Jetzt hat die morgen beginnende Internationale Luft- und Raumfahrt-Ausstellung ILA (10. – 14. Juni 2026) am Flughafen BER ihr Top-Thema: Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron haben beschlossen, das strauchelnde Projekt eines gemeinsam mit Spanien zu entwickelnden Kampfflugzeugs der sechsten Generation nicht weiter zu verfolgen.
Das Kampfflugzeug NGF (Next Generation Fighter) sollte in dem zukünftigen Future Combat Air System (FCAS) die bemannte Komponente abdecken. Zu FCAS gehören aber auch ein digitales Netzwerk Combat Cloud, um relevante Lage- und Zieldaten in Echtzeit mit eignen Kräften zu teilen sowie unbemannte Geräte wie Drohnen. „FCAS soll als ‚System of Systems‘ ab 2040 alle Komponenten im Luftkampf verbinden – bemannt wie unbemannt. Ziel ist es, ein Großsystem zu schaffen, das die Einzelsysteme der beteiligten Länder auch mit Unterstützung Künstlicher Intelligenz verbindet“, beschrieb die Luftwaffe noch 2020 das angestrebte System. FCAS war das bisher größte gemeinsame europäische Rüstungsprojekt. Es wurde 2017 von Deutschland und Frankreich auf den Weg gebracht. Spanien stieß später als dritter Partner hinzu.
Die Industriepartner konnten sich nicht einigen
Die Hauptauftragnehmer für den NGF waren Airbus Defence & Space und Dassault Aviation. Sie konnten sich nicht auf eine Verteilung der Arbeitspakete und die Patentrechte für zu entwickelnde Technologien einigen. Beide Unternehmen hatten bei ihren Positionen aber jeweils die Rückendeckung ihrer jeweiligen Regierungen.
Dass es im FCAS-Getriebe knirschte, war schon seit Jahren spürbar. Sehr deutlich wurde es zuletzt auch auf der Paris Air Show 2025, als ein 1:1-Mock-up des NGF auf dem Static Display der Messe in Le Bourget gezeigt wurde. Im Vergleich zu den anderen Exponaten der Hersteller gab es kein Personal an dem Exponat, auch keine Flaggen oder Infotafeln. Das Modell stand wie ein ungeliebtes Kind in der Ecke.
Es gab mehrere ernsthafte Versuche, das Projekt zu retten, dabei setzte die Politik auch auf namhafte Mediatoren. Aber es gelang nicht, deshalb zogen Merz und Macron jetzt die Reißleine, um den Weg für andere Lösungen zu ebnen.
Klar ist, dass Deutschland und Spanien auf der einen und Frankreich auf der anderen Seite unterschiedliche Anforderungen an ein Kampfflugzeug der nächsten Generation haben. Frankreich braucht ein Flugzeug, welches Atomwaffen tragen kann und welches auf Flugzeugträgern genutzt werden kann – beides Anforderungen, die teuer sind und die deutschen und spanischen Streitkräfte nicht unbedingt benötigen. Deshalb hatten die Mediatoren auch die Lösung angeboten, zwei unterschiedliche Fighter auf einer gemeinsamen Plattform zu entwickeln. Dies wurde aber von allem Seiten abgelehnt.
Auch wenn NGF jetzt in der geplanten Form begraben ist, wollen Deutschland und Frankreich aber mindestens die Combat Cloud gemeinsam realisieren. Ob die unbemannten Komponenten von FCAS wie geplant umgesetzt werden, ist aus heutiger Sicht nach der Entscheidung, NGF nicht zu bauen, fraglich. Denn Frankreich signalisiert schon seit letztem Jahr, dass es eigentlich kein großes Interesse mehr hat, das Projekt der Aufklärungsplattform Eurodrone weiter zu verfolgen, obwohl Dassault Aviation einer der vier Hauptauftragnehmer ist.
Die Entscheidung, wie es mit FCAS weitergehen soll, war dringend notwendig, denn auch die Eurofighter der Luftwaffe kommen irgendwann an das Ende ihrer Nutzungsdauer. Dem Ziel einer größeren europäischen Souveränität bei Rüstungsprojekten, hat die negative FCAS-Entscheidung jedenfalls nicht geholfen.
Volker K. Thomalla
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