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Pierre Robin (1927-2020): Ein Leben für die Allgemeine Luftfahrt

Der am 5. August 2020 verstorbene Fluglehrer, Flugzeugkonstrukteur und -hersteller Pierre Robin hinterlässt ein außergewöhnliches industrielles und kulturelles Erbe. Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Konstruktion und Herstellung von Leichtflugzeugen hat Pierre Robin in den Hangars der europäischen Fliegerclubs seine Spuren hinterlassen. Die DR.400 war ein Meisterstück.

10.08.2020

Mit über 2.700 gebauten Flugzeugen sind die einmotorigen Flugzeuge der DR.400-Familie die Robin und Delemontez entworfen haben, auch heute noch weit verbreitet. © Robin

Als gelernter Zimmermann, dann Berufspilot, Segelflug- und Motorfluglehrer im Aeroclub Côte-d’Or, dann auf dem Luftwaffenstützpunkt Dijon-Longvic ansässig, gründete der 1927 geborene Pierre Robin 1957 sein Flugzeugbauunternehmen auf dem von ihm mitgestalteten Gelände, dem Flugplatz Dijon-Val Suzon, der später in Dijon-Darois umbenannt wurde.

Pierre Robins Vorliebe für den Amateurflugzeugbau wurde lange vor der Gründung seines Unternehmens Centre-Est Aéronautique (CEA) geweckt. Noch bevor er fliegen konnte, baute er 1946, mit 19 Jahren, mit zwei Freunden seine erste „Pou du Ciel“ (Himmelslaus). Pierre Robin nahm seinen ersten Segelflugunterricht in Tours, wo er im Alter von 20 Jahren seine Lizenz erhielt. Er wurde Segelfluglehrer und dann Motorfluglehrer in Challes-les-Eaux, wo er 1952 mit dem Bau seiner ersten Jodel, einer Baby D.9, begann.

Im selben Jahr in Dijon als Fluglehrer und Chefpilot eingestellt, traf sich Pierre Robin 1954 mit Jean Délémontez. Dieses Treffen sollte seine Pläne ändern und die Landschaft der Leichtfliegerei in Frankreich und in Europa nachhaltig verändern. Délémontez beauftragte ihn mit der Erprobung seines Jodel-Flugzeugs.

DR steht für Délémontez und Robin

Pierre Robin ist immer noch mit dem Bau seiner Jodels beschäftigt: Er baut erst eine D.112 und dann eine D.119, die er in zwei Jahren fertigstellt. Der zukünftige Konstrukteur der Robin-Flugzeuge tauscht sich dann mit Jean Delemontez über ein Projekt aus, an dem dieser bereits seit einigen Jahren arbeitet: eine dreisitzige Jodel auf der Basis der D.119. Pierre Robin stellt den D.119-Prototyp, die D.10, wieder her und arbeitet mit Jean Delemontez an der Modifikation des Originalflugzeugs. Das erste klassische Jodel-Robin-Flugzeug, registriert als F-PIER, absolviert seinen Erstflug Anfang 1957. Wenige Monate später, beim Jodel-Treffen in Châlon, erregte der Dreisitzer großes Interesse.

Mit der unschätzbaren Hilfe von Jean Délémontez arbeitet Pierre Robin an einer Version mit einer Musterzulassung. Die erste DR.100 (F-WIFR), die Buchstabenkombination DR steht für Délémontez-Robin, kommt aus den Werkstätten der CEA und absolviert 1958 ihren Erstflug. 790 Flugzeuge der verschiedenen Versionen dieses Musters werden gebaut.

Das Erbe von Pierre Robin lebt auch heute noch in Dijon-Darois fort: Die Robin-Flugzeuge werden dort auch noch aus Holz gebaut. © Volker K. Thomalla

Nach der DR.250 im Jahr 1966 beschließt Pierre Robin, die DR.253 mit einem Dreibeinfahrwerk auszurüsten. Auch die DRs wechselten von Drei- zu Viersitzern. Die beiden Partner Délémontez und Robin verfolgten unermüdlich die Entwicklung neuer Flugzeuge. 1972 startete die berühmteste ihrer Konstruktionen zum Erstflug: die DR.400, von der bislang mehr als 2.700 Exemplare gebaut wurden.

Während Holz und Leinwand die bevorzugten Materialien für die DR-Flugzeuge sind, interessiert sich Pierre Robin auch für die Metallbauweise. Mit Hilfe von Chris Heintz entwickelte er unter anderem die viersitzige HR-100 und die doppelsitzige HR-200. Kompositmaterialien wurden dann ab 1980 bei der Herstellung des Leichtflugzeug Robin ATL (Avion Très Léger) verwendet.

1988 kaufte Apex International die Robin Aircraft Company. Ein neues Kapitel in der Geschichte des Unternehmens wird aufgeschlagen, aber die Robin-Flugzeuge werden auch heute noch in Darois gebaut. Auch wenn die Flugzeuge der DR durch das Verschwinden von Pierre Robin fortan verwaist sind, bleiben seine Vision der Leichtfliegerei und sein industrielles und kommerzielles Genie, unterstützt von seiner Frau Thérèse und von Jean Delemontez und vielen anderen, in den Aeroclubs in Europa sehr lebendig. Und zwar noch für eine lange Zeit.

Fabrice Morlon

 

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1 Kommentar

  • Heimo Kandler

    Die DR 400 und auch die die Robin 3000, die ich beide gerne und auch für lange Strecken geflogen bin, sind geniale und ehrliche Viersitzer mit guter Performance. Ein sehr übersichtliches Flugzeug sowohl im Cockpit wie auch mit hervorragender Rundumsicht nach außen.

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