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Chaos am Flughafen in Kabul – Menschen auf der Runway

Der Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul versinkt im Chaos. Menschen, die hoffen, ausgeflogen zu werden, haben erst das Vorfeld gestürmt, dann die Start- und Landebahn. Bevor die Situation vor Ort nicht geklärt ist, können keine Evakuierungsflüge erfolgen.

16.08.2021

Am 16. August 2021 sind zwei A400M der Luftwaffe von Wunstorf aus zu Evakuierungsflügen nach Kabul gestartet. © Bundeswehr

Heute morgen sind zwei Airbus A400M der Luftwaffe von Wunstorf aus nach Kabul gestartet, um deutsche Staatsbürger und Ortskräfte zu evakuieren, die dort nach der Eroberung der Stadt durch die Taliban in Lebensgefahr sind. Ob die Militärtransporter aber dort überhaupt landen können, ist derzeit fraglich, denn die Situation hat sich innerhalb kurzer Zeit dramatisch verändert. In der Nacht schon hatten Tausende von Afghanen das Vorfeld des Flughafens gestürmt, da sie hofften, an Bord eines der Flugzeuge zu kommen, um das Land zu verlassen. Sie drängten über die Passagierbrücken und Treppen in die abgestellten zivilen Flugzeuge, die aber wegen der Menschenmassen auf dem Vorfeld überhaupt nicht bewegt werden konnten. Trotz der widrigen Umstände schaffte es eine Boeing 777-300 der Turkish Airlines heute morgen, zur Runway zu rollen und zu starten.

US-Soldaten hatten versucht, das Vorfeld mit Stacheldraht zu schützen und mit Schüssen in die Luft die Menschen vom Vorfeld wieder zu vertreiben, damit überhaupt Flugbetrieb möglich ist. Doch nach dieser Aktion lief das Geschehen völlig aus dem Ruder: Die Menschenmenge strömte von verschiedenen Seiten auf die Runway und blockierte jegliche Flugbewegungen.

C-17A startete mit 800 Insassen!

Videos aus Afghanistan zeigen, wie zwei Apache-Kampfhubschrauber im Tiefflug versuchen, die Menschen von der Startbahn zu vertreiben, um den Start einer C-17A der US Air Force zu ermöglichen. Sie zeigen auch, wie sich Menschen an dem bereits rollenden Transportflugzeug festhalten und während des Starts vom Flugzeug fallen. US-Medien berichten, eine C-17 der US Air Force habe bei dem Evakuierungsflug mit der Flugnummer RCH871 aus Kabul nach Katar gestern 800 (!) Insassen an Bord gehabt. Später wurde diese Zahl von der US Air Force auf 640 Insassen korrigiert.

Die Start- und Landebahn des Airports dürfte derzeit nicht benutzbar sein, da sie durch Hinterlassenschaften der Menschenmenge unbrauchbar ist und zunächst gesäubert werden muss, um einen gefahrlosen Flugbetrieb zu ermöglichen. Ob und wann das der Fall sein wird, ist derzeit völlig unklar. Damit ist auch nicht klar, wann die A400M der Luftwaffe in Kabul landen können. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte zum Abflug der beiden A400M gesagt: „Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet. Es ist ein gefährlicher Einsatz, in den wir unsere Sodatinnen und Soldaten jetzt schicken.“

Die USA und Großbritannien haben angekündigt, bis zu 6.000 Marines und Fallschirmjäger der 82nd Airborne Division nach Kabul zu entsenden, um den Flughafen zu sichern und für Evakuierungsflüge offen zu halten.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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