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Interview: Ian „Gladys“ Knight, einer der ersten F-35-Piloten der RNLAF

Lt. Col. Ian "Gladys" Knight war der Pilot der ersten in Italien hergestellten F-35A Lightning II für die niederländischen Luftstreitkräfte (RNLAF). Er flog den modernen Stealth-Fighter am 31. Oktober dieses Jahres von Italien auf die Leeuwarden Air Base im Norden der Niederlande. Bob Fischer hatte die Gelegenheit, Lt. Col. Knight zu interviewen.

18.12.2019

Lt. Colonel Ian "Gladys" Knight ist einer der ersten F-35A-Piloten der Royal Netherlands Airforce. © Mediacentrum Defensie

Der Familienname von Lt. Col. Ian „Gladys“ Knight kommt aus Schottland, da dort seit Vater geboren wurde. Sein taktisches Rufzeichen – was heutzutage fast jeder Kampfpilot in einer westlichen Luftstreitkraft nach seiner Ausbildung erhält – nimmt Bezug auf die berühmte Sängerin Gladys von der Gruppe Gladys Knight & the Pips.

In seiner Jugend wollte Knight eigentlich Physik studieren, aber als er eine Werbeanzeige für Piloten sah, beschloss er, seine Berufswunsch zu ändern. Er sagte im Gespräch: „Der Reiz, Pilot zu werden, besteht darin, dass man sowohl körperlich als auch geistig optimal gefordert wird. Das war für mich ein wichtiger Grund.“

F-35A der RNLAF

Schon 2003 – damals war er First Lieutenant – wurde Ian Knight in das F-35-Projekt der Royal Netherlands Airforce (RNLAF) involviert. Das Projektteam wollte, dass auch jüngere Piloten die F-35 kennenlernen, und so nahm er an verschiedenen Simulatorflüge teil. Er wurde von der Twenthe Air Base in die Vereinigten Staaten beordert und wurde Austauschpilot bei der 77th Fighter Squadron, einer Einheit der US Air Force, die auf die Unterdrückung und Zerstörung von gegnerischer Flugabwehr (Destructive Suppression of Enemy Air Defenses/(D)SEAD) spezialisiert ist. Die F-35 wurde auch für diese Art von Missionen entwickelt.

Knight nahm als einer von nur wenigen Piloten an dem Projekt „F-16-Ersatz“ in dem Team der Rüstungsbeschaffungsbehörde Defense Materiel Organisation (DMO) teil, das für das Gesamtprojekt der F-35-Beschaffung für die Niederlande verantwortlich zeichnet. Dank seines tiefen und spezifischen Wissens um den Joint Strike Fighter wurde er ausgewählt, als einer der ersten Piloten der RNLAF die F-35A zu fliegen.

Er sagt: „Alle F-16 Piloten können die F-35 fliegen. Derzeit wurden einige F-16-Piloten zu F-35-Piloten umgeschult. Künftig werden die Piloten nach ihrem Training auf der Sheppard Air Force Base direkt für die F-16 oder die F-35 ausgewählt.“ Knight fliegt die F-16 seit 2014 nicht mehr. Er sagt: „In Zukunft werden wir schauen, ob die F-16-Piloten während des Übergangs auf die F-35 auch auf ihrem alten Muster ‚current‘ bleiben können. Daraus ergeben sich Vor-, aber auch Nachteile.“

Die F-35 fliegt sich einfacher als die F-16

Laut Lt. Col. Knight ist das Fliegen mit der F-35 noch einfacher als mit der F-16. Natürlich ist der neue Fighter deutlich fortschrittlicher. Aber die Einfachheit, mit der die F-35 geflogen werden kann, gibt dem Piloten mehr Zeit für seine eigentliche Arbeit, den Einsatz der F-35 als Waffen- und Sensorplattform.

Das Triebwerk ist leistungsstärker und beschleunigt schneller, was bei Luftkämpfen und einfachen Luftkampfmanövern (Basic Fighter Manoeuvres/BFM) nachgewiesen wurde. Wenn man ausschließlich die Luftkampffähigkeiten betrachtet, liegt die F-35 zwischen der F-16 und der F-18 Hornet. Ein weiterer Unterschied ist, dass die F-35 mit einem Autothrottle ausgestattet ist, der als eine Art Tempomat fungiert. Die g-Kräfte, mit denen ein F-35-Pilot konfrontiert ist, sind die gleichen wie bei der F-16, etwa 9 g.
Alle Navigationsinformationen werden auf einem großen Display im Instrumentenbrett angezeigt, Papierkarten werden jedoch weiterhin im Cockpit verwendet. Für die Anflugkarten wird eine militärische Variante verwendet.

Das System-Backup besteht aus mehrere Ebenen, es sieht aus wie ein GPS oder ein INS und ist vergleichbar mit dem F-16, aber in der F-35 natürlich viel weiter fortgeschritten. Überraschend ist, dass die Checklisten erst in Zukunft als digitale Variante verfügbar sein werden, die heutige Variante ist noch auf Papier gedruckt.

Der F-35 ist mit einer Black Box ausgestattet, um mögliche Fehlerursachen zu finden und zu dokumentieren. Neben der Blackbox meldet die F-35 über ein mobiles Speichergerät selbst Codes an die Techniker und den Piloten. Es wird gemeldet, welches Teil eventuell ausgetauscht werden muss oder wo sich eine Störung befindet. Die Software ist so ausgeklügelt, dass sie sogar den möglichen Ausfall eines Systems  vorhersagen kann, so dass die Techniker frühzeitig über einen anstehenden Austausch bestimmter Teile informiert sind.

Norwegen und die Niederlande sind bislang die einzigen Kunden für den Bremsschirm an der F-35A. © Royal Norwegian Air Force

Die niederländischen F-35 sind so modifiziert, dass sie mit Bremsschirmen ausgestattet werden können. Die Vorrichtungen dafür sind vorhanden, die Schirme selbst müssen jedoch noch gekauft werden.

Was wäre die ideale Zahl von F-35 für die Niederlande? Lt. Col Knight sagt: „Es gibt viele verschiedene Zahlen. Das niederländische Zentrum für Luft- und Raumfahrt (NLR) und TNO (Innovation for Life) kamen zu dem wissenschaftlichen Schluss, dass die ideale Zahl 114 Flugzeuge sei, was aber laut angesichts des Budgets jedoch nicht realistisch ist. Über die Jahre, in denen das F-35-Projekt läuft, gingen die Beschaffungszahlen schließlich auf 37 Exemplare zurück, aber jetzt haben wir 46 bestellt und hoffen, in den kommenden Jahren die Bedeutung dieses Multitools für unsere Verteidigung unter Beweis stellen zu können.“

Fortsetzung: Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews

 

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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