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Radia will mit WindRunner das größte Flugzeug der Welt bauen

Das Energieunternehmen Radia arbeitet an einem besonderen Flugzeug: Der WindRunner soll das längste Flugzeug der Welt werden und vor allem für den Transport von Rotorblättern von künftigen Windenergieanlagen genutzt werden. Erste Modelle waren schon im Windkanal.

21.03.2024

Der Radia WindRunner soll das größte Flugzeug der Welt werden. © Radia

Radikale Ideen erfordern radikale Lösungsansätze. Das Energieunternehmen Radia aus Boulder im US-Bundesstaat Colorado sieht in riesigen Windparks in abgelegenen Gegenden eine Möglichkeit, den CO2-Ausstoß der Menschheit zu verringern und den künftigen Energiebedarf klimaneutral zu decken. Um die riesigen Blätter der Giga-Windenergieanlagen sicher und effizient zu befördern, plant das Unternehmen, einen Nachfolger der Antonow An-225 als größtes Flugzeug der Welt zu bauen. Die Rotorblätter der geplanten Giga-Windenergieanlagen können auf dem Landweg nicht gut über große Strecken transportiert werden.

Radia WindRunner

Radia wurde schon 2016 von Mark Lundstrom gegründet, einem Ingenieur und Absolvent des renommierten MIT (Massachusetts Institute of Technology) und hat bislang rund 100 Millionen Dollar (umgerechnet 93 Millionen Euro) Startkapital von institutionellen Anlegern und Energieunternehmen eingesammelt.

Das WindRunner genannte Flugzeug soll nicht nur durch seine Größe beeindrucken, sondern auch durch seine Flugleistungen. Als Maße des von vier Turbofans angetriebenen WindRunners nennt Radia eine Länge von 108,50 Metern. Das Frachtraumvolumen soll zwölf Mal so groß sein wie das einer Boeing 747, also 7.300 Kubikmeter. Eine 747-400F bietet ihren Nutzern ein Frachtvolumen auf dem Hauptdeck von 610 Kubikmetern.

Allerdings soll WindRunner nur über eine Nutzlastkapazität von 80 Tonnen verfügen. Eine Boeing 747-400F schafft dagegen bis zu 124 Tonnen. Die Kapazität soll aber ausreichen, um die langen und schlanken Rotorblätter der Giga-Windenergieanlagen zu transportieren. Zum Beladen des Giganten soll die Bugsektion vor dem Cockpit hochklappbar sein.

Ladelängen bis zu 104 Meter sollen möglich sein

In Bezug auf die Flugleistungen sind die Start- und Landestrecken des WindRunner für Radia von entscheidender Bedeutung. Sie müssen laut Pflichtenheft nämlich besondern kurz sein. Radia will den WindRunner auch auf unbefestigten Behelfspisten in unmittelbarer Nähe der Baustellen für Giga-Windparks landen und auch wieder starten lassen. Das Unternehmen strebt an, dass die Lande- und Startstrecken des WindRunner bei unter 6.000 Fuß (1.828 Meter) liegen!

Mark Lundstrom hat prominente Mitarbeiter und Berater um sich geschart, darunter Rachel Kelley als Vorstandsmitglied für die Flugzeugentwickelung und Chefingenieurin, die von Boeing kommt und dort an den 737 MAX, P-8A- und 777X-Programmen gearbeitet hat, Christine Bloch, die zuvor bei Embraer in führenden Positionen an der KC-390 und A-29 arbeitete, sowie Marion Blakey, die frühere FAA-Administratorin, den früheren US-Energieminister Ernest Moniz und Malcolm Turnbull, den früheren australischen Premierminister. Vom World Economic Forum (WEF) wurde das Projekt 2023 als „WEF Unicorn“ ausgzeichnet.

Radia will eine ganze Flotte von WindRunner bauen und ist dazu nach eigenen Angaben Partnerschaften mit führenden Luft- und Raumfahrtfirmen eingegangen. Ohne Namen zu nennen, führt Radia einen Hersteller für Triebwerke und einen Hersteller von Flugzeugen auf. Die Produktion und die Endmontage der Flugzeuge soll auf jeden Fall in den USA angesiedelt sein. Man habe schon über die Hälfte der Zeit genutzt, die notwendig sei, um ein solches Flugzeug zu entwickeln, zu fertigen und zu zertifizieren.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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