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Lufthansa Technik baut einen Airbus A380 zum Frachter um

Lufthansa Technik wandelt derzeit im Kundenauftrag verschiedene Passagierflugzeuge vorübergehend in Frachtflugzeuge um. Darunter ist auch ein Projekt, bei dem ein Airbus A380 einer ungenannten Fluggesellschaft zu einem temporären Frachter modifiziert wird. 

6.05.2020

Airbus selbst hatte geplant, eine Frachterversion der A380 zu bauen. Doch die A380F wurde trotz fester Bestellungen wieder fallen gelassen. © Airbus

Die Coronakrise macht’s möglich: Nun wird es doch einen Airbus A380 als Frachtflugzeug geben. Aufgrund der massiven Nachfrage nach Luftfracht rüsten immer mehr Fluggesellschaften ihre Passagierflugzeuge vorübergehend zu Frachtflugzeugen um. Die Lufthansa Technik bietet diese Art der temporären Modifikation an und hat damit einen Nerv des Marktes getroffen.

Das Unternehmen berichtet, dass es Anfragen von über 40 Airlines für derartige Umbauten erhalten hat. Über 15 Projekt mit verschiedenen Flugzeugmustern seien in der Umsetzung. Als ein besonderes Highlight unter diesen Projekten bezeichnet das Unternehmen den vorübergehenden Umbau eines Airbus A380 einer ungenannten Airline zu einem Frachtflugzeug.

Derzeit stehen vorübergehend zu Frachtern umgebaute Passagierflugzeuge hoch im Kurs. © Lufthansa Cargo

Normalerweise ist der Umbau eines Passagierflugzeugs zu einem Frachtflugzeug ein aufwendiger und unumkehrbarer Eingriff in die Flugzeugstruktur. Frachtflugzeuge verfügen über eine große seitliche Frachttür und einen verstärkten Boden mit einem Rollensystem, damit Luftfrachtcontainer schnell und einfach geladen werden können. Außerdem werden bei Frachtumbauten die Kabinenfenster durch Aluminiumplatten ersetzt, und die Inneneinrichtung gegen eine spartanische Verkleidung ausgetauscht.

Jets können später zurückgebaut werden

Dies ist bei den Umbauten zu temporären Frachtern nicht der Fall. Sie behalten die Innenverkleidung und den ursprünglichen Kabinenboden. Gleichwohl werden in den Sitzschienen im Kabinenboden Verzurrpunkte installiert, denn die Fracht muss auch bei Turbulenzen sicher an ihrem Platz bleiben.

Henning Jochmann, der Senior Director Aircraft Modification Base Maintenance bei der Lufthansa Technik, sagte: „In den vergangenen Tagen haben wir ein starkes Interesse von verschiedenen Fluggesellschaften für unsere Passagier-zu-Frachter-Umrüstungen erhalten. Der Umbau umfasst viel mehr als nur das Herausnehmen der Sitze. Man benötigt Ingenieure, die genau wissen, welche Herausforderungen zu meistern sind und wie man die technischen Lösungen dokumentieren muss, damit die Luftfahrtbehörden dem zustimmen können. Die derzeitige Ausnahmeregelung und unsere Lösung dafür können zu einem späteren Zeitpunkt ohne größere Anpassungen  auf unser Supplemental Type Certificate (STC) übertragen werden. Das bedeutet, dass jeder, der sich für unsere Lösung jetzt entscheidet, kann später leicht auf die permanente STC-Lösung umsteigen. Die Airlines können so schnell auf die sich ändernden Anforderungen reagieren und halten so ihre Kosten niedrig.“ 

Fracht in temporären Frachtern muss manuell per Hand be- und entladen werden. Deswegen können diese Hilfsfrachtflugzeuge, die der Lufthansa-Chef Carsten Spohr gestern auf der Hauptversammlung des Airline als „Preighter“ bezeichnet hat, keine schweren Lasten aufnehmen und auf dem Hauptdeck keine Fracht auf Paletten oder in Luftfrachtcontainern befördern. Leichte Fracht wie Schutzkleidung und Atemmasken sind aber problemlos in einem temporären Frachter transportierbar. Sie werden sowieso in Kartons verpackt geliefert.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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