Ein neues Luftfahrzeug, sei es ein Flächenflugzeug oder ein Hubschrauber, muss im Laufe der Flugerprobung und der Nachweisflüge für die Zulassung unter Beweis stellen, dass es auch unter extremen klimatischen Bedingungen zuverlässig funktioniert. Zwischen Juni und Oktober dieses Jahres hatte Airbus Helicopters den zweiten Prototyp des neuen Hubschraubermusters H140 aus Europa in die Vereinigten Staaten verschifft, um die H140 dort bei besonders hohen Temperaturen und in verschiedenen Höhen zu testen.
Airbus Helicopters H140
Am 11. März 2025 enthüllte Airbus-Helicopters-CEO Bruno Even die H140 auf der Verticon in Dallas. © Airbus Helicopters
Christian Wehle, der Chefingenieur des H140-Programms, berichtet über die Versuche: „Diese Kampagne bestand eigentlich aus drei Teilkampagnen. Wir begannen am 13. Juni und haben sie am 8. Oktober abgeschlossen. Unser erster Standort war Lake Havasu City in der Mojave-Wüste, südlich von Las Vegas. Im Juni und Juli erreichten die Temperaturen dort 45 Grad Celsius und mehr – wir konnten das Luftfahrzeug also unter extrem heißen Bedingungen testen.
Anschließend verlegten wir den Betrieb nach Leadville in den Rocky Mountains in Colorado. Der dortige Flugplatz liegt bereits auf einer barometrischen Höhe von 10.000 Fuß. Hier führten wir Tests unter Bedingungen in extrem großer Höhe durch. Auf dem Mount Pennsylvania – in Höhen von 13.000 Fuß und mehr – brachten wir den Hubschrauber an seine Grenzen, insbesondere im Hinblick auf die Steuerbarkeit sowie die Triebwerksleistung, die für den Schwebeflug, Start und die Landung bei hoher Nutzlast erforderlich sind. Der dritte Standort war Albuquerque, das in einer Hochwüste am Rio Grande liegt. Dort testeten wir in mittleren Höhen – bei einer Dichtehöhe von etwa 7.000 bis 9.000 Fuß. Dieser Höhenbereich ist für künftige Kunden der H140 von entscheidender Bedeutung.“
130 Flugstunden absolviert
Im Laufe der Testkampagne führte der Helikopter mit dem Kennzeichen D-HEEZ nicht weniger als 800 Landungen durch und war über 130 Stunden in der Luft. Der Hubschrauber ist mittlerweile schon wieder zurück in Donauwörth.
Der dritte Abschnitt der Testkampagne fand in der Region rund um Albuquerque in New Mexico statt. © Airbus Helicopters
Airbus Helicopters wird insgesamt vier H140-Prototypen nutzen. Derzeit sind noch zwei Prototypen in die laufenden Flugtests eingebunden, ein weiterer soll Anfang nächsten Jahres die fliegende Testflotte ergänzen. Der allererste Prototyp wird für einen so genannten „tie down Test“ genutzt, also einen Test, bei dem der Hubschrauber fest an den Boden gefesselt ist. „Dabei sollen Getriebe, Rotoren, Steuerungssystem und Antriebswellen unter anspruchsvollen Testbedingungen erprobt werden, während das Luftfahrzeug sicher am Boden verankert ist. Wir beabsichtigen, diesen Test Mitte 2027 zu beginnen“, berichtet Wehle.
Als nächste größere Testkampagne stehen ebenfalls wieder Flüge unter extremen Bedingungen an, dieses Mal allerdings bei besonders niedrigen Temperaturen. Sie sollen im anstehenden Winter in Norwegen und Finnland erfolgen.
Im Winter geht es für die H140 nach Skandinavien
Airbus Helicopters hatte das H140-Programm schon 2022 gelauncht, war mit ihm aber erst im März 2025 an die Öffentlichkeit getreten, als der erste Prototyp (D-HEEY) schon über 50 Flugstunden absolviert hatte.
Die H140 soll die H135 im Portfolio von Airbus Helicopters nicht ablösen, sondern ergänzen. Das Muster wird von zwei Arrius 2E-Triebwerken von Safran Helicopter Engines angetrieben, die über eine digitale Zweikanal-FADEC-Triebwerkssteuerung verfügen. Das neue Arrius 2E soll weniger Maintenance erfordern als die Vorgängerversionen und so den Betreibern Kosten sparten. Die H140 erhält einen neuen Hauptrotor, der – wie bei der H145-D3 – auch über fünf Blätter verfügt. Die Hauptrotorblätter sind eine modifizierte Version der Rotorblätter der H145. Der Fenestron der H140 wurde ebenfalls für den neuen Hubschrauber optimiert.
Der H140-Prototyp wurde für die Testkampagne in den USA mit einer Vielzahl von Sensoren versehen. © Airbus Helicopters
Die H140 ist mit 3.175 Kilogramm maximaler Startmasse nur 195 Kilogramm schwerer als die H135. Dafür ist das Kabinenvolumen mit 6,10 Kubikmetern aber spürbar größer als bei der kleinen Schwester, die ihren Nutzern ein Kabinenvolumen von 5,04 Kubikmetern bietet. Statt fünf Sitzplätze wie die H135 bietet die H140 sechs Sitzplätze für Passagiere in der Kabine, die zudem noch über einen durchgehend flachen Boden verfügt. Um die Beladung durch das Heck zu ermöglichen, haben die Ingenieure zwei große Hecktüren konstruiert. Sie sind mit 92 Zentimetern Höhe 25 Zentimeter höher als bei der H135.
Airbus Helicopters strebt die Zulassung durch die EASA (Agentur für Flugsicherheit der Europäischen Union) sowie die Übergabe der ersten H140 an Kunden für 2028 an. Die Zulassung durch die US-Luftfahrtbehörde FAA soll ein Jahr später erfolgen.
Volker K. Thomalla
Keine News mehr verpassen: Abonnieren Sie unseren Newsletter!
Folgen Sie uns auf Bluesky
Liken Sie uns auf Facebook
Schon gelesen?
Airbus Helicopters hat die ACH140 enthüllt – und Erstkunden präsentiert
Airbus Helicopters hat den dritten H140-Prototyp in die Luft gebracht