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Zu Besuch bei den Löschpiloten der Sécurité Civile in Nîmes

Bob Fischer hat die Basis der französischen Löschflugzeuge der Sécurité Civile in Nîmes besucht. Er konnte dabei nicht nur die gegroundeten S-2 Turbo Firecat der fliegenden Feuerwehr besichtigen, sondern auch das neue Standardflugzeug, die Q400-MR.

28.07.2020

In Nîmes-Garons sind neben den Dash 8 Q400-MR der Sécurité Civile auch Bombardier CL-415 stationiert. © Bob Fischer

Der französische Zivilschutz (Sécurité Civile) betreibt eine größere Flotte an Löschflugzeugen, um im Sommer schnell auf die regelmäßig ausbrechenden Wald- und Buschbrände im Süden des Landes reagieren zu können. Es war geplant, die Flugzeuge des Typs Conair S-2 Turbo Firecat noch bis 2022 zu betreiben. Doch nachdem es unvorhergesehene Probleme mit den Fahrwerken der Flugzeuge gab und zudem noch eine Turbo Firecat abstürzte und dabei den Piloten in den Tod riss, entschied die Führung der Sécurité Civile, die Conair S-2 bereits früher aus dem Dienst zu nehmen. Sechs S-2 Turbo Firecat stehen in einem Hangar des Zivilschutzes auf dem Flugplatz Nîmes-Garons (LFTW).

Sécurité Civile in Nîmes

2011 gaben die französischen Marineflieger diesen Stützpunkt auf dem zivilen Flughafen Nîmes auf. Seit 2017 hat die Sécurité Civile den westlichen Teil der Basis mit Hangars und einem großen Vorfeld übernommen.

Bei unserem Besuch auf der Basis sprachen wir mit einem der Löschflugzeugpiloten des Zivilschutzes, Lionel „Goodec“ Bonhomme. Bevor er zur Sécurté Civile kam, flog er bei der Aeronavale die Super Etendard und die Rafale. Dort erhielt er auch sein Callsign „Goodec“.

Er erzählte Aerobuzz.de, dass er rund 800 Flugstunden auf den S-2 Firecat gesammelt habe. Die Firma Conair hatte das Muster nach der Außerdienststellung bei der US Navy mit neuen Turboprop-Triebwerken und neuen Cockpitinstrumenten ausgerüstet. Die Firecat konnte 7.500 Pounds (3.400 Kilogramm) Wasser und Löschmittel transportieren, was angesichts der kompakten Größe der Zweimot keine schlechte Zuladung war. Beim Umbau der Flugzeuge setzte Conair den Boden des Innenraums um 20 Zentimeter nach oben und schuf so Platz, um die vier Wassertanks im Flugzeugrumpf unterzubringen.

Durch das Entfernen der militärischen Ausrüstung wurde das Flugzeug 1.500 Kilogramm leichter, so dass ein Löschmitteltank für 3.296 Liter Zusatzstoffe eingebaut werden konnte. „Goodec“ fühlte sich im Cockpit der Turbo Firecat immer wie Zuhause, sagte er bei unserem Besuch. Die Kommunikation mit den Feuerwehren am Boden erfolgte über UKW-Funk.

Umschulung in Farnborough

Nach dem überraschenden Aus für die S-2 schulte „Goodec“ im britischen Farnborough auf die neu angeschafften Bombardier Dash 8 Q400-MR um. Bislang hat er rund 50 Flugstunden auf dem zweimotorigen Turbopropmuster geflogen. Er erwartet, dass er noch 20 weitere Stunden fliegen muss, bevor er Kapitän wird. Im Gegensatz zu den S-2 Turbo Firecat werden die Dash 8 ausschließlich mit zwei Piloten – Kapitän und Copilot – geflogen. Derzeit besteht die Flächenflugzeug-Flotte der Sécurité Civile aus zwölf Canadair CL-415, vier Bombardier Q400 (zwei weitere sind bestellt) sowie drei Beechcraft King Air 200. Zur Drehflügler-Flotte der Katastrophenschutzorganisation gehören 40 Helikopter.

Eine Q400-MR kann bis zu 10.000 Liter Wasser oder Löschmittel aufnehmen. Das „MR“ in der Bezeichnung steht für „Multi Role“, also Mehrzweckflugzeug.  Die Flugzeuge können in wenigen Stunden für die Beförderung von Passagieren oder Fracht umgerüstet werden kann. Die Dash 8 kann mit einer Geschwindigkeit von 323 Knoten (598 km/h) fliegen und hat eine Reichweite von 1.000 nautischen Meilen (1.852 Kilometer). Das Flugzeug ist mit einem AN Enhanced Flight Vision System ausgestattet, das ein Bild im sichtbaren oder infraroten Spektrum liefert. In einer Medevac-Konfiguration kann es sechs Krankentragen zusammen mit den erforderlichen Geräten aufnehmen oder 9,0 Tonnen Fracht transportieren. Die Q400-MR-Feuerbomber sind in der Lage, auf vielen Flughäfen in Frankreich aufzutanken und Löschwasser sowie feuerhemmende Mittel aufzunehmen.

Für die Wartung der Flugzeuge der Sécurité Civile ist Sabena Technics auf der Heimatbasis Nîmes-Garons verantwortlich. Derzeit sind noch sechs Firecats in einem großen Hangar des Flughafens eingelagert, von denen eine als Ausstellungsflugzeug zu einem französischen Flughafen und eine weitere zu einem französischen Luftfahrtmuseum gehen soll. Über das Schicksal der anderen vier ist noch nicht entschieden.

Bob Fischer

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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