Vom 4. bis zum 6. September 2026 trafen sich Persönlichkeiten aus der Luft- und Raumfahrt am Wolfgangsee in Österreich, um an der alle zwei Jahre stattfindenden Verleihung der Living Legends of Aviation Europe Awards teilzunehmen. Die Namen auf der Gäste- und Teilnehmerliste ist hochrangig und umfasst Konzernlenker, Technologie-Visionäre, Pilotinnen und Piloten, die alle eines gemeinsam haben: Sie haben durch ihre Aktivitäten die Luftfahrt und die Raumfahrt vorangebracht. In diesem Jahr wurden neu in den Kreis der Living Legends of Aviation Europe aufgenommen: Der Hubschrauberpilot und Gründer von HTM Helicopter Travel Munich GmbH, Hans Jürgen Ostler, der Flying Bulls-Flugbetriebsleiter und Chefpilot Fläche, Raimund Riedmann, der ehemalige Flying Bulls Chefpilot für Hubschrauber, Siegfried „Blacky“ Schwarz, der französische Pilot und Astronaut Thomas Pesquet sowie Dr. Stefan Klein, der Entwickler des AirCar.
Humberto Schenk, der Leiter des Scalaria Event Resorts, Annabella Mandeng, die Moderatorin der Science Lounge, und Peter Gastberger, der Gründer und CEO des Scalaria Event Resorts. © Jörg Adam
Im Rahmen des mehrtägigen Events bieten die Veranstalter mit der Scalaria Science Lounge ein Format an, bei dem Entwickler, Unternehmer und Visionäre sich untereinander, aber auch bei einer Paneldiskussion und bei einem anschließenden Networking-Get-Together mit dem Publikum austauschen. „Im Mittelpunkt stehen Technologien, Entscheidungen und Erfahrungen, die weit über ihre ursprüngliche Anwendung hinaus Wirkung entfalten. Die Raumfahrt hat das eindrucksvoll bewiesen: Vieles, was heute selbstverständliche ist, entstand ursprünglich für extreme Anforderungen im All. Genau diese Spin-offs will die Science Lounge hervorheben“, begründen die Veranstalter ihre Motivation für die Science Lounge. Und Humberto Schenk von der Scalaria sagte: „Wir haben mit der Science Lounge ein Format gefunden, das Menschen verbindet. Hier wird Zukunft gedacht, und es werden auch die Weichen für die Schritte der Umsetzung gestellt.“
In diesem Jahr war das Panel unter anderem besetzt mit Johannes Plaum, dem Leiter für Forschung und Technologie bei Airbus Helicopters Deutschland, Robert Machtlinger, CEO der FACC AG, Johann Bordais, dem CEO des eVTOL-Flugtaxi-Herstellers Eve Air Mobility, Dr. Daniel Dollinger, Mitbegründer und Chief Development Officer beim Drohnenhersteller Avilus, Dr. Stefan Klein von Klein Vision und Dr. Stefan Brieschenk, dem Chief Operating Officer (COO) der Rocket Factory Augsburg.
Racer verschiebt die Grenzen des Hubschrauberflugs
Johannes Plaum zeigte anhand des Airbus Racer, wie Forschung und technologische Entwicklung die Grenzen des klassischen Hubschraubers verschieben können. Der Racer vereine Eigenschaften eines Helikopters mit jenen eines Flugzeugs: Er kann vertikal starten, landen und schweben, soll gleichzeitig aber deutlich schneller und effizienter im Vorwärtsflug sein. Ziel der Entwicklung war es, hohe Geschwindigkeit nicht durch massiv höheren Energieverbrauch zu erkaufen. Nach Plaums Angaben wurde der Racer darauf ausgelegt, rund 50 Prozent schneller zu sein, gleichzeitig etwa 25 Prozent weniger Treibstoff zu verbrauchen und die Schallemissionen um rund 20 Prozent zu reduzieren. Hinter dem Demonstrator stünden mehr als 90 Patente und zahlreiche technologische Neuerungen.
Johann Bordais, der Hauptgeschäftsführer des eVTOL-Herstellers Eve Air Mobility. © Jörg Adam
Johann Bordais, der CEO von Eve Air Mobility, stellte klar, dass Advanced Air Mobility den Schritt von der großen Vision hin zur praktischen Umsetzung vollziehen muss. In den vergangenen Jahren habe es weltweit zahlreiche Konzepte und viel Aufmerksamkeit rund um fliegende Fahrzeuge gegeben – jetzt gehe es darum, daraus ein funktionierendes Geschäftsmodell zu entwickeln. Für Eve bedeute Urban Air Mobility derzeit vor allem elektrisch betriebene Air Taxis für vergleichsweise kurze Distanzen. Entscheidend sei dabei nicht, das spektakulärste oder schnellste Fluggerät zu bauen, sondern eines, das exakt zur vorgesehenen Mission passt, sicher zertifiziert werden kann und für Betreiber wirtschaftlich funktioniere. Bordais betonte, dass die Zertifizierung nicht das Ende der Entwicklung sei, sondern erst den Beginn des realen Betriebs markiere. Neben dem Fluggerät müsse deshalb ein vollständiges Ökosystem entstehen – von Vertiports und Energieversorgung bis zu Behörden, Betreibern und gesellschaftlicher Akzeptanz. Die eigentliche Herausforderung liege im richtigen Kompromiss zwischen Gewicht, Leistung, Sicherheit und Kosten. Erst wenn all diese Faktoren zusammenspielen und ein skalierbarer Betrieb möglich wird, könne Urban Air Mobility tatsächlich zu einem neuen Verkehrssegment werden.
Dr. Dollinger von Avilus fokussierte seine Ausführungen darauf, wie unbemannte Luftfahrtsysteme insbesondere bei medizinischen Einsätzen einen konkreten gesellschaftlichen Nutzen schaffen können. Ein wesentliches Problem sei heute nicht allein die technische Leistungsfähigkeit, sondern vor allem die Verfügbarkeit geeigneter Luftfahrzeuge für medizinische Evakuierungen und andere kritische Einsätze. Neue regulatorische Möglichkeiten für unbemannte Luftfahrt könnten dabei helfen, solche Systeme wirtschaftlicher zu entwickeln und einzusetzen.
Leichtbau ist der Schlüssel zur Nachhaltigkeit
Für FACC-CEO Robert Machtlinger ist Leichtbau einer der entscheidenden Schlüssel für die nächste Generation der Luftfahrt. Weniger Gewicht bedeute unmittelbar höhere Effizienz – unabhängig davon, ob es um klassische Verkehrsflugzeuge, neue Formen der Urban Air Mobility oder Raumfahrtanwendungen gehe. FACC arbeite deshalb intensiv an neuen Kombinationen aus Materialien, Produktionsverfahren und Werkzeugen. Machtlinger verwies zugleich auf einen grundlegenden Wandel in der industriellen Logik: Technologien, die in der klassischen Luftfahrt für vergleichsweise kleine Stückzahlen entwickelt wurden, müssten für neue Mobilitätskonzepte plötzlich in wesentlich höheren Stückzahlen wirtschaftlich produzierbar sein. Das erfordere teilweise ein völliges Neudenken von Materialien, Prozessen und Fertigungszeiten.
Die Science Lounge wurde von einer Ausstellung der teilnehmenden Unternehmen begleitet, der so genannten Science Lounge Experience Corner, in der die aktuellen Projekte gezeigt wurden. Nach der Paneldiskussion fand in der Experience Corner auch das Networking mit intensivem Austausch zwischen den Teilnehmenden statt. Die Scalaria Science Lounge war kein tagesfüllendes Programm, sie dauerte gerade einmal drei Stunden, aber sie war prall gefüllt mit Inhalten, so dass die Teilnehmer im Anschluss daran die Airshow über dem Wolfgangsee mit maßgeblicher Beteiligung der Flying Bulls aus Salzburg ausgiebig genießen konnten.
Volker K. Thomalla
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