Mit „industrieller Resilienz“ bezeichnen Wirtschaftswissenschaftler die Fähigkeit von Unternehmen, unabhängig von äußeren Einflüssen zu agieren. Dazu gehört unter anderem auch, dass man weder bei der Beschaffung von Rohstoffen noch bei Exporten auf Genehmigungen von anderen Nationen angewiesen ist.
Das französische Unternehmen AURA AERO hat die Einmot-Flugzeugfamilie Integral entwickelt und arbeitet derzeit mit Hochdruck an dem 19-sitzigen, hybrid-elektrisch angetriebenen Regionalflugzeug ERA. Im vergangenen Jahr hat AURA AERO ein Tochterunternehmen gegründet, das Rüstungsgüter entwickelt und produziert. Das erste Projekt von AURA M ist die MALE-Drohne ENBATA. MALE steht für „Medium Altitude, Long Endurance“, also „mittlere Höhe und große Reichweite“.
Auf der Messe Eurosatory (15. bis 19. Juni 2026) in Paris hat AURA M nun die überarbeitete Auslegung der Drohne vorgestellt. Das unbemannte Fluggerät ist für eine Vielzahl von Missionen vorgesehen, von der Informationssammlung über bewaffnete Aufklärung, maritime Überwachung bis zu elektronischer Kriegführung und der Drohnenbekämpfung.
ENBATA hat eine beeindruckende Größe
ENBATA ist kein kleines Fluggerät. Als Spannweite der von einem Dieselmotor angetriebenen Drohne gibt der Hersteller 17 Meter an. Dank eines robusten Fahrwerks mit Rädern mit niedrigem Luftdruck kann ENBATA auch unvorbereitete Pisten nutzen. Als Marschgeschwindigkeit gibt AURA M 160 Knoten (True Air Speed) an, als typische Missionsflughöhe 25.000 Fuß. ENBATA soll in der Lage sein, bis zu 1.050 Kilogramm an Nutzlast zu transportieren und bis zu 55 Stunden ununterbrochen in der Luft zu bleiben.
ENBATA wird ausschließlich mit europäischen Komponenten gefertigt, so dass für Exporte keine Genehmigung der US-Regierung eingeholt werden muss.
AURA M wird ENBATA von der EASA (Agentur für Flugsicherheit der Europäischen Union) zertifizieren lassen, so dass sie einerseits auch zivile Missionen fliegen kann, andererseits aber auch Lufträume nutzen kann, in denen auch zivile Flugzeuge unterwegs sind.
Um die Sicherheit zu erhöhen, wird bei ENBATA das „Sphere Awareness System“ integriert, welches nach Angaben des Herstellers „eine Lösung zur Umgebungsanalyse ist, die darauf ausgelegt ist, die Sicherheit und Effizienz von Drohnen zu verbessern. Das Sichtfeld einer Drohne wird häufig durch ihre primäre Nutzlast eingeschränkt. ENBATA erweitert diese Wahrnehmung durch ein Netzwerk intelligenter Kameras, die über das gesamte Fluggerät verteilt sind. Das System überwacht die Umgebung rund um die Drohne, erkennt das Eindringen eines Luftfahrzeugs oder Objekts in einen definierten Bereich, alarmiert die Bediener, aktiviert automatisch eine Live-Videoübertragung, verfolgt das Ziel in Echtzeit und erfasst Bilder, die für die Analyse nützlich sind. Diese 360-Grad-Überwachungsblase ermöglicht es den Bedienern, sich auf die Hauptmission zu konzentrieren und gleichzeitig von der ständigen Überwachung der unmittelbaren Umgebung der Drohne zu profitieren. Das „Sphere Awareness System“ veranschaulicht den Ansatz von AURA M, der darauf abzielt, mehr Onboard-Intelligenz bereitzustellen, ohne die Plattform unnötig zu verkomplizieren.“
Bei der Materialwahl setzt der Hersteller auf eine Mischung aus konventionellem Aluminium für den Rumpf, während die Tragflächen, das Leitwerk und der Bug aus Faserverbundwerkstoffen bestehen. Dadurch kann ENBATA besonders leicht und gleichzeitig aerodynamisch optimiert gebaut werden.
Volker K. Thomalla
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