Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) aus Braunschweig hat jetzt einen Zwischenbericht zum Unfall der Boeing 787-9 Dreamliner der Lufthansa am 4. Juni 2026 in Frankfurt veröffentlicht. Bei dem Unfall, der am Gate in Frankfurt passierte, wurden 21 Menschen leicht und zwei schwer verletzt. Der Dreamliner wurde schwer beschädigt, ein Bodenabfertigungsgerät wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Der Unfall hatte weltweit Beachtung gefunden, da es ein Video einer Überwachungskamera gibt, welches den Unfall dokumentiert.
Das Bugfahrwerk fuhr bei einem Test unerwartet ein
Was war geschehen? Die erst im Januar dieses Jahres in Dienst gestellte Boeing 787-9 stand auf der Position A15 am Terminal 1 in Frankfurt am Gate und wurde für einen Flug nach Los Angeles vorbereitet. An Bord befanden sich nach Angaben der BFU Techniker, die Besatzung und Bodenpersonal, als das Bugfahrwerk plötzlich einfuhr. Die 787 prallte mit dem Bug und den beiden Triebwerkscowlings auf dem Boden auf und wurde dabei beschädigt.
Bei dem Unfall beschädigten sich die Boeing 787 und der High Loader gegenseitig. © BFU
Die BFU schildert den Vorfall detailliert: „Der verantwortliche Luftfahrzeugführer ging zusammen mit dem Senior First Officer (SFO) ins Cockpit. Dort saßen 2 Techniker auf den Pilotensitzen und waren gerade dabei, einen Test durchzuführen, um eine offene Beanstandung an der Steuerung der Hauptfahrwerkstüren zurückzustellen. Aus Zeitmangel konnte diese Beanstandung von Elektrikern vorab nicht behoben werden. Im Verlauf dieses Tests sollte u. a. der Fahrwerkshebel auf „UP“ gesetzt werden. Unmittelbar nach der Betätigung des Fahrwerkshebels gegen etwa 10:45 UTC fuhr das Bugfahrwerk ein und das Luftfahrzeug schlug mit dem vorderen Rumpf auf dem Boden auf. Die Cockpittür schlug nach dem Aufprall zu. Gleichzeitig fiel die Stromversorgung aus und die Beleuchtung im Flugzeug erlosch.“
Der Sicherungsstift für das Bugfahrwerk des Dreamliner wurde nach dem Unfall noch in seiner Aufbewahrungskiste aufgefunden. © BFU
Bei der Untersuchung des Dreamliners stellte sich heraus, dass in einer Aufbewahrungskiste für die Verriegelungsstifte im vorderen Frachtraum der Verriegelungsstift für das Bugfahrwerk noch lag. Die vier Verriegelungsstifte für die Hauptfahrwerke waren ordnungsgemäß installiert. Die BFU dokumentierte, dass der Verriegelungsstift für das Bugfahrwerk nicht in die vorgesehene Bohrung eingesteckt war.
Die BFU beschreibt in ihrem Zwischenbericht, dass die Verfahren zur Fehleranalyse den Technikern über die Handbücher von Boeing auf einem Tablet zur Verfügung standen. „Zur Abarbeitung des hier angewendeten Verfahrens zur Fehleranalyse wurde das „Fault Isolation Manual“ (FIM)8 genutzt. Es wurde unter Punkt (5) vor dem Betätigen des Fahrwerkshebels (10) darauf hingewiesen, dass die Verriegelungs-Stifte für das Fahrwerk (Landing Gear Downlock Pins) eingesetzt werden mussten, wenn diese noch nicht installiert waren.“
Volker K. Thomalla
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