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Der Airbus A400M „Grizzly 4“ geht in Bremen in den Ruhestand

Man sieht dem Flugzeug an, dass es jahrelang nicht geschont wurde: Der Airbus A400M „Grizzly 4“ hat seine Schuldigkeit getan und wurde nun ausgemustert. Der letzte Flug von Sevilla nach Bremen war ein emotionaler Moment für das Testteam. Der Militärtransporter wird nun lackiert und soll später für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

16.11.2022

Der Airbus A400M MSN004 nach dem Start zu seinem letzten Flug nach Bremen. Die intensiven Tests haben auf dem Flugzeug ihre Spuren hinterlassen. © Airbus

Der Airbus A400M mit der Hersteller-Seriennummer MSN004 und dem Kennzeichen EC-404 fliegt nicht mehr. Airbus Defence and Space hat ihn am 10. November 2022 nach zwölf Jahren intensiver Erprobung aus dem Flugdienst entlassen. Der letzte Flug des Militärtransporters mit den Funkrufzeichen „Grizzly 4“ führte ihn vom Sevilla-San Pablo Airport in Spanien nach Bremen in Deutschland. Dies war zugleich der 1.000. Flug des viermotorigen Transporters. Michel Gagneux und Luis Daniel Sabariegos bildeten die Besatzung des Abschiedsflugs. Die Landung erfolgte um 14.35 Uhr Ortszeit in Bremen.

A400M „Grizzly 4“

Gagneux sagte nach der Landung: „Die MSN4 ist nun wieder zu Hause in Bremen, wo jeder A400M geboren wurde, mit den ‚Narben‘ all der Schlachten, die sie während ihrer bemerkenswerten Karriere gewonnen hat. Ich werde diesen letzten Flug immer in Erinnerung behalten. Als Kapitän spreche ich im Namen des Teams, das hinter unserem lieben Freund ‚Grizzly 4‘ steht, und wir möchten diesem Flugzeug für die großartige Zeit danken, die wir gemeinsam verbracht haben.“

In Bremen wird die EC-404 nun neu gestrichen – die aktuelle Lackierung zeigt deutliche Verwitterungsspuren und großflächige Lackpablatzer – und soll am Flughafen Bremen ausgestellt werden. Das Flugzeug hat über 2.000 Flugstunden absolviert.

Schwerpunkte waren Betankungs- und Abwurftests

Die A400M „Grizzly 4“ war am 20. Dezember 2010 zum ersten Mal geflogen und vor allem in der Erprobung und Zulassung der Betankungsverfahren verschiedener Empfängerflugzeuge involviert. César González, der Flugtestingenieur, der die Erprobungsflüge für die A400M-Luftbetankungsfähigkeit entwickelt hat, sagte: „MSN4 war unser Arbeitspferd für die Luftbetankung, denn mit ihr haben wir die Fähigkeiten der Empfänger mit Tankflugzeugen wie A330 Voyager und C-160 Transall getestet. Als Tanker nutzten wir MSN4, um die Betankung von F/A-18 mit den Pods sowie die Betankung per Schlauchtrommel mit F/A-18- und A400M zu entwickeln und zu zertifizieren. Wir haben sie auch für die Erprobung der Cargo Hold Tanks und in jüngster Zeit für die Luftbetankung von H225M-Caracal-Hubschraubern genutzt. Besonders stolz bin ich auf den Einsatz, bei dem erstmals ein A400M-Empfänger („Grizzly 6“) von einer A400M, nämlich „Grizzly 4“ betankt wurde.“

Außerdem hatte das Airbus-Testteam die MSN004 auch für Absetz- und Abwurftests eingesetzt. Deswegen hatte die Konstrukteure bei der Konfiguration dieses Flugzeugs auch genau darauf geachtet, dass keine Flugtestinstrumente im Frachtraum installiert wurden. „Grizzly 4“ hat Frachten per Schwerkraft abgeworfen und per Fallschirm über die Heckladerampe herausziehen lassen, sowohl im extremen Tiefflug als auch aus großen Höhen.

Auch im Ruhestand soll die MSN4 künftig von Airbus genutzt werden: Das Unternehmen plant, das Flugzeug innen so auszustatten, dass es für Besprechungen und Workshops genutzt werden kann. Auch die Öffentlichkeit soll im Rahmen von Werksführungen Zugang zu „Grizzly 4“ erhalten.

Bob Fischer

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen. Er hat mehr als 40 Jahre für der CAA-NL gearbeitet, sein letzter Job war Inspekteur für Flugausbildung in den Niederlanden.

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