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Europa und Großbritannien lassen die Boeing 737 MAX wieder zu

Die EASA hat wie angekündigt, eine AD veröffentlicht, die das Flugverbot der Boeing 737 MAX aufhebt. Allerdings sind einige Modifikationen am Flugzeug vorzunehmen und die Besatzungen ausreichend zu trainieren, bevor das Single-Aisle-Muster wieder zu einem Flug am Himmel in Europa starten kann. Die britische CAA erlaubt seit heute ebenfalls wieder Flüge mit der 737 MAX.

27.01.2021

Die EASA hat die Boeing 737 MAX 8 im Januar 2021 wieder für den Flugbetrieb zugelassen. Die belgische TUI fly hatte ihre erste 737 MAX 8 2018 in Seattle übernommen. © TUIfly

Unabhängig voneinander haben heute erste die Agentur für Flugsicherheit der Europäischen Union und danach die britische Zivilluftfahrtbehörde CAA das Flugverbot für die Boeing 737 MAX wieder aufgehoben. Der EASA-Exekutivdirektor Patrick Ky hatte diesen Schritt seiner Behörde in einem Pressegespräch in der vergangenen Woche angekündigt. Er sagte heute: „Wir haben diesen bedeutenden Meilenstein auf einem langen Weg erreicht. Nach einer umfassenden Analyse durch die EASA haben wir festgestellt, dass die 737 MAX sicher wieder in Betrieb genommen werden kann. Diese Bewertung erfolgte in völliger Unabhängigkeit von Boeing oder der Federal Aviation Administration und ohne jeglichen wirtschaftlichen oder politischen Druck – wir haben schwierige Fragen gestellt, bis wir Antworten bekamen und auf Lösungen gedrängt, die unseren hohen Sicherheitsanforderungen genügen. Wir haben unsere eigenen Flugtests und Simulator-Sitzungen durchgeführt und uns nicht darauf verlassen, dass andere dies für uns tun.“

Boeing 737 MAX

Für Ky ist mit der Wiederzulassung der 737 MAX aber nur ein Zwischenziel erreicht. Er sagte: „Lassen Sie mich ganz klar sagen, dass diese Reise hier nicht zu Ende ist. Wir haben volles Vertrauen, dass das Flugzeug sicher ist, was die Voraussetzung für die Erteilung unserer Zulassung ist. Aber wir werden den Betrieb der 737 MAX weiterhin genau überwachen, wenn das Flugzeug seinen Dienst wieder aufnimmt. Parallel dazu und auf unser Drängen hin hat sich Boeing verpflichtet, mittelfristig an weiteren Verbesserungen des Flugzeugs zu arbeiten, um ein noch höheres Sicherheitsniveau zu erreichen.“

Modifikationen sind vorgeschrieben

Nach der veröffentlichten AD (Airworthiness Directive) der EASA muss jede 737 MAX, die von einem Betreiber eines EASA-Staates geflogen werden soll, mit bestimmten Modifikationen versehen werden. Dazu gehören Software-Aktualisierungen des Flight Control Computers und des MCAS (Maneuvering Characteristics Augmentation System), ein Software-Update, das einen Alarm anzeigt, wenn die beiden Anstellwinkel-Sensoren (AoA-Sensoren) unterschiedliche Werte erzeugen, sowie eine physische Trennung der Kabel zwischen dem Cockpit und dem Trimmantrieb des Höhenleitwerks. Vor der Wiederinbetriebnahme muss auch die Dokumentation und die Flughandbücher geändert werden, damit die Crews alle möglichen Fehlerszenarien verstehen und wissen, wie sie handeln müssen. Außerdem schreibt die EASA zusätzliche Trainings für alle Piloten der 737 MAX vor. Bevor eine 737 MAX wieder fliegen darf, müssen laut EASA alle Systeme getestet werden. Dazu gehört auch ein Flug ohne Passagiere, um nachzuweisen, dass alle Modifikationen komplett und korrekt implementiert wurden und dass das Flugzeug richtig und sicher nach der langen Standzeit wieder für den Flugbetrieb vorbereitet wurde.

CAA UK folgte der EASA

Die EASA ist die vierte Luftfahrtbehörde weltweit, die das Muster wieder für den Verkehr zulässt. Zuvor haben die US-Luftfahrtbehörde FAA, die brasilianische ANAC sowie die kanadische Transport Canada die Boeing 737 MAX wieder für den Verkehr zugelassen. Mit der britischen CAA folgte heute auch noch eine fünfte Behörde.

Bis gestern haben fünf Fluggesellschaften (American Airlines, Aeromexico, GOL, WestJet und Air Canada) das Flugzeugmuster wieder in Dienst gestellt. Nach Angaben des Herstellers haben sie nach der Wiederzulassung zusammen bereits über 2.700 Flüge und über 5.500 Flugstunden im Linienflugbetrieb gesammelt. Die Auslastung entspreche der normalen Auslastung der jeweiligen Narrowbody-Flotten, teilte Boeing mit.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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