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Airbus tritt bei der Flugzeugproduktion auf die Bremse

Airbus passt seine Fertigungsraten den neuen Realitäten im globalen Luftverkehr an. Der Hersteller will künftig nur noch ein Drittel der Flugzeuge bauen, die er vor der Krise fertigen wollte. Glück im Unglück für  Airbus: Das Flugzeugportfolio ist jung und verlangt derzeit nicht dringend nach Investitionen für neuen Flugzeugmuster. 

9.04.2020

Airbus wird die monatliche A320-Produktionsrate auf 40 Flugzeuge pro Monat reduzieren. Im Bild die Endmontage in Tianjin in China. © Airbus

Es ist keine Vollbremsung, aber eine deutlich spürbare Verlangsamung der Geschwindigkeit: Angesichts der Coronakrise mit ihren dramatischen Nachfrageeinbrüchen im weltweiten Passagierluftverkehr passt der europäische Aerospace-Konzern Airbus seine Produktionsraten bei den Verkehrsflugzeugen an.

Eigentlich wollte der Hersteller bei seinen Standardrumpf-Brot- und Butter-Flugzeugen der A320-Familie in diesem Jahr auf eine Produktionsrate von 63 Flugzeugen pro Monat kommen. Doch das Coronavirus ist voll in diese Pläne reingegrätscht. Statt einer Erhöhung der Produktionsrate muss der Hersteller nun sehen, wie er die Fertigungsrate auf den neuen Zielkorridor von 40 Flugzeugen pro Monat drücken kann. Die Kunden stehen derzeit nicht gerade Schlange, um neue Flugzeuge abzunehmen, die sie dann in der nächsten Zukunft nicht nutzen können und irgendwo parken müssen.

Flugzeuge warten auf ihre Abnahme

Im ersten Quartal 2020 fanden 290 neue Bestellungen Eingang in das Auftragsbuch des Herstellers, aber die Coronakrise machte sich schon bemerkbar. Airbus produzierte in den ersten drei Monaten dieses Jahres  insgesamt 182 Flugzeuge, von denen er aber nur 122 ausliefern konnte. 60 Flugzeuge konnten wegen der Folgen der Coronakrise nicht an die Kunden übergeben werden.

Air France ist die Fluggesellschaft, die den 350. gebauten Airbus A350 XWB in Empfang genommen hat. © A. Doumenjou/Airbus

Auch der Airbus-Bestseller A350 XWB wird künftig in geringeren Stückzahlen gebaut als bislang geplant. Bislang lag die Fertigungsrate bei zehn Exemplaren pro Monat, künftig werden nur noch sechs A350 XWB pro Monat die Endmontagelinie in Toulouse verlassen. Die A330-Fertigung wird auf zwei Exemplare pro Monat reduziert, und die A380-Produktion läuft ja sowieso aus.

Airbus-Chef Guillaume Faury sagte: „Die Auswirkungen dieser Pandemie sind verheerend. Unsere vorrangigen Prioritäten bei Airbus sind aktuell, unsere Mitarbeiter zu schützen und unseren Beitrag zum Kampf gegen das Virus zu leisten. Wir stehen im regen Austausch mit unseren Kunden und unseren Partnern aus der Lieferkette, da wir alle gemeinsam durch diese noch nie dagewesenen Zeiten gehen. Die COVID-19-Krise trifft unsere Kunden-Airlines hart. Wir passen unsere Produktion aktiv an ihre neue Ausgangslage an und arbeiten an operativen und finanziellen Maßnahmen, um die Auswirkungen dieser neuen Realität so gering wie möglich zu halten.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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