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Beschäftigtenzahl in der Luft- und Raumfahrt auf Rekordniveau

Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie befindet sich auch weiterhin im Steigflug. Der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) gab am Freitag die Zahlen für das Jahr 2016 bekannt. Sowohl bei der Beschäftigtenzahl als auch beim Umsatz setzte das vergangene Jahr neue Rekordmarken.

2.05.2017

Die Beschäftigung in der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie hat 2016 einen neuen Höchststand erreicht. © Lindner/Airbus

„Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie hat sich im zurückliegenden Geschäftsjahr 2016 sehr gut entwickelt. Das Umsatzwachstum der Gesamtbranche betrug 8 Prozent, der Gesamtumsatz erreichte ein Allzeithoch von 37,5 Milliarden Euro“, gab der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e. V. (BDLI) am Freitag bekannt. Nicht nur der Umsatz, auch die Beschäftigtenzahl konnte 2016 erneut zulegen. Sie stieg von 106.800 im Jahr 2015 auf 108.000 und erreichte damit eine neue Rekordzahl. Nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg waren mehr Menschen in der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland beschäftigt. „Es war wieder ein sehr erfolgreiches Jahr, und ich glaube, man kann sagen, das war es nicht nur für die zivile, sondern auch für die militärische Seite und sowohl für die Luftfahrt als auch für die Raumfahrt“, sagte Dr. Klaus Richter, Präsident des BDLI. „Im globalen Vergleich der Luft- und Raumfahrt ist der Erfolg beachtlich. Jedes sechste Passagierflugzeug wird in Deutschland montiert und ausgeliefert.“

Zivilluftfahrt bleibt größtes Einzelsegment

Auch 2016 war die Zivilluftfahrt das größte und wichtigste Einzelsegment der Branche mit 74.500 Beschäftigten. Der Umsatz wuchs hier um 7 Prozent auf 27,1 Milliarden Euro. Am Gesamtumsatz der Luft- und Raumfahrtindustrie ist die zivile Luftfahrt mit 72 Prozent beteiligt. Die Auftragsbücher in diesem Segment sind prall gefüllt und sorgten 2016 für eine Anhebung der Produktionsraten. Richter sagte: „Die Auftragsreichweite entspricht, gemessen nach heutigen Produktionsraten, etwa zehn Jahren und sichert langfristig Arbeitsplätze. Davon profitieren auch unsere Triebwerkshersteller und mittelständisch geprägte Zulieferunternehmen. Diese Auftragsreichweite ist ein Alleinstellungsmerkmal unserer Branche.“

Jedes sechste neu ausgelieferte Verkehrsflugzeug wird in Deutschland endmontiert. © BDLI

Die zivile Zulieferindustrie kann von dem Produktionshochlauf bei den Flugzeugherstellern profitieren. Sie ist in fast allen im Jahr 2016 ausgelieferten Verkehrsflugzeugen mit Komponenten oder Systemen vertreten.

Trendwende bei der Militärluftfahrt

Bei der Militärluftfahrt sieht der BDLI-Präsident eine Trendwende eingeleitet, aber die Zukunftsaussichten sind eingetrübt. Mit 23.800 Beschäftigten und einem Anteil von 20 Prozent am Gesamtumsatz der Branche erholt sich der Sektor wieder, obwohl in naher Zukunft die Produktion des wichtigen Kampfflugzeug-Programms Eurofighter ausläuft, wenn keine neuen Aufträge akquiriert werden.

Ein Eurofighter der Luftwaffe bei der Übung Frisian Flag in den Niederlanden. © Ulrich Metternich/Luftwaffe

„Nur durch die konsequente Weiterentwicklung dieser Kompetenzen kann das notwendige Know-how und die Systemfähigkeit der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie langfristig sichergestellt werden. Nur so lassen sich nationale Souveränität und Handlungsfähigkeit gewährleisten“, warnte Richter.  „Die Entwicklung neuer Programme und die Festschreibung einer militärischen Technologie-Roadmap ist von unerlässlicher Bedeutung für den Fortbestand dieses Branchensegments in Deutschland. Wenn keine Neuprogramme kommen, ist die Fähigkeit zur Entwicklung und Herstellung in diesem Segment akut gefährdet!“

Raumfahrt ist Innovationstreiber

Die Raumfahrt ist mit einem Umsatzanteil von 8 Prozent das kleinste Branchensegment. 8.900 Menschen arbeiten in Deutschland in der Raumfahrtindustrie und haben 2016 einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Richter hob in der Jahresbilanz die europäische Trägerrakete Ariane 5 hervor, die im vergangenen Jahr mit sieben erfolgreichen Starts ihre Zuverlässigkeit unter Beweis stellte. Bislang hat die Ariane 5 damit 77 Starts in Folge erfolgreich absolviert. Ihr Marktanteil beträgt 50 Prozent im globalen kommerziellen Trägerraketengeschäft. Er hob auch die Neuentwicklung der Trägerrakete Ariane 6 hervor, deren Erststart für das Jahr 2020 geplant ist.

Kennzahlen der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie

BeschäftigteUmsatz
2016108.00037,5 Mrd. Euro
2015106.80034,7 Mrd. Euro
2014105.57032,1 Mrd. Euro
2013105.50030,6 Mrd. Euro
2012100.70028,4 Mrd. Euro

Über Volker K. Thomalla

zum Aerobuzz.de
Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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