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Margrit Waltz hat mit einer TBM 940 ihren 900. Ferryflug absolviert

Margrit Waltz überführt Flugzeuge aus den USA nach Europa und von Europa nach Nordamerika. In den vergangenen fast 45 Jahren hat sie eine sehr beeindruckende Anzahl von Nordatlantiküberquerungen gemacht. Am 11. Mai 2021 startete sie in Tarbes am Steuer einer Daher TBM 940 in Richtung Vereinigte Staaten. Es ist ihr 900. Ferryflug.

12.05.2021

Auf ihrem 900. Ferryflug überführt Margrit Waltz diese TBM 940 von Frankreich nach Munice im US-Bundesstaat Indiana. © Maxime Fourcade

Margrit Waltz startete mit ihrer TBM 940 gestern gegen 13.10 Uhr Ortszeit von Tarbes im Südwesten Frankreichs nach Muncie im US-Bundesstaat Indiana. Die reine Flugzeit beträgt rund zwölf Stunden (ohne Zwischenstopps). Das Kennzeichen des einmotorigen Turboprop-Flugzeugs lautet N64MA. Es ist Margrits Aufgabe, diese brandneue Einmot an die Muncie Aviation Company zu liefern, einen der ältesten privaten Betreiber, Broker und Wartungsbetrieb für TBM- und Kodiak-Flugzeuge in den USA.

Margrit Waltz ist 64 Jahre alt. Sie hat 25.000 Flugstunden und 900 Überführungsflüge über den Nordatlantik in ihren Flugbüchern stehen. In ihrer fast 50-jährigen Pilotinnen-Karriere hat sie über 200 Flugzeuge der TBM-Familie überführt. „Margrit begann 1991 bei uns zu arbeiten, qualifiziert durch Christian Briand, unseren damaligen Testpiloten.  Sie war eine der ersten Ferrypiloten von TBM und überführt heute meistens TBM-Flugzeug“, erzählt Philipe de Segovia, TBM Sales Promotion Director bei Daher, gegenüber Aerobuzz.

Die Flughafenfeuerwehr von Tarbes verabschiedete Margrit Waltz mit einem Wassersalut zu ihrem 900. Transatlantikflug. © Maxime Fourcade

Die TBM 940 startet am Dienstag in Tarbes und ging auf Kurs in Richtung Norden nach Wick in Schottland, wo sie einen ersten Tankstopp einlegte, bevor sie weiter nach Keflavik auf Island flog. Heute, Mittwoch, den 12. Mai, startete sie auf Island in Richtung Goose Bay in Kanada und Bangor in den Vereinigten Staaten.

Hin und zurück als Ferryflug

Margrit Waltz war erst am Vortag allein in Tarbes angekommen, am Steuer einer gebrauchten TBM 700C2, die für einen französischen Kunden bestimmt war. Auf ihrem 900. Ferryflug in die Vereinigten Staaten wird sie von einem Fotografen begleitet.

Margrit scheint fast unermüdlich zu sein und führt durchschnittlich zwei Flugzeugauslieferungen pro Monat durch. Die meisten von ihnen sind TBM (etwa 15 der durchschnittlich 50 Daher-Lieferungen pro Jahr). Früher absolvierte sie durchschnittlich einen Ferryflug pro Woche und flog viele verschiedene Flugzeugtypen wie Kolbenmotor-Einmots von Mooney bis hin zu King Air C90 oder Piper PA-31T Cheyenne. „Heute fliegt sie nur noch Turboprops und manchmal leichte Jets, aber keine einmotorigen Kolbenmotorflugzeuge mehr“, fügt Philippe de Segovia hinzu, „aber sie fliegt natürlich auch Kodiaks.“

Für den Jubiläums-Ferryflug von Margrit Waltz hat Daher ein eigenes Logo entworfen. © Maxime Fourcade

2020 hatte Daher 42 TBM-Flugzeuge ausgeliefert, im Vergleich zu 48 im Vorjahr, „ein Rückgang aufgrund der Pandemie-Situation“, erklärt de Segovia. „Die Bestellungen sind nicht zurückgegangen, aber wir haben mit Verzögerungen bei den Zulieferern zu kämpfen, die von der COVID-Krise sehr betroffen sind. Wir hoffen, im Jahr 2021 wieder zu einem normalen Rhythmus zurückzukehren.  Das ist unser Ziel.“

Rund 20 Überführungsflüge pro Jahr

Margrit Waltz stammt aus Deutschland und hat sich ihren Spitznamen „Queen of The Sky“ redlich verdient. Im Alter von 15 Jahren begann sie mit dem Segelfliegen und lernte zufällig bei Erich Hartmann, dem erfolgreichsten Jagdflieger des Zweiten Weltkriegs, das Fliegen. Im Alter von 18 Jahren erhielt sie ihre Lizenz und wurde im darauffolgenden Jahr jüngste Fluglehrerin – und flog zum ersten Mal selbst über den Atlantik.

Margrit ist seit 33 Jahren mit ihrem Mann verheiratet, der, nachdem sie sich kennengelernt hatten, seinen Pilotenschein gemacht hat, denn Margrit hatte gesagt, dass sie nur jemanden heiraten würde, der in der Luftfahrt beschäftigt ist. Sie leben in Scranton, Pennsylvania. Ihr Mann unterstützt sie in bei ihrem Job und bereitet die gesamte Logistik vor, vom Flugplan bis zur Hotelreservierung.

Sie begann ihre Karriere als Ferrypilotin im Alter von 20 Jahren. Das erste Flugzeug, das sie überführte, war eine Rockwell Commander. In den Anfangsjahren arbeitete sie viel für Mooney Aircraft. Das Unternehmen war damals in Deutschland besonders erfolgreich. Als die TBM von Socata in Partnerschaft mit Mooney auf den Markt kam, wandte sich Socata logischerweise an Margrit, um das erste Flugzeug in die USA zu überführen. Sie flog die TBM 700 Nr. 5 zu Robert J. Pond, dem kalifornischen Milliardär, Sammler von Warbirds und Gründer des Palm Springs Air Museum. Er war auch der Sponsor des berühmten „Pond Racer“, der von Burt Rutan entworfen wurde.

Margrit Waltz bei ihrem ersten TBM-Ferryflug mit dem damaligen SOCATA-Chefpiloten Christian Briand im Copilotensitz. © Daher

Als „Novizin“ auf der TBM 700 wurde Margrit von Christian Briand trainiert, der sie auf diesem ersten TBM-Ferryflug Anfang 1991 mit dem Ingenieur Jean-Christophe Canard begleitete. So begann ihre Leidenschaft für die TBM-Familie. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt sie rückblickend, unterstreicht Philippe de Segovia. „Die Überführungspiloten müssen von unserem Chefpiloten zugelassen werden. Für die Kodiak greifen wir daher oft auch auf externe Piloten zurück, da die Flugzeit oft länger ist als bei der TBM“, erklärt de Segovia.

Neben Margrit setzt der Hersteller Daher auf Jacques Raissiguier, einen Franco-Amerikaner, der auch Chefpilot der Tochtergesellschaft des Flugzeugherstellers in Florida war, und Gilles Glatz, einen Schweizer Piloten, der auch für Pilatus Aircraft Flugzeuge überführt. „Unsere Piloten, wie die Testpiloten Stéphane Jacques und Alain Jaubert, sowie Wayman Luy, der Leiter der ‚Ausbildung‘, Nicolas Chabbert, unser Direktor, und unser ehemaliger technischer Direktor Dominique Deschamps, oder Jean Pechaet und einige andere können wir ebenfalls fragen, Ferryflüge zu übernehmen.“

Ferrypiloten müssen gute Verhandler sein

„Der Beruf des Ferrypiloten erfordert großes Verhandlungsgeschick, vor allem bei längeren Strecken und bei Flügen nach Asien, bei denen es manchmal notwendig ist, sensible Länder oder Zonen zu überqueren. Für eine Lieferung nach Asien, zum Beispiel nach Singapur, ist Indien ein administrativer Albtraum“, sagt Philippe de Segovia, „dort kann ein Pilot manchmal mehr als 24 Stunden festsitzen.“   Ein Überführungsflug wird vom Piloten vorbereitet, der seine Netzwerke und Kontakte hat, mit Hilfe von erfahrenen Dispatchern und spezialisierten Unternehmen, die sich um den gesamten Prozess kümmern.

In ihrer fast fünfzigjährigen Karriere hat Margrit Waltz gesehen, wie sich der Beruf weiterentwickelt hat: „Als sie mit diesem Job anfing, gab es noch eine gewisse Solidarität unter den Ferrypiloten, zum Beispiel beim Informationsaustausch und bei der Hilfe bei Zwischenlandungen, die es heute so nicht mehr gibt“, erklärt de Segovia.

Wir Margrit Waltz noch ihren 1.000. Transatlantikflug schaffen? Mit 64 Jahren denkt sie nun daran, ihren Job zum Ende dieses Jahres an den Nagel zu hängen. Doch unter Ferrypiloten heißt es, dass sie sich noch nicht endgültig entschieden habe.

Jérôme Bonnard

 

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Über Jérôme Bonnard

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Als vielseitiger Journalist, sowohl Redakteur als auch Videofilmer, hat Jérôme Nachrichten aus Frankreich und dem Ausland recherchiert und veröffentlicht. Er war 2012 Finalist des Albert-Londres-Preises für seine Berichterstattung über den Libyen-Konflikt. Er pflegt eine große Leidenschaft für alles, was fliegt, und fliegt seit jungen Jahren Dreiachs-UL. Er schreibt seit 2018 für Aerobuzz.fr und widmet den Großteil seiner Aktivitäten der Welt der Luftfahrt und dreht auch Filme.

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