Homepage » Industrie » Das Team Tempest ist um sieben weitere Firmen gewachsen

Das Team Tempest ist um sieben weitere Firmen gewachsen

Das von Großbritannien geführte Kampfflugzeugprojekt Tempest hat heute verkündet, dass das Projektteam um sieben zusätzliche Firmen gewachsen ist. Dass die Royal Air Force (RAF) sich nun die Bezeichnung des in Konkurrenz stehenden französisch-deutschen-spanischen-Projektes FCAS für Tempest aneignet, ist dabei wohl als bewusste Provokation zu verstehen.

20.07.2020

Das Team Tempest ist um sieben weitere Firmen gewachsen, die den Eurofighter-Nachfolger für Großbritannien entwickeln wollen. © BAE Systems

Das Projektteam für das künftige britische Kampfflugzeug Tempest ist um sieben weitere Firmen gewachsen, gab heute der Verteidigungsstaatssekretär Ben Wallace in London bekannt. Vor zwei Jahren auf der Farnborough International Airshow hatte der damalige Verteidigungsminister ein Mock-up des neuen Fighters präsentiert, der in Großbritannien einmal den Eurofighter Typhoon ablösen soll. Die neuen Team-Mitglieder sind die Firmen GEUK, GKN, Collins Aerospace, Martin Baker, QinteiQ, Bombardier und Thales UK. Zusätzlich sind auch mehrere Universitäten sowie klein- und mittelständische Firmen im Projektteam Tempest vertreten.

Die britische Regierung hatte bei der Gründung des Teams Tempest 1,9 Milliarden Pfund für die Arbeit an dem Projekt genehmigt. Nach Angaben der Royal Air Force (RAF) arbeiten über 1.800 Ingenieure und Programmierer derzeit an dem Projekt, im nächsten Jahr soll diese Zahl auf 2.500 steigen. Gründungsmitglieder des Team Tempest sind BAE Systems, Leonardo UK, MBDA UK und Rolls-Royce.

RAF bezeichnet Tempest als FCAS

Erstaunlicherweise nutzte die RAF bei ihrer heutigen Mitteilung erstmalig die Bezeichnung Future Combat Air System sowie die Abkürzung FCAS für das künftige System. Dabei nutzt das französisch-deutsche-spanische Kampfflugzeugprojekt schon von Beginn an diese Bezeichnung – was der britischen Regierung sicher nicht entgangen sein dürfte. Handelt es sich also bei dieser Übernahme der Bezeichnung um eine bewusste Provokation der britischen Projektpartner in Richtung der Kontinentaleuropäer oder ist dies einfach ein Ausdruck von Arroganz oder ist dies gar ein erstes, vorsichtiges und bewusstes Annähern an das konkurrierende Projekt? Eine Zersplitterung der europäischen Rüstungsindustrie durch zwei Projekte dieser Größenordnung – Tempest und FCAS – ist nicht zielführend. Keines der beiden Projekte alleine kann eine vernünftige Stückzahl erreichen. Eine Kooperation auf gesamteuropäischer Ebene wäre sicher sinnvoll, wird aber derzeit bislang nicht angestrebt, und die heute benutzte Rhetorik zeigt auch keine Anzeichen für eine Kooperationsbereitschaft.

Der britische Verteidigungsminister Jeremy Quinn sagte: „Die heutige Ankündigung zeigt weitere Fortschritte bei der Umsetzung der britischen Luftkampfstrategie, da mehr Unternehmen an der Zukunft der britischen Luftverteidigung mitarbeiten. Es handelt sich um ein hochinnovatives Projekt, das sich auf Spitzentechnologie stützt und auf eine Qualifikationsbasis zurückgreift, in der Großbritannien führend ist. Ich freue mich, dass der Erfolg und die Stärken des Team Tempest durch die Nutzung des britischen Know-hows verstärkt werden; durch die Zusammenarbeit mit Industriepartnern und einem hochkompetenten internationalen Team sind wir für den zukünftigen Erfolg gerüstet. Gemeinsam werden die Unternehmen mehr als 60 Technologieprototypen und Demonstrationsaktivitäten entwickeln. Neue Verfahren werden außerdem Technologie und geistiges Eigentum in der Hälfte der Zeit und zu deutlich geringeren Kosten als frühere komplexe Luftkampfprogramme liefern.“

Volker K. Thomalla

 

Folgen Sie uns auf Twitter
Liken Sie uns auf Facebook

 

Schon gelesen?

Italien will sich am Tempest Fighter-Projekt beteiligen

Schweden untersucht Kooperationsmöglichkeiten bei Tempest

Trinationale Vereinbarung zum FCAS unterzeichnet

Über Volker K. Thomalla

zum Aerobuzz.de
Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.