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Fehlender Sicherungsstift löste den Lufthansa-787-Unfall aus

Die Unfalluntersuchung des Unfalls der Boeing 787-9 der Lufthansa Anfang Juni ist noch nicht abgeschlossen, aber die Unfallforscher haben erste Erkenntnisse darüber veröffentlicht, was zu dem Unfall geführt hat, bei dem 21 Menschen verletzt wurden.

10.07.2026

Die Lufthansa Group wird bis 2027 insgesamt 32 Boeing 787 Dreamliner in ihre Flotten aufnehmen. © Lufthansa

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) aus Braunschweig hat jetzt einen Zwischenbericht zum Unfall der Boeing 787-9 Dreamliner der Lufthansa am 4. Juni 2026 in Frankfurt veröffentlicht. Bei dem Unfall, der am Gate in Frankfurt passierte, wurden 21 Menschen leicht und zwei schwer verletzt. Der Dreamliner wurde schwer beschädigt, ein Bodenabfertigungsgerät wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Der Unfall hatte weltweit Beachtung gefunden, da es ein Video einer Überwachungskamera gibt, welches den Unfall dokumentiert.

Das Bugfahrwerk fuhr bei einem Test unerwartet ein

Was war geschehen? Die erst im Januar dieses Jahres in Dienst gestellte Boeing 787-9 stand auf der Position A15 am Terminal 1 in Frankfurt am Gate und wurde für einen Flug nach Los Angeles vorbereitet. An Bord befanden sich nach Angaben der BFU Techniker, die Besatzung und Bodenpersonal, als das Bugfahrwerk plötzlich einfuhr. Die 787 prallte mit dem Bug und den beiden Triebwerkscowlings auf dem Boden auf und wurde dabei beschädigt.

Bei dem Unfall beschädigten sich die Boeing 787 und der High Loader gegenseitig. © BFU

Die BFU schildert den Vorfall detailliert: „Der verantwortliche Luftfahrzeugführer ging zusammen mit dem Senior First Officer (SFO) ins Cockpit. Dort saßen 2 Techniker auf den Pilotensitzen und waren gerade dabei, einen Test durchzuführen, um eine offene Beanstandung an der Steuerung der Hauptfahrwerkstüren zurückzustellen. Aus Zeitmangel konnte diese Beanstandung von Elektrikern vorab nicht behoben werden. Im Verlauf dieses Tests sollte u. a. der Fahrwerkshebel auf „UP“ gesetzt werden. Unmittelbar nach der Betätigung des Fahrwerkshebels gegen etwa 10:45 UTC fuhr das Bugfahrwerk ein und das Luftfahrzeug schlug mit dem vorderen Rumpf auf dem Boden auf. Die Cockpittür schlug nach dem Aufprall zu. Gleichzeitig fiel die Stromversorgung aus und die Beleuchtung im Flugzeug erlosch.“

Der Sicherungsstift für das Bugfahrwerk des Dreamliner wurde nach dem Unfall noch in seiner Aufbewahrungskiste aufgefunden. © BFU

Bei der Untersuchung des Dreamliners stellte sich heraus, dass in einer Aufbewahrungskiste für die Verriegelungsstifte im vorderen Frachtraum der Verriegelungsstift für das Bugfahrwerk noch lag. Die vier Verriegelungsstifte für die Hauptfahrwerke waren ordnungsgemäß installiert. Die BFU dokumentierte, dass der Verriegelungsstift für das Bugfahrwerk nicht in die vorgesehene Bohrung eingesteckt war.

Die BFU beschreibt in ihrem Zwischenbericht, dass die Verfahren zur Fehleranalyse den Technikern über die Handbücher von Boeing auf einem Tablet zur Verfügung standen. „Zur Abarbeitung des hier angewendeten Verfahrens zur Fehleranalyse wurde das „Fault Isolation Manual“ (FIM)8 genutzt. Es wurde unter Punkt (5) vor dem Betätigen des Fahrwerkshebels (10) darauf hingewiesen, dass die Verriegelungs-Stifte für das Fahrwerk (Landing Gear Downlock Pins) eingesetzt werden mussten, wenn diese noch nicht installiert waren.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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