Homepage » General Aviation » FlyingBasket versorgt Berghütten per Drohne

In Südtirol hat der Drohnenhersteller und -betreiber FlyingBasket erste Versuche zur Versorgung von Hütten per Drohne erfolgreich absolviert. Zusammen mit den Bayerischen Staatsforsten hat das Unternehmen jetzt gezeigt, dass Drohnen auch bei der Wiederaufforstung von Bergwäldern wertvolle Dienste leisten können.

14.05.2021

Noch wird die Drohne FB3 ferngesteuert, aber in Zukunft soll sie autonom Wegpunkte abfliegen. © FlyingBasket

Der Drohnenhersteller FlyingBasket aus St. Ulrich in Südtirol in Italien hat im Auftrag und in Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsforsten Baumsetzlinge im Rahmen eines Wiederaufforstungsprojekts mit seiner FB3-Drohne aus dem Tal zur Pflanzfläche auf den Berg geflogen. Erst kurz vorher hatte das Unternehmen die Betriebsgenehmigung für diese Flüge vom Luftfahrt-Bundesamt (LBA) erhalten. Insgesamt transportierte die vollelektrisch angetriebene FB3  von FlyingBasket 2.000 Setzlinge vom Startplatz bei Aschau auf die Höhe neben der Kampenwand.

FlyingBasket FB3

Sergio Moura, der Vertriebsdirektor von Flying Basket, sagte im Gespräch mit Aerobuzz, dass die Setzlinge dank des Drohneneinsatzes viel näher an die Stelle gebracht werden konnten, wo sie gepflanzt wurden. Die FB3-Drohne ist in der Lage, bis zu 100 Kilogramm Last mitzunehmen, beim Hubschraubertransport müssten aus Kostengründen größere Gebinde geflogen werden, so dass die Setzlinge anschließend aufwendiger zu Fuß zu ihren Pflanzstandorten gebracht werden müssten. Der Drohnentransport hat die Wiederaufforstung im steilen Gelände schneller gemacht.

Bernd Meier, der stellvertretende Leiter des Bildungszentrums Laubau der Bayerischen Staatsforsten, sagte: „Die Arbeit mit dem Team war toll. Jeder hat 100 Prozent gegeben, und wir hatten viel Spaß und haben viel gelernt. Wir sehen großes Potenzial in der Nutzung dieser Technologie, nicht nur für die Bepflanzung in steilem Gelände, sondern auch, um unsere Forstgeräte zu unseren Leuten zu bringen, die sie sonst tragen müssen. Die Fernerkundung ist ein weiteres interessantes Feld mit großem Innovationspotenzial.“

EU-Finanzierung für das Projekt ATRA

FlyingBasket wurde 2015 von den Brüdern Moritz und Matthias Moroder gegründet. Die beiden Südtiroler kamen bei einer Wanderung auf die Idee, Berghütten statt mit Hubschraubern mit Drohnen zu versorgen. Sie überlegten, welche Leistungsdaten eine Drohne aufweisen muss, um diese Aufgabe zu erfüllen und experimentierten mit verschiedenen, selbst entwickelten Drohnen. Die Europäische Union finanzierte die Arbeiten am Projekt ATRA (Aerial Transport in Remote Areas). Die Unterstützung durch die EU bezeichnet Sergio Moura auch als Schlüssel für die erfolgreiche Arbeit.

Die FB3-Drohne wiegt 60 Kilogramm und kann Lasten von bis zu 100 Kilogramm transportieren. Als Antrieb des senkrecht startenden und landenden Fluggeräts dienen acht Elektromotoren, die an vier Auslegern installiert sind. Die Lasten transportiert die Drohne derzeit noch in Transportsäcken und im Netz an einem langen Seil. Künftig kann sich das Team aber auch andere Transportarten wie beispielsweise spezielle Transportbehälter für unterschiedliche Lasten vorstellen.

Im September des vergangenen Jahres fanden erste Flüge zur Hüttenversorgung mit der FB3 in Südtirol auf der Seiser Alm statt. Als erste Hütte in Europa wurde die Tschötsch Alm per ferngesteuerter Drohne mit Nachschub versorgt. Die Landesabteilung Vermögensverwaltung von Südtirol untersucht nun, ob die Versorgung der 26 von ihr betreuten Hütten in Südtirol auf Drohnenbelieferung umgestellt werden kann. Derzeit werden sie per Geländefahrzeug oder Hubschrauber versorgt.

Das Team von FlyingBasket transportiert seine Drohne auf dem Anhänger eines Klein-LKW zum Einsatzort. Der Anhänger ist gleichzeitig auch die Basis der Drohne. Sie startet direkt vom Anhänger, nimmt die Lasten auf und fliegt sie an ihren Bestimmungsort. Bei voller Beladung hat sie eine Flugdauer von acht bis zehn Minuten, sagt Sergio Mauro. Der Flug aus dem Tal zu den Hütten dauert nur wenige Minuten, so dass die Endurance kein Problem darstelle. An der Basis stehen immer Ersatzbatterien zum Tauschen bereit. Sie können per Kabel oder aber per Generator innerhalb von 45 Minuten bis zu einer Stunde geladen werden.

Momentan fliegt ein Drohnenpilot die FB3 per Fernsteuerung. Ihm stehen zwei Kameras an der Drohne zur Verfügung, eine die nach vorne gerichtet ist und eine, die nach unten schaut. Beide liefern ihre Bilder in Echtzeit an die Bodenstation. Das Unternehmen wird aber künftig auch autonome Flüge entlang definierter Wegpunkte durchführen, so die Planung.

Zulassung in 18 bis 24 Monaten

FlyingBasket arbeitet mit der italienische Zivilluftfahrtbehörde ENAC und der EASA eng zusammen, um nicht nur Testflüge durchzuführen, sondern die Drohne auch für den gewerblichen Flugbetrieb zuzulassen und sich dadurch sich weitere Einsatzmöglichkeiten zu erschließen. Die Zulassung strebt das Unternehmen in einem Zeitraum von 18 bis 24 Monaten an, so Moura. Zu den nächsten Zielen, die FlyingBasket verfolgt, gehört der Betrieb von Drohnen in besiedeltem Gebiet.

Auch soll die Nutzlastkapazität der Drohne weiter gesteigert werden. Das Konzept der FB3-Drohne ist skalierbar. Künftige Modelle, an denen das internationale Team bei FlyingBasket bereits arbeitet, sollen 450 bis 500 Kilogramm Nutzlast erreichen. Damit böten sich weitere Einsatzoptionen neben dem Transport an. Telekommunikation- und Energieunternehmen hätten beispielsweise Bedarf an solchen Fluggeräten, so Sergio Moura. Auch im Such- und Rettungsdienst könnten Drohnen hilfreich sein.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

1 Kommentar

  • Ich finde die Entwicklung oder den Fortschritt sehr lobenswert. Nur machen einige Hobbypiloten, dass Fliegen mit Drohnen durch wilde Flüge wie an Flughäfen immer schwieriger. So kommt es immer zu neuen Gesetzen und der Hobbypilot muss sich immer weiter einschränken.
    Dennoch ist das Thema Versorgung oder Unterstützung ein wichtiges Thema. Drohnen sind schneller in der Luft wie Hubschrauber und mittlerweile haben diese auch eine große Reichweite. Würde mir in Zukunft noch mehr Akzeptanz der Menschheit erhoffen.

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