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Boeing: Bis 2045 werden fast 44.000 neue Flugzeuge benötigt

Der Luftverkehr wächst ungebrochen und wird nach Ansicht der Boeing-Marktforscher auch in den nächsten Jahren sein Wachstumspfad fortsetzen. Da die globale Verkehrsflugzeugflotte immer älter wird, besteht ein hoher Bedarf an neuen, effizienten Flugzeugen, die die alten ablösen, befindet der 2026 Boeing Commercial Market Outlook.

18.07.2026

Boeing prognostiziert ein durchschnittliches Wachstum beim Passagieraufkommen von 4,0 Prozent pro Jahr. © Volker K. Thomalla

Boeing hat vor der am Montag beginnenden Farnborough International Airshow (20. – 24. Juli 2026) seine Marktprognose für die Zivilluftfahrt für die nächsten 20 Jahre vorgestellt. „Es ist das 65. Mal, dass wir den Boeing Commercial Market Outlook mit der Öffentlichkeit teilen“, sagte Darren Hulst, der Vice President Commercial Marketing bei Boeing bei einem Medienbriefing im Vorfeld der Veröffentlichung.

„Im Vergleich zum Vorjahres-Outlook haben sich die Zahlen nur um ein Prozent verändert“, sagte Hulst. Trotz der kurzfristigen Störung des globalen, aber vor allem des Luftverkehrs im Mittleren Osten durch den Irankrieg im Frühling, und der enorm gestiegenen Treibstoffpreise bleibt die mittel- und langfristige Prognose für die Entwicklung des weltweiten Luftverkehrsbedarfs stabil. Boeing prognostiziert für den Zeitraum von 2026 bis 2025 einen Bedarf von fast 44.000 neuen Verkehrsflugzeugen.

50 Prozent der Neuflugzeuge ersetzen ältere

Rund 50 Prozent des Bedarfs – 21.475 neue Flugzeuge – entfallen auf den Austausch von älteren Flugzeugen durch neue und effizientere Flugzeuge, die anderen rund 50 Prozent (22.1250 Flugzeuge) werden benötigt, um das erwartete Wachstum des globalen Luftverkehrs zu bewältigen. Manche der Flugzeuge werden ausgemustert, weil sie ihre strukturelle Lebensdauer erreicht haben, andere, weil sie so alt sind, dass es für manche Systeme keine Ersatzteile mehr gibt und wieder andere, weil sie einfach nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sind.

Die Boeing-Marktforscher gehen davon aus, dass der globale Passagierluftverkehr in den nächsten 20 Jahren um 4,0 Prozent jährlich wächst, während das Luftfrachtaufkommen jährlich um 3,7 Prozent wächst. Beim 2025 Boeing Commerical Market Outlook (CMO) waren die Autoren der Studie noch von einem jährlichen durchschnittlichen Wachstum von 4,2 Prozent ausgegangen. Die Weltwirtschaft, so nehmen die Forscher an, werde zwischen 2026 und 2025 jährlich um 2,5 Prozent wachsen, was zu Folge hat, dass rund 500 Millionen Haushalte in den nächsten 20 Jahren in die Mittelschicht aufsteigen, die global durch ein Jahreseinkommen von 20.000 US-Dollar pro Jahr definiert ist.

Treiber für das Wachstum des Luftverkehrs sind der weltweite Handel, der für 32 Prozent des Passagierluftverkehrs verantwortlich zeichnet, Tourismus und Freizeit, die für 34 Prozent der Flüge Auslöser sind und der Besuch von Familien und Freunden, wenn Menschen außerhalb des Landes leben, in dem sie geboren wurden. Das Segment „Friends and Family“ ist für 7,0 Prozent des globalen Passagieraufkommens verantwortlich.

Single Aisle Jets werden auch in Zukunft den Löwenanteil der Flugzeuglieferungen ausmachen. © Boeing

Betrachtet man die Aufteilung des Bedarfs nach Flugzeug-Kategorien sehen die Boeing-Marktforscher einen Bedarf von 33.545 Standardrumpf-Flugzeugen, 7.715 Großraumflugzeugen und 930 neuen Frachtflugzeugen. Hinzu kommen 1.435 Regionaljets (mit mehr als 100 Sitzen) nach Erkenntnis der Boeing-Marktforscher.

Wenn man den Bedarf nach Regionen aufteilt, wird Asien in den nächsten Jahren der Hotspots für neue Verkehrsflugzeuge bleiben. Boeing sieht die regionale Verteilung wie folgt: China 21 Prozent, Eurasia 20 Prozent, Nordamerika 19 Prozent, Süd- und Südostasien 19 Prozent, Mittlerer Osten und Afrika: 10 Prozent, Lateinamerika 6 Prozent und Ozeanien und Nordost-Asien 5 Prozent.

Die weltweite Flotte wird bis 2050 auf 50.000 Jets anwachsen

Ende 2025 standen rund 28.000 Verkehrsflugzeuge im aktiven Dienst, so Hulst. 2035 werden es bereits 38.000 Flugzeuge sein, und für 2050 soll die globale Airline-Flotte auf 50.000 Verkehrsflugzeuge mit mehr als 100 Sitzen angewachsen sein.

Auch wenn viele Frachtflugzeuge durch Umbauten aus zuvor als Passagierflugzeugen genutzten Flugzeugen entstehen, besteht dennoch ein weltweiter Bedarf von 930 neuen Frachtflugzeugen zwischen 2026 und 2045. Diese Zahl ist marginal geringer als im CMO des Jahres 2025, als die Forscher noch einen Bedarf von 955 neuen Frachtern prognostizierten.

Auch die Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz unterstützt das Wachstum des Frachtaufkommens. 2025 wurden rund 70 Prozent aller Produkte, die mit Künstlicher Intelligenz zu tun haben (Chips und andere Hardware) per Luftfracht transportiert. Hulst rechnet damit, dass dieser Anteil sogar noch steigen wird. Per Luftfracht werden vor allem hochwertige Güter transportiert, und Computerchips gehören dazu.

Hulst sagte, die aktuellen hohen Treibstoffpreise seien ein Beleg dafür, wie sich die Branche an Herausforderungen anpassen könne. Trotz der zum Teil 70 Prozent über dem Vorjahresniveau liegenden Treibstoffkosten – die einen Großteil der Betriebskosten einer Fluggesellschaft ausmachen – erwarten die Boeing-Marktforscher, dass der Schwung aus dem Jahr 2025 mit in das Jahr 2026 genommen werden könne. 2025 stieg das weltweite Passagieraufkommen um 3,4 Prozent und die geflogenen Passagierkilometer (RPK, Revenue Passenger Kilometers) sogar um 5,3 Prozent. Er sagte: „Der gewerbliche Luftverkehr ist dynamisch und resilient.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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