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Teilnehmerrekord beim 75. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress

Rund 1.150 Teilnehmende zählte der 75. Deutsche Luft- und Raumfahrtkongress in Aachen – so viele wie noch nie in der Geschichte. Drei Themenfelder prägten die drei Kongress-Tage: neue Flugzeugprogramme und die dafür erforderlichen Kompetenzen, die wachsende strategische Bedeutung der Raumfahrt sowie Sicherheit und Verteidigung als technologische Herausforderung.

15.09.2026

Zum 75. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress kam ein Rekordzahl an Teilnehmern. © DGLR

Eröffnet wurde Deutschlands größtes wissenschaftlich-technisches Networking-Event der Luft- und Raumfahrt am 8. September 2026 von Roland Gerhards und Cornelia Hillenherms, Präsident und Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR). Das Programm bestand aus 450 Vorträgen und 70 Postern, sieben Plenarvorträgen, Podiumsdiskussionen und intensivem Austausch und Networking.

In der Eröffnungspodiumsdiskussion der Jubiläumsveranstaltung ging es direkt um eine aktuelle Problemstellung, mit der sich sowohl die Luftfahrt als auch die Raumfahrt konfrontiert sehen: Wie kann technologische Kompetenz schneller in industrielle Wertschöpfung übersetzt werden? Das diskutierten Isabell Gradert (Airbus), Claus Riegler (MTU Aero Engines), Walther Pelzer (Deutsche Raumfahrtagentur im DLR), Kirsten Bender (Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen) und Peter Jeschke (RWTH Aachen) unter der Moderation von Thomas Bergs (RWTH Aachen).

Ein zentraler Punkt: Luft- und Raumfahrt müssen Entwicklung und Produktion künftig deutlich stärker zusammendenken. Fertigungs- und montagegerechte Konstruktion, Standardisierung und höhere Stückzahlen gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig müssen Robotik, KI und Digitalisierung früher in die Entwicklung einfließen. Der Raumfahrtmarkt hat sich zwischen 2020 und 2025 verdoppelt und die Nachfrage an Flugzeugen liegt ebenfalls weit über der aktuellen Produktionsrate. Die entscheidende Frage sei nun, wie sich die erforderlichen Stückzahlen erreichen lassen. Deutschland müsse seine Erfahrung aus der industriellen Serienfertigung stärker auf die Luft- und Raumfahrt übertragen und schnell Hochratenfähigkeit aufbauen. Außerdem müsse klar sein: Nicht allein das technisch bestmögliche Produkt zählt. Entscheidend sei zunehmend ein Produkt, das seine Aufgabe zuverlässig erfüllt und sich zugleich schnell, skalierbar und kosteneffizient herstellen lässt.

Luftfahrt: Daten aus den Silos holen

In der Luftfahrt drehte sich auf dem DLRK vieles um das Sammeln von Daten und die Optimierung alter Prozesse. Thomas Spriesterbach von Lufthansa Airlines berichtete von den aufwendigen Daily Checks bei Flugzeugen. Rund 30 Prozent der Beschäftigten in der Instandhaltung seien täglich daran beteiligt. Insbesondere die Prüfung des Reifenzustands sei komplex. Deshalb solle die Prüfung digitalisiert werden: Eine Kameraerkennung auf dem Taxiway könne die Reifen von allen Seiten erfassen und somit Druck und Zustand prüfen. Aber auch Öl-Level könnten über Sensoren automatisch gecheckt werden und das Papier-Logbuch werde durch ein elektronisches TechLog ersetzt und digital geprüft. Damit würde die Prüfung laut Spriesterbach sogar noch sicherer als vorher.

Oliver Zeplin von Airbus zeigte, wie KI den Passagierflug optimieren kann. So ließen sich beispielsweise Turbulenzen frühzeitig vorhersagen, damit Crew und Passagiere sich besser darauf einstellen können. Sein Befund: Die Informationen der Luftfahrt liegen bislang vielfach in Silos. Zudem werde zu selten zwischen Verfügbarkeit, Zugänglichkeit und Eigentum von Daten unterschieden. Als zielführend sieht er den Weg vom Ego- zum Ökosystem – von der Einzelleistung hin zu einer gemeinsamen Plattform. Damit solle mehr Effizienz, Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit erreicht werden.

Verfügbarkeit von SAF ist (noch) ein Problem

Peter Jeschke vom Institut für Strahlantriebe und Turbomaschinen der RWTH Aachen und Jens Friedrichs vom Institut für Flugantriebe und Strömungsmaschinen der TU Braunschweig widmeten sich der Frage, wie grünes Fliegen tatsächlich möglich wird. Kurzfristig führe der Weg über nachhaltige Kraftstoffe – deren begrenzte Verfügbarkeit allerdings ein großes Problem sei. Langfristig könnte grüner Wasserstoff bis 2050 günstiger werden als Kerosin. Die Klimaziele seien auch ohne Verzicht erreichbar, so die Einschätzung, allerdings nur mit einer konsequenten Vermeidung von Kondensstreifen und einer evolutionären Weiterentwicklung der Technologie. Auch bei ihnen wurde klar: „Wir müssen weniger in Silos optimieren, sondern gemeinsam.“

 

 

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