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Der Flughafen Nürnberg rechnet mit längerer Durststrecke

Der Flughafen Nürnberg geht nicht von einer schnellen Erholung nach dem Ende der Pandemie aus. Deswegen bereitet er sich auf eine neue Normalität vor und investiert in entsprechende Projekte. Ein Vertiport soll beispielsweise zukünftig für eine Vernetzung mit den wichtigen Drehkreuz-Flughäfen München und Frankfurt sorgen.

12.05.2021

Der Flughafen Nürnberg bereitet sich auf eine neue Normalität nach der Pandemie vor. © Flughafen Nürnberg

Der Flughafen Nürnberg hat 2020 – wie viele andere Airports weltweit – ein hartes Jahr hinter sich. 2020 nutzten gerade einmal noch 917.000 Passagiere den Flughafen Nürnberg. „Das Thema Pandemie hat das Aufkommen in einer Weise hinuntergezogen wie wir es bisher nicht erlebt haben“, sagte Flughafen-Geschäftsführer Dr. Michael Hupe bei der Präsentation des Jahresergebnisses. Man müsse schon bis in das Jahr 1985 zurückblicken, um ein derart niedriges Passagieraufkommen zu finden, sagte Dr. Hupe.

Der Flughafen war das ganze Jahr über betriebsbereit, auch wenn zeitweise keine Passagierflüge von Airlines stattgefunden haben. Der Anteil des nichtgewerblichen Verkehrs, also die Allgemeine Luftfahrt, habe 2020 in Nürnberg bis zu 80 Prozent der Flugbewegungen erreicht. Die Luftfracht war in Nürnberg im vergangenen Jahr mit einem Rückgang von nur 3,9 Prozent stabil und erreichte 4,7 Millionen Tonnen. Zwar fehlte das Frachtaufkommen aus den Passagierflügen, aber „die fehlende Zuladung wird aktuell durch reine Frachtflüge ausgeglichen“, so der Geschäftsführer.

Jahresfehlbetrag von 41,2 Mio. Euro

„Nach fünf Jahren mit Gewinn erleben wir deshalb 2020 einen massiven Jahresverlust“, sagte Dr. Hupe. Der Konzernumsatz ist um 63 Millionen Euro zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Erlöse aus dem Luftverkehr um 44,5 Millionen Euro niedriger, und die Erlöse aus dem Non-Aviation-Bereich um 18,925 Millionen. Der Jahresfehlbetrag für 2020 beläuft sich auf 41,2 Millionen Euro – nach einem Gewinn von 3,01 Millionen Euro im Jahr 2019.

Trotz des weiterhin durch die Pandemie eingeschränkten Reiseverkehrs geht die Geschäftsführung des Albrecht-Dürer-Flughafens für 2021 von einem moderaten Passagieranstieg aus und hofft auf einen schnellen Fortschritt bei den Impfungen gegen COVID-19. Man habe die Personalkapazitäten um über 25 Prozent reduziert beispielsweise durch die Nutzung von Kurzarbeit. Mit dem Betriebsrat habe man eine Betriebsvereinbarung zur Flexibilisierung der Einsatzbereiche des Personals getroffen. „Wir brauchen keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen, wenn der Verkehr 2022 zurückkommt“, sagte Dr. Hupe.

„Eine Videokonferenz ersetzt keine Umarmung“

Der Flughafen macht sich aber keine Hoffnung, dass die Zukunft so aussehen wird wie die Vergangenheit. Kurzfristig fehlen potenziellen Flugreisenden die Reiseanlässe wie beispielsweise Messen, Kongresse und andere Veranstaltungen. Beim touristischen Verkehr gibt es zwar einen klaren Nachholbedarf, aber die Airlines haben ihre Flotten verkleinert und können somit nicht mehr alle Airports bedienen wie in der Vergangenheit, was kleinere Flughäfen stärker zu spüren bekommen werden als Drehkreuze. Auch die Bahn wird im innerdeutschen Reiseverkehr eine stärkere Konkurrenz, obwohl beispielsweise in Nürnberg der Zubringerverkehr nach München und nach Frankfurt mit der Bahn nicht funktioniere. Hier erwartet Dr. Hupe eine Verlagerung der Langstreckenverkehre in andere Hubs wie Amsterdam und Istanbul, die von Nürnberg aus bedient werden. „Eine Videokonferenz ersetzt keine Umarmung und Virtual Reality gleicht nicht das Gefühl aus, die Füße in warmen Sand zu stecken. Unser Ziel ist klar: Wir verbinden weiterhin die Menschen und Unternehmen in der Metropolregion Nürnberg mit Europa sowie mit der ganzen Welt“, so Flughafengeschäftsführer Dr. Michael Hupe. Aber er rechnet nicht damit, dass das Niveau der Passagierzahlen von 2019 in Nürnberg innerhalb der nächsten Jahre überhaupt noch einmal erreicht wird. Noch 2025, so seine Prognose, wird die Passagierzahl in Nürnberg zwölf Prozent unter der Zahl des Jahres 2019 liegen!

Der Flughafen hat während der Pandemie eine neue Entgeltordnung erarbeitet, die „einfacher, günstiger, ökologischer und spezifischer“ sei. Nachtflüge seien jetzt teurer, dafür gebe es aber Boni für den Einsatz von neuen, leisen Mustern wie den Airbus A320neo oder die Boeing 737 MAX. Für die Nutzung von nachhaltig produziertem Treibstoff SAF will der Flughafen Nürnberg sogar einen Zuschuss geben, auch wenn derzeit in Nürnberg die Möglichkeit dazu noch nicht gegeben ist.

Der Airport blickt trotz der aktuellen Lage vorsichtig optimistisch in die Zukunft und will ein neues Cargo Center 3 in Angriff nehmen. Mit Lilium habe man eine Vereinbarung über die mögliche Einrichtung eines Vertiports am Flughafen getroffen, und für die Erreichung des Ziels eines CO2-neutralen Airport-Betriebs habe man eine Roadmap 2030/2050 verabschiedet.

Volker K. Thomalla

 

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