Zu Pfingsten – jeweils am Samstag und am Sonntag – ist auf dem auf einem Plateau oberhalb des Flusses Essonne gelegenen Grasplatz mit seiner etwas über einen Kilometer langen Piste richtig viel Flugbetrieb. Der Sonderlandeplatz brummt dann nur so von Aktivität, und Tausende von Zuschauern strömen auf das Gelände. Zum Oldtimer-Flugtag „Le temps des hélices“ räumt die am Platz ansässige AJBS ihre Hangars aus und stellt ihre Flugzeuge aus. Ein Teil der aviatischen Schätze wird nur am Boden gezeigt, aber viele seltene Fluggeräte aus der der Frühzeit der Luftfahrt gehen auch in die Luft.
Le temps des hélices 2026
Die Royal Aircraft Factory Be2F war ein Bomber, der im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kam. © Volker K. Thomalla
Zusätzlich kommen auch Besucherflugzeuge aus Frankreich und dem benachbarten Ausland für das Treffen nach La Ferté-Alais und ergänzen das Treffen. Wo sonst können Besucher historische Fluggeräte – oder deren Nachbauten – wie Blériot XI, Morane H, Caudron C.III, Spad XIII, Fokker Dr. 1, Fokker D.VII und im Freien – und zum Teil in der Luft – bewundern?
Schauspieler in historischer Kleidung
Die beiden Tage des Treffens in La Ferté-Alais sind jeweils zweigeteilt: Morgens, ab 09.30 Uhr haben die Besucher die Möglichkeit, die Flightline entlang zu gehen und die ausgestellten Fluggeräte aus unmittelbarer Nähe zu besichtigen und mit Piloten und Restaurateuren und Mechanikern ins Gespräch zu kommen. Nicht wenige der Beteiligten tragen historische Uniformen, passend zum jeweiligen Fluggerät und lassen sich gerne fotografieren.
Beim Oldtimer-Treffen in La Ferté-Alais werden auch Gastflüge mit historischen Flugzeugen wie dieser Boeing Stearman angeboten. © Volker K. Thomalla
Die Besucher haben auch die Möglichkeit, in historischen Flugzeugen wie Boeing Stearman, Douglas C-53 Skytrooper, North American T-6 Texan mitzufliegen. Das regelmäßige Brummen der beiden Sternmotoren der C-53 sowie der anderen Oldtimer, bildet eine angenehme akustische Kulisse für die Besucher. In Frankreich gibt es die Tradition der „Lufttaufe“ (Baptême de l’air), dies ist nichts anderes als der erste Flug, den man macht. Eine Lufttaufe in einem historischen Flugzeug ist natürlich etwas besonderes, und so sind die Rundflüge gut gebucht.
Das Treffen ist auch ein Volksfest
Das Treffen ist auch ein großes Volksfest mit Imbissbuden, Getränkeständen und Souvenirverkauf. Viele Familien haben ihre Picknickdecken dabei und machen es sich entlang der Flightline bequem. Es ist ein Fest, dass die Geschichte und die Gegenwart der Luftfahrt feiert, wobei der Schwerpunkt sehr deutlich auf der Geschichte liegt.
Das Flugprogramm dauert von Mittags bis nach 18.00 Uhr und umfasst in verschiedene Tableaus geordnet, verschiedene Epochen der Luftfahrt, beginnend mit einer Vorführung einer Blériot XI – der Typ, mit dem Louis Blériot 1909 die erste Überquerung des Ärmelkanals in einem Flugzeug gelang – und einer Morane H. Aus heutiger Sicht unvorstellbar, welche Leistung es war, sich mit diesen fragilen Flugzeugen in die Luft zu wagen.
Die Luftfahrt entwickelte sich in ihren Anfängen rasant. Dies wird durch die Vorführungen von Flugzeugen aus dem Ersten Weltkrieg – von einer SE-5 über Caudron-Flugzeuge und Fokker DR.1 und D.VII deutlich.
Die Morane-Saulnier MS.406 war in den 1930er Jahren ein modernes Jagdflugzeug. © V. K. Thomalla
Viele der Fluggeräte in La Ferté-Alais haben einen militärischen Hintergrund. Sie dienten in ihrer Zeit als, Jagdflugzeuge, als Bomber, als Aufklärer und als Transportflugzeug. Wenig überraschend sind vor allem viele französische Muster vertreten. Flugzeuge, die man außerhalb von Frankreich nicht zu sehen bekommt, wie beispielsweise der Nahaufklärer Nord 3400, das Schulflugzeug Nord 3202, die Morane-Saulnier-Muster MS.315, MS.317 und MS.406 sowie die Caudron-Flugzeuge. Caurdon wurde 1909 von den Brüdern Gaston und René Caudron gegründet und etablierte sich erfolgreich als Flugzeugbauer, der erfolgreich sowohl militärische als auch zivile Flugzeuge baute. Das Unternehmen wurde 1933 vom Automobilhersteller Renault übernommen und entwickelte unter anderem das Rennflugzeug Caudron C.460 Rafale.
Die Patrouille Tranchant fliegt ihre Vorführungen mit vier CM.170 Fouga Magister. © V. K. Thomalla
Die Form und die Leistungen der C.460 sprachen den US-Piloten Tom Wathen derart an, dass er einen Nachbau der C.460 in Auftrag gab. 2009 flog der Nachbau vom Flabob Airport in Kalifornien zum ersten Mal. 2009 war er bereits einmal auf der Paris Air Show ausgestellt, in diesem Jahr kehrte er spektakulär nach La Ferté-Alais zurück, denn der blaue Renner flog an beiden Tagen zusammen mit einer Dassault Rafale, einem Kampfflugzeug der französischen Luftstreitkräfte. In der statischen Ausstellung war das Flugzeug nicht zu sehen, da es nicht auf einem Grasplatz landen soll.
Starker Auftritt des Turbulent Teams
Das britische Turbulent Team sorgte für Unterhaltung. Vier Mitglieder des Teams fliegen mit ihren kleinen Einsitzern des Typs Stark Turbulent – angetrieben von einem 35 PS starken VW-Käfer-Motor mit Doppelzündung – nicht nur in Formation, sondern lassen durch „Ballonrammen“ und das Abwerfen von Mehlsäckchen auf ein Ziel eine lockere, unterhaltsame Stimmung entstehen. Jeder platzende Luftballon wird vom Publikum mit einem lauten „ah“ und Applaus zur Kenntnis genommen, und wenn ein Mehlsäckchen sein Ziel verfehlt, geht ein bedauerndes Raunen durch die Menge. Zum Abschluss ihrer Vorführungen fliegen die vier Piloten mit ihren Stark Turbulent winkend an den Zuschauern vorbei.
An der Flightline stehen Fotografen mit großen Teleobjektiven. © Volker K. Thomalla
Unterhaltsam war in diesem Jahr auch das Schweizer Wingwalking-Team 46 Aviation mit Danielle Del Buono als Wingwalkerin und dem Piloten Emiliano Del Buono auf einer modifizierten, 1943 gebauten Boeing Super Stearman. Sie riefen mit ihren Vorführungen die Zeit der Barnstormer wach, in der in den 1920er Jahren Piloten aus dem Ersten Weltkrieg versuchten, durch waghalsige und gefährliche Kunststückchen ein Publikum anzulocken und Geld zum Überleben zu verdienen.
Danielle del Buono hängt an den Verstrebungen des linken Flügels und winkt dem Publikum. © V. K. Thomalla
Die Bandbreite der Warbirds in La Ferté-Alais ist nicht nur beeindruckend, sie in überwältigend. Mindestens zehn North American T-6 Texan, T-28 Trojan, eine North American P-51 Mustang, die weltweit einzige fliegende Morane MS.405, eine Avro 652A Anson, eine Supermarine Spitfire Mk IX, die Messerschmitt Bf 109 E-4 „Rote 12“, ein Fieseler Fi 156 Storch und sein französisches Nachfolgemodell Morane-Saulnier MS 500 und viele andere.
Ein weiteres Highlight der Veranstaltung waren die Flüge im Rahmen des Flugprogramms der Junkers Ju 52. Das Exemplar ist die letzte fliegende Ju 52 weltweit. Der Erhalt dieses Flugzeugs ist technisch und finanziell aufwendig. Sie in der Luft zu sehen, ist etwas, was man nicht mehr häufig erleben kann.
Die De Havilland DH89 Dragon Rapide sollte eigentlich zum Oldtimertreffen 2026 flugfähig sein, sie wurde im Flugprogramm schmerzlich vermisst. © Volker K. Thomalla
Eigentlich hatte die AJBS angestrebt, ihren zweimotorigen Doppeldecker De Havilland DH.89 Dragon Rapide zum diesjährigen Flugtag wieder in die Luft zu bekommen – immerhin bildete das Flugzeug auch das Hauptmotiv des diesjährigen Flugtagsposters des französischen Zeichners Romain Hugault für „le temps des hélices“. Aber die DH.89 war nur im Static Display zu sehen. Ein Grund, im nächsten Jahr wieder zurückzukehren, um sie auch in der Luft zu sehen.
Die Amicale Jean-Baptiste Salis ist ein sehr aktiver Verein, der sich dem Erhalt und der Präsentation von historischem Fluggerät verschrieben hat. Das Treffen zu Pfingsten wäre aber nicht möglich, ohne Hunderte von Helfern, die ihre Freizeit dafür opfern, der Allgemeinheit die Faszination der historischen Luftfahrt näher zu bringen. Das Treffen in La Ferté-Alais sollte jeder Luftfahrt-Enthusiast in Europa mindestens einmal im Leben besucht haben.
Volker K. Thomalla
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