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Der Zero-G Airbus in Köln wird zerlegt, die Legende lebt weiter

Nach zehn Jahren hat sich der Flughafen Köln/Bonn von seinem prominenten Großraumflugzeug Airbus A300 vor dem Terminal T2 getrennt. Der Zero-G-Airbus wird derzeit zerlegt, aber die Komponenten werden nicht einfach verschrottet, sondern aufbereitet und mit neuer Verwendung an Interessenten verkauft. Der Fotograf Jörg Adam hat den Prozess begleitet.

11.07.2026

Auch wenn der Zero-G-Airbus als komplettes Flugzeug am Köln Bonn Airport sein Ende gefunden hat, wird er dank der Art der Weiterverwertung in vielen Einzelteilen erhalten bleiben. © Jörg Adam

Am Flughafen Köln/Bonn wird derzeit das Ende eines Stücks Luftfahrtgeschichte besiegelt. In wenigen Tagen wird die Zerlegung des Airbus A300 Zero G abgeschlossen, und das legendäre und luftfahrtgeschichtlich relevante Flugzeug, das zuletzt zwischen dem Terminal T2 und dem Parkhaus P3 abgestellt war, ist verschwunden.

Airbus A300 Zero-G

Das Großraumflugzeug mit dem Kennzeichen F-BUAD wurde als einer von drei Prototypen des Musters Airbus A300 im Jahr 1973 gebaut. Mit der A300 begann die Erfolgsgeschichte von Airbus und der Zero-G-Airbus ist einer der Meilensteine der Unternehmensgeschichte. 1998 wurde er von der französischen Raumfahrtbehörde CNES gekauft und umgebaut, um Parabelflüge für Schwerelosigkeitstests, unter anderem auch im Auftrag des DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt), durchzuführen.

Parabelflug mit dem Airbus A300 Zero-G im September 2011: v.l.n.r.: Peter-Pletschacher (seinerzeit Präsident des LPC), Alexander Gerst (ESA-Astronaut), Joerg Adam, Samantha-Cristoferetti (ESA-Astronautin), Jean-François-Clervoy (ESA-Astronaut). © DLR

Die meisten deutschen Astronauten sind in diesem Flugzeug geflogen. Nach rund 5.200 Flügen und 13.180 geflogenen Parabeln wurde der Zero G Airbus im Herbst 2014 aus dem aktiven Dienst genommen und nach Köln überführt, wo er in einer aufwendigen Aktion auf seinen letzten Standplatz gehievt wurde. Während der Corona-Pandemie diente der Airbus sogar kurze Zeit als Impfzentrum.

Trainingswerkzeug für Astronauten

Marco Schulz, der Strategische Senior Projektleiter am Flughafen Köln Bonn, sagte: „Zu 70 Prozent wird aus dem Zero G neues Leben gemacht, unter anderem Möbel, Anhänger und auch andere Andenken. Der Zero G wird uns aber nicht komplett verlassen, die Finne behalten wir. Die Firma wird uns die aufbereiten und dann stellen wir die als Andenken hier irgendwo auf.“

Home-Aviation verwandelt die Einzelteile des Zero-G-Airbus in dekorative und einzigartige Einzelstücke. © Jörg Adam

Die im belgischen Vilvoorde ansässigen Unternehmen PartsCare und Home Aviation sind für die Zerlegung der Flugzeuge verantwortlich. Laut Bart Deheegher, CEO von PartsCare, hat sich das Unternehmen auf die Zerlegung kleinerer Flugzeugtypen spezialisiert – etwa Business-Jets wie Learjet, Cessna Citation, Dassault Falcon und Bombardier Challenger. „Zwar haben wir 2023 am Flughafen Brüssel eine Boeing 757 zerlegt, doch in diesem Fall übernahm PartsCare lediglich eine koordinierende Rolle bei der Verschrottung und Zerlegung“, erklärte Deheegher.

„Hier in Köln ist es komplett unser Projekt. Wir gehen davon aus, dass wir 70 bis 80 Prozent der Teile dieses Flugzeugs wieder recyceln können. Im Gegensatz zu anderen Projekten, wo wir Triebwerke, Fahrwerke und andere Komponenten wieder in den Ersatzteil-Kreislauf bringen können, geht das bei dem Zero G nicht, da es sich um einen Prototyp handelt“, so Deheegher.

Dirk Stouten (re.) von Home-Aviation und Bart Deheegher, CEO von PartsCare, sind die Verantwortlichen bei der Zerlegung und des Upcyclings des A300 Zero-G. © Home-Aviation

Auch wenn es angesichts von Bandsägen und anderen brachialen Werkzeugen nicht so aussieht, ist die Zerlegung ein genau abgestimmter, delikater Prozess, denn für die Nutzung im Rahmen des Upcycling-Prozesses dürfen die einzelnen Teile nicht beschädigt werden. „Wir sind keine Schlächter, sondern Chirurgen,“  betont Dirk Stouten von Home-Aviation. Es sei wichtig und notwendig, bei einem solchen Projekt, sich mit Flugzeugtechnik auszukennen, denn es sei nicht einfach, ein Flugzeug zu zerlegen. Man müsse gut vorbereitet sein. „Wir nutzen die Teile und Komponenten des Zero-G-Airbus, um daraus Möbel für den Innen- und Außenbereich zu fertigen, Barbecue-Stationen, Bilderahmen und Anhänger. Einige Bauteile der Tragfläche der Zero-G-A300 werden an das Deutsche Museum in München gehen, denn dort ist eine Tragfläche des ersten Airbus A300-Prototyps aufbewahrt, der aber Teile fehlen, die wir nun ergänzen können. Es ist ein wirklich außergewöhnliches Projekt.“

Um den Airbus A300 Zero-G fachgerecht zu zerlegen, kommt auch Spezialwerkzeug wie diese Säge zum Einsatz. © Jörg Adam

Im Gegensatz zu anderen Projekten, bei denen die Flugzeuge im Hangar zerlegt wurden, müssen beim A300 Zero-G die Wetterbedingungen berücksichtigt werden. BeimAbnehmen des Seitenleitwerks mit Hilfe eines Krans durfte beispielsweise nicht zu viel Wind herrschen.

Klimakontrolliertes Lager

Die Einzelteile werden nach der Zerlegung in das Lager von PartsCare in Belgien transportiert. Dort werden sie eingelagert, „unter kontrollierten Bedingungen wie in der Wüste Mojave, um Korrosion zu verhindern“, sagt Stouten. In einer eigenen Werkstatt werden die Komponenten dann aufbereitet und nach Kundenwunsch für ihre neuen Aufgaben modifiziert.

Die größten Teile des Airbus A300 Zero-G müssen auf ein Maß gebracht werden, welches den Transport auf der Straße erlaubt. © Jörg Adam

Home Aviation berücksichtigt beim Upcycling auch immer die Geschichte des individuellen Flugzeugs und baut sie manchmal als so genanntes „Osterei“ in die neuen Teile ein. Als Vermarktungspartner für die Zero-G-Teile dient das Unternehmen Home-Aviation, das die Teile nicht nur an Händler oder gewerbliche Kunden verkauft, sondern auch Privatkunden und Enthusiasten bedient. „Wir wollen, dass jeder, der sich für Luftfahrt interessiert, auch ein Teil dieser Legende erwerben kann“, so Stouten.

Interessenten für die Teile des Zero-G-Airbus gebe es schon in großer Zahl. Aber bevor diese bedient werden können, muss zunächst einmal die fachgerechte Zerlegung abgeschlossen sein. Da dürfte in der zweiten Juli-Hälfte der Fall sein. Bis allerdings alle Teile des Flugzeugs auch wirklich verkauft seien, rechnet Stouten mit zwei, drei Jahren.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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