriebenen Flugzeugs in einer ganz anderen Dimension. In Zusammenarbeit mit der NASA und mehreren anderen namhaften Aerospace-Unternehmen hat Electra.aero das Konzept eines hybrid-elektrisch angetriebenen Verkehrsflugzeugs mit 100 Passagiersitzen präsentiert. Das Konzept wurde im Rahmen des NASA-Programms AACES 2050 (Advanced Aircraft Concept for Environmental Sustainability, auf deutsch: fortschrittliches Flugzeugkonzept und umweltbewusste Nachhaltigkeit) entwickelt.

Das Konzept ist Grundlage für eine Studie

Bei dem Konzept-Flugzeug handelt es sich um eine Studie, in der festgestellt werden soll, wie eine stärkere Elektrifizierung, fortschrittliche Aerodynamik und eine Flugzeugauslegung mit einem in die Flugzeugstruktur eingebetteten Antriebssystem die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit eines Flugzeugs mit 100 Passagieren oder mehr steigern können. Nach Ansicht der Beteiligten könnte ein solches Flugzeug Mitte dieses Jahrhunderts in den Flugbetrieb gehen.

Das Flugzeugkonzept von Electra setzt auf einen breiten Rumpf mit „Double-Bubble“-Querschnitt, bei dem nicht nur die Tragflächen, sondern auch der Rumpf selbst Auftrieb liefert. Airbus hatte diese Auslegung Anfang der 1990er Jahre auch bereits als Projekt P500 im Rahmen der Studien zum Bau der Airbus A380 in Erwägung gezogen, es aber letztendlich verworfen.

Zwei unter den Tragflächen installierte Turbofan-Triebwerke sollen einerseits Schub liefern, aber andererseits auch elektrische Energie erzeugen. Damit werden bei dem Flugzeug im Heck integrierte elektrische Triebwerke gespeist, die die langsamer strömende Luft über dem Rumpf ansaugen und beschleunigen – ein Verfahren, das als Grenzschichtansaugung (Boundary Layer Ingestion) bekannt ist. Analysen von Electra ergaben, dass diese Konfiguration die Effizienz um bis zu 17 Prozent gegenüber jenen Verbesserungen steigern könnte, die bis zum Jahr 2050 durch Fortschritte bei Bauweise, Triebwerkstechnologie und Aerodynamik zu erwarten sind.

Dr. Parker Vascik, der Direktor für Produkstrategie bei Electra, sagte: „Der Wert der Elektrifizierung in diesem Konzept liegt darin, dass wir den Antrieb dort platzieren können, wo es zuvor nicht möglich war, aber den größten Nutzen bringt. Wir können das Zusammenspiel von Flugzeugzelle und Antriebssystem grundlegend verbessern und dabei gleichzeitig den Praxisbezug zum Flug- und Flughafenbetrieb wahren. Unser Ziel ist nicht bloße Effizienz auf dem Papier, sondern Konzepte, die wir tatsächlich bauen, zertifizieren und einsetzen können.“

Er sagte weiter: „Das Flugzeugkonzept von Electra bietet der amerikanischen Industrie die Chance, eine Führungsrolle zu übernehmen, indem es jahrzehntelange Forschung an einem Konzept des auftriebserzeugenden Rumpfes mit bahnbrechenden elektrischen Antrieben kombiniert.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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