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Streiks des fliegenden Personals verderben der Lufthansa die 100-Jahr-Feier

Diese Woche wird nicht als die Woche der Feierlichkeiten zum 100. Gründungstag der Lufthansa-Vorgängergesellschaft in die Geschichte eingehen, sondern als die Woche mit den meisten Flugausfällen durch Streiks bei der Lufthansa Group seit Jahren. Es brodelt im Konzern.

15.04.2026

Für den 16. und 17. April 2026 hat die Vereinigung Cockpit die Piloten der Eurowings, der Lufthansa, der Lufthansa Cargo und Lufthansa CityLine aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. © Volker K. Thomalla

Heute feiert die Lufthansa mit einem Festakt in Frankfurt die Gründung ihrer Vorgängergesellschaft „Deutsche Luft Hansa“ vor 100 Jahren. Sie sieht sich zwar dezidiert nicht als Rechtsnachfolgerin, gefeiert wird trotzdem. Aber manche der geladenen Gäste werden nicht oder nicht pünktlich zum Festakt erscheinen können, denn das Management der Kranich-Airline befindet sich derzeit mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO (Unabhängige Flugbegleiter Organisation) in Tarifkonflikten, die gerade eskalieren.

Sollte eigentlich in dieser Woche im Vordergrund stehen: Das Jubiläum 100 Jahre Lufthansa. Stattdessen dominieren Streiks aufgrund von Tarifkonflikten. © Lufthansa

Am Montag und Dienstag dieser Woche streikte schon ein Großteil des Lufthansa- und Lufthansa CityLine-Cockpitpersonals, nachdem UFO am Freitag zur Arbeitsniederlegung aufgerufen hatte. Bereits zuvor, im Februar und März, hatte das fliegende Personal tageweise die Arbeit niedergelegt und den betroffenen Passagieren und den Frachtkunden Geduld abverlangt. Für heute und morgen hat UFO das Kabinenpersonal zum Streik bei der Lufthansa CityLine aufgerufen, was wiederum zu streikbedingten Flugausfällen führen dürfte. Die Zahl der streikbedingten Flugannullierungen bei der Lufthansa Group dürfte in diesem Jahr bereits die Marke von über 1.000 Flügen überschritten haben.

Die Positionen liegen weit auseinander

UFO schreibt in ihrem aktuellen Streikaufruf vom 13. April: „Es gibt weiterhin keine Bewegung. Die Geschäftsführung verweigert sich, überhaupt Verhandlungen mit uns aufzunehmen und zumindest ein verhandlungsfähiges Angebot zu unterbreiten. Die Verhandlungen sind aus diesem Grunde gescheitert. Wir sind daher gezwungen, unsere Forderungen mittels eines Streiks durchzusetzen.“

Michael Niggemann, der Personalvorstand der Lufthansa, hatte zuvor schon mitgeteilt: „Obwohl wir konkret und transparent Vorschläge zum von UFO gekündigten Manteltarifvertrag für die Kolleginnen und Kollegen der Lufthansa präsentiert haben, hat sich UFO bislang nicht auf ernsthafte Verhandlungen eingelassen. Die Verhandlungen der komplexen Einsatzbedingungen unserer Kabinenbeschäftigten benötigen Zeit und einen ernsthaften Gestaltungswillen. Stattdessen hat UFO nun schnell eskaliert. Wir fordern die UFO auf, mit uns zu verhandeln.

Passagiere, die geglaubt hatten, damit sei es mit den Arbeitsniederlegungen für diese Woche vorbei, sehen sich getäuscht, denn gestern hat die VC erneut zum Streik des Cockpitpersonals bei der Lufthansa, der Lufthansa Cargo, der Lufthansa CityLine und der Eurowings aufgerufen. Am 16. und 17. April sollen die Pilotinnen und Piloten dieser Fluggesellschaften streiken, um im laufenden Tarifkonflikt den Druck auf das Management zu erhöhen.

Schlichtung scheint der einzige Ausweg

Andreas Pinheiro, der Präsident der VC, schrieb: „Die Lage ist unverändert – es gibt keinerlei Bewegung seitens der Arbeitgeber. Weder liegt bei Lufthansa und Lufthansa Cargo ein Angebot zur betrieblichen Altersversorgung vor, noch gibt es bei Lufthansa CityLine ein tragfähiges Angebot für einen neuen Vergütungstarifvertrag oder bei Eurowings zur betrieblichen Altersversorgung. Uns geht es nicht um machtpolitische Auseinandersetzungen oder Egoismen, sondern um tragfähige Lösungen.“

Damit ist die Jubiläumswoche aus Passagiersicht endgültig zur Woche der Flugausfälle mutiert. Die VC hat nun ein verbindliches Schlichtungsverfahren vorgeschlagen. „Die Situation ist festgefahren“, schrieb Pinheiro. Ein Schlichtungsverfahren biete die Chance, die bestehenden Tarifkonflikte durch einen unabhängigen Dritten zu lösen und eine weitere Eskalation zu vermeiden.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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