Ende Juli ist die siebte Boeing 777-9 in Everett, nördlich von Seattle im US-Bundesstaat Washington, zu ihrem ersten Flug gestartet. Das Flugzeug trägt keine Kundenlackierung und fliegt derzeit mit einer rein weißes Farbgebung, Der Erstflug dauerte nach Angaben des Herstellers rund drei Stunden und führte den von zwei GE9X-Turbofans angetriebenen Widebody über die US-Bundesstaaten Washington, Idaho und Oregon.
Die Crew an Bord des ersten Flugs der siebten Boeing 777-9 war keine kleine Besatzung, Sie bestand aus den Piloten Captain Dan Mangel und Captain Jake Miller, den Systembedienern Scott Brihn und Zachary Lewis, den Fluganalysten Seth Town, John Theeringer und Michael Deutsch, der Instrumentierungsspezialistin Lauren Meyer sowie der Antriebsanalystin Kinsey Bilyeu. Während des Fluges wurden die Systeme und die Struktur des Flugzeugs getestet.
Captain Mangel sagte nach der Landung: „Der Zweck des heutigen Erstflugs besteht darin, das gesamte Flugzeug als System sowie alle einzelnen Systeme zu testen, um sicherzustellen, dass sie einwandfrei funktionieren. Das Flugzeug hat sich bei seinem Erstflug hervorragend bewährt; es ließ sich wunderbar fliegen.“
Die erste 777-9 war schon 2020 geflogen
Die erste Boeing 777-9 war im Januar 2020 zu ihrem Erstflug gestartet, die zweite folgte schon Ende April 2020. Allerdings gab es in dem Programm immer wieder Verzögerungen, so dass Boeing die Zulassung des neuen Großraumflugzeugs nun für 2027 anstrebt. Ursprünglich sollte das Muster schon 2021 in Dienst gestellt werden, wenn das Programm wie geplant gelaufen wäre. In der Zwischenzeit haben alle 777-9 zusammen rund 4.800 Flugstunden gesammelt.
Die siebte 777-9 wird vor allem für die Tests zur Erreichung der ETOPS-Zulassung (Extended Twin Engine Operations) eingesetzt. Diese Zulassung erlaubt es qualifizierten Fluggesellschaften und dafür zugelassenen Mustern, Strecken zu befliegen, bei denen Ausweichflughäfen weiter entfernt sind als beim normalen Flugbetrieb. Bei einer ETOPS-180-Zulassung dürfen beispielsweise Routen gewählt werden, bei denen der nächst gelegene Ausweichflughafen bei Ausfall eines Triebwerks drei Flugstunden entfernt liegt. Dank dieser Zertifizierung können Airlines wirtschaftlichere Strecken befliegen als ohne ETOPS-Zulassung.
Volker K. Thomalla
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