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MOSAIC: Die ULs auf dem Weg in die General Aviation

Auf der AERO (22. - 25. April 2026) in Friedrichshafen informierte Scott Severein, der Präsident des Verbands LAMA (Light Aircraft Manufacturers Association) europäische Hersteller über die schon im nächsten Monat bevorstehende regulatorische Änderungen in den USA.

1.06.2026

Flight Design zeigte schon auf der AERO 2024 eines seiner Flugzeuge, welches bereits den MOSAIC-Vorschriften entspricht und tat dies durch eine entsprechende Beschriftung kund. © V. K. Thomalla

In den Vereinigten Staaten führte die Erkenntnis, dass das derzeit von der US-Luftfahrtbehörde FAA für General-Aviation-Flugzeuge angewandte Regulierungssystem die Entwicklung neuer Modelle massiv behindert, zur Entwicklung von MOSAIC (Modernization of Special Airworthiness Certification). Das MOSAIC-Regelwerk führt im Grunde zur Schaffung einer neuen Flugzeugkategorie – ein Schritt, der hier in Europa als Revolution wahrgenommen wird.

Nach derzeitigem Stand tritt diese Vorschrift in Kürze, nämlich am 24. Juli 2026, in Kraft. An diesem Tag will die FAA ( Federal Aviation Administration) ihren endgültigen Segen zu den Änderungen geben und vielleicht ein paar „Aber“ oder „Wenn“ hinzufügen. Eigentlich ist schon jetzt für FAA und LAMA fast alles (etwa 95 Prozent) klar, wie das neue Gesetz aussehen soll. Aber man wird wahrscheinlich auf die ASTM-Grundlagennormen warten müssen. Die ASTM kann die Grundlagen erst schreiben, wenn das Gesetz tatsächlich verabschiedet ist. ASTM steht für American Society for Testing and Materials (offiziell ASTM International). Es ist eine der weltweit größten und bedeutendsten Organisationen zur Entwicklung freiwilliger technischer Normen.

MOSAIC steht vor der Tür

Was für US-Hersteller bereits zum Tagesgeschäft gehört, erscheint den europäischen Herstellern noch immer unklar und weit entfernt. Zahlreiche Firmen nahmen an der LAMA-Konferenz teil und zeigten dabei großes Interesse, trotz der Situation, die durch die US-Zölle entstanden ist. LAMA-Präsident Severein erläuterte den europäischen Produzenten in leicht verständlicher Sprache die MOSAIC-Regeln sowie den zeitlichen Ablauf der Einführung.

Konkret wird die bestehende LSA-Kategorie (Light Sport Aircraft) erweitert und damit faktisch nach oben Richtung General Aviation (FAR 23-Bauvorschrift) hin geöffnet. MOSAIC-Flugzeuge, die Ultraleichtflugzeugen ähneln und oft von europäischen UL abstammen, dürfen künftig über bis zu vier Sitze verfügen und unterliegen keinen Gewichtsbeschränkungen mehr. Die Stallgeschwindigkeit VS0 und VS1 betragen demnächst 61 beziehungsweise 59 Knoten maximal. Hier hat man sich bei der FAA für eine Lösung mit zwei verschiedenen Werten entschieden. Der Wert von 59 KCAS gilt für Muster, die schon als LSA geprüft wurden.

Für neue Typen, die eine neue MOSAIC Zulassung (§22.100) nach dem Stichtag 24. Juli 2026 erhalten sollen, gilt 61 KCAS, und die Höchstgeschwindigkeit steigt von heute 120 auf 250 Knoten. Ein einziehbares Fahrwerk und Verstellprop sind ebenso erlaubt wie alle Arten von Triebwerken in unbegrenzter Zahl. Zudem werden diese Flugzeuge nicht dem strengen und kostspieligen Regulierungsrahmen der FAA für die Allgemeine Luftfahrt unterworfen sein, sondern den weitaus einfacheren und kostengünstigeren ASTM-Standards folgen (MOSAIC F37 Standards). Mit dieser neuen Kategorie will die FAA die Lücke zwischen dem LSA-Sektor und der Allgemeinen Luftfahrt schließen.

Tecnam bietet unter anderem auch die Astore GT als MOSAIC-konformes Flugzeug an. © Tecnam

Einige europäische Hersteller haben schon reagiert und ihre Modelle auf MOSAIC getrimmt. Zu ihnen gehören beispielsweise Tecnam (P92 Echo MkII, P2008 NG, Astore GT, P2010, P2006 NG), TL-Ultralight (Sparker, Sting S4), Gogetair (G750) und Bristell (B23M 5 Modelle, B8M, TDO, RG). Bald gesellen sich noch mehrere Muster hinzu wie die von Porto PAG (Risen), I.C.P. (Ventura) und Kaelin (B-100C). Kaelin Aero Technologies hat sogar ihr auf der AERO präsentiertes Flugzeug von Anfang an so ausgelegt, um in die zukünftige MOSAIC Klasse zu passen. Genauso machen das nun auch viele andere Hersteller.

Nach der Ankündigung der Zölle in den USA setzte Scott Severein in seiner Funktion als Präsident von LAMA alle Hebel in Bewegung, um diese Zölle abzumildern oder abzuschaffen. Sein erklärtes Ziel war es dabei sicherzustellen, dass diese Zölle nicht auf Hersteller im Bereich der leichten Luftfahrt angewendet werden.

Marino Boric

 

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Über Marino Boric

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Marino Boric ist Luftfahrtingenieur, Handelsfachwirt, Pilot und Journalist (DJV-Mitglied). Seit Jahrzehnten erscheinen seine zahlreichen Artikel mit professionellen Fotos – auch Air-to-Air – in internationalen Luftfahrtmagazinen. Eine langjährige Redakteurstätigkeit in der Tagespresse der größten Luftfahrtevents der Welt und beim jährlich erscheinenden „World Directory of Light Aviation“ verschafft ihm einen großen Branchenüberblick. Als LAMA-Director Europe hat Marino bei der Entwicklung der MOSAIC-Gesetzgebung in den USA aktiv beigetragen.

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