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Junkers Ju 52: Die alte Tante ist noch lange nicht am Ende

Die Paderborner „Quaxe” wollen ihre von der Lufthansa übernommene Junkers Ju-52 zusammenbauen und ausstellen. Das Coronavirus kann die Flugzeug- und Oldtimer-Fans aber nur vorübergehend ausbremsen. Ein Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden.

13.01.2021

Im Vergleich zum übrigen historischen Fluggerät des Vereins wird deutlich, wie groß allein die Tragflächen der Junkers Ju 52 sind. © Meiko Haselhorst

Draußen liegt Schnee, und es geht ein kalter Wind. Aber im Paderborner Quax-Hangar ist es muckelig warm, und es riecht nach Kaffee. Ein paar Piloten schrauben an ihren Maschinen. Bei all den schönen Flugzeugen, die der „Verein zur Förderung von historischem Fluggerät e.V.“ hier pflegt und instand setzt, dauert es ein wenig, bis der Blick auf die Tragflächen am Ende der Halle fällt. Dabei sind sie wahrlich groß genug – sie gehören zu einer Junkers Ju 52. Zu jener legendären D-AQUI, die die Lufthansa bis vor gar nicht allzu langer Zeit noch im Einsatz hatte – und für die die Quax-Flieger im vergangenen Herbst die Halterschaft übernahmen.

„Im Moment bremst Corona uns aus“, sagt der Vereinsvorsitzende Peter Sparding und streicht über die riesigen Flügel der Maschine. „Sonst hätten wir mit der Arbeit sicherlich schon begonnen.“ Am Ziel ändere sich aber nichts: Die Tante Ju soll zusammengesetzt und dann in einem eigenen Hangar ausgestellt werden. In regelmäßigen Abständen, so Sparding, sollen dann auch die Motoren angeworfen werden und das Flugzeug soll ein paar hundert Meter rollen. „Nicht nur an Flugtagen und zu Schauzwecken“, betont er. „Wir wollen damit auch Standschäden vermeiden – die Maschine am Laufen zu halten, ist die beste Art, sie zu konservieren“, erklärt er.

Ju 52 D-AQUI im Quax-Hangar

Sparding geht mit Blick auf Corona davon aus, dass der Zusammenbau im Mai oder im Juni beginnen kann. Ein sechsköpfiges Team aus Ingenieuren und Technikern stehe dafür schon jetzt bereit. „Einige sind von der Lufthansa, andere vom Verein“, sagt Sparding. Dazu kämen noch etwa 30 weitere Unterstützer, die je nach Bedarf mit anpacken würden. „Im ersten Schritt wird das Fahrwerk montiert, danach das Leitwerk“, erklärt er. Erst danach seien Tragflächen und Motoren an der Reihe. Dieser letzte Schritt könne aber erst gemacht werden, wenn die neue Halle fertig sei.

Sparding geht durch zwei Türen hinüber in den „Glaspalast“ – in den optisch so reizvollen Teil des Hangars, mit dem Außenprofil einer Tragfläche. Dort steht zwischen weiteren alten Schätzchen des Vereins der Rumpf der 85-jährigen Ju. „Wenn wir mit dem Zusammenbau beginnen, müssen wir natürlich rüber in die andere Halle“, sagt Sparding. Dass der Rumpf gerade mal 2,5 Tonnen wiege, sei ein unschätzbarer Vorteil. „Lässt sich gut hin- und herschieben”, sagt er.

Die Junkers Ju 52 lockt Besucher

Von außen drücken ein paar Schaulustige ihre Nasen gegen die Glaswand und bestaunen mit Atemwölkchen vor dem Mund das betagte Flugzeug. Für Peter Sparding längst nichts Besonderes mehr: „Seit die Maschine hier steht, also seit Ende September, hatten wir schon weit über 1.000 Besucher – ganz ohne Werbung.” Die vielen Zaungäste draußen vor der Halle seien da noch gar nicht mitgezählt.

Es dauert ein Weilchen, bis Sparding sich durch all die anderen Flugzeuge bis zur Tante Ju vorgekämpft hat. „Im Winter ist es hier immer ein bisschen voll und eng”, sagt er und lächelt. Dann steht er vor dem großen Rumpf. „Sollen wir mal reingehen?“, fragt er. Sparding öffnet die Tür. Die Passagierkabine sieht fast wie neu aus. Auch dem Cockpit sieht man die unzähligen Flugstunden und das bewegte Leben der Maschine nicht unbedingt an.

Dabei hat die D-AQUI wirklich was hinter sich: Gebaut 1936, wechselte sie schon bald von der Lufthansa nach Norwegen. 1940 kam sie zurück, 1945 ging‘s wieder nach Norwegen. Dort beflog sie – ausgerüstet mit Schwimmern – die Nordkaproute. 1957 ging’s nach Ecuador. Dort war sie bis 1962 unter dem Namen „Amazonas“ im Einsatz. Später ging’s in die USA. Im Besitz eines Schriftstellers sorgte Tante Ju als „Iron Annie“ auf Flugshows für Aufsehen. 1984 entdeckten Piloten der Lufthansa das Flugzeug – und fädelten die Rückführung nach Deutschland ein.

Die Ju 52 D-AQUI der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung flog in den Sommermonaten immer Hunderte von Passagieren. © Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung

Nach einer aufwendigen Restaurierung führte die Lufthansa Rundflüge damit durch, die D-AQUI wurde Aushängeschild und Publikumsliebling – aber wegen vieler Instandhaltungsarbeiten auch immer mehr zum Groschengrab. 2018 – an den Flügeln waren einmal mehr schwerwiegende Strukturprobleme festgestellt worden – schob der Lufthansa-Vorstand der Sache einen Riegel vor: Die Tante Ju wurde zerlegt und eingelagert. „Sie wird nicht wieder fliegen“, hieß es. Im Spätsommer dann die Überraschung: Die Maschine wurde nach Paderborn überführt, die Quaxe übernahmen die Halterschaft. Ein Höhepunkt der bisherigen Vereinsgeschichte.

Ein eigener Hangar für die D-AQUI

Und wie war das jetzt mit dem dritten Hangar, eigens für die Ju? Peter Sparding nickt. Ein paar aufgesprühte Farbpunkte sind draußen auf dem Asphalt bereits zu erkennen. „Hier wird sie stehen”, sagt Sparding und zieht mit der Hand eine imaginäre Wand durch die Luft. Schon im April solle mit dem Bau begonnen werden, im Herbst möchte man damit fertig sein. Corona sei hier nicht so entscheidend, die Bauarbeiten fänden ja draußen statt. „Das wird kein zweiter Glaspalast, mehr eine Nutzhalle“, macht der Vorsitzende klar. Immerhin finanziere der Verein den 1.400-Quadratmeterbau komplett selbst.

Wenn die Ausstellungshalle dereinst steht, sollen noch ein paar kleinere Flugzeuge die Ju flankieren. „Aber so, dass man gut drumherumlaufen kann.” Und an den Wänden sollen ein paar Schautafeln hängen. „Und dann hoffen wir auf 20.000 bis 30.000 Besucher im Jahr”, sagt Sparding auf dem Rückweg in den Hangar. „Strategisch liegen wir hier sehr günstig, das Einzugsgebiet ist groß. Wir möchten auch Leute ansprechen, die mit der Fliegerei sonst nichts zu tun haben.“ Die Eintrittsgelder sollen zu 100 Prozent in die Vereinsarbeit zurückfließen, wirtschaftliche Interessen gebe es keine.

Draußen reißt die Wolkendecke auf, die tief stehende Spätnachmittagssonne wirft ihr orangefarbenes Licht auf den Schnee. Die Piloten trinken Kaffee und schrauben an ihren Maschinen, drinnen im muckeligen Quax-Hangar. Winterzeit ist Wartungszeit. Fast ein bisschen schade.

Meiko Haselhorst

 

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Über Meiko Haselhorst

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Meiko Haselhorst (46) wollte als Kind immer Pilot werden. Doch es kam anders: Er wurde Tischler, später Redakteur einer Tageszeitung – und arbeitet heute als freiberuflicher Journalist. Seine immer noch vorhandene Leidenschaft für Flugzege und fürs Fliegen lebt der zweifache Vater zuweilen auf Reisen und an der Tastatur aus.

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