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Erstflug des Seaglider-Technologie-Demonstrators

Ein Bodeneffektgerät als Transportmittel für Passagiere und Waren in küstennahen Regionen ist eine attraktive Vorstellung. Das Unternehmen REGENT sieht einen großen Markt für diese Art Fluggeräte und entwickelt seinen zwölfsitzigen Seaglider. Das Projekt stößt auf großes Interesse bei potenziellen Betreibern, verfolgt aber einen ambitionierten Projektfahrplan. Nun ist der Technologie-Demonstrator zum ersten Mal geflogen.

23.09.2022

Nachdem der Seaglider auf den Hydrofoils beschleunigt hat, werden diese eingezogen und das Fluggerät fliegt im Bodeneffekt. © REGENT

Das US-amerikanische Start-up-Unternehmen REGENT hat den Erstflug eines Technologie-Demonstrators seines elektrisch angetriebenen Bodeneffektgeräts Seaglider gefeiert. Der Technologie-Demonstrator hat eine Spannweite von 5,48 Metern, was einem Maßstab von 1:4 im Vergleich zum angestrebten Serienfluggerät Seaglider entspricht. Der Firmenname REGENT ist ein Akronym, das ausgeschrieben für „Regional Electric Ground Effect Nautical Transport“ steht, auf deutsch: Regionales, elektrisches, maritimes Bodeneffektgerät.

Der Technologie-Demonstrator des Seaglider ist ein Modell im Maßstab 1:4. © REGENT

Die Ingenieure ließen das Seaglider-Modell mehrfach fliegen. Die Erprobung fand in der Narragansett Bucht im US-Bundesstaat Rhode Island südlich der Hauptstadt Providence statt. Mike Klinker, der Chief Technology Officer und Mitbegründer von REGENT, sagte nach den erfolgreichen Versuchen: „Seit 60 Jahren versucht man, Luftfahrzeuge mit Flügeln und Bodeneffekt zu bauenn, und in 15 Monaten haben wir es von einer Zeichnung auf einer Serviette zum ersten erfolgreichen Flug gebracht. REGENT ist das erste Team in der Geschichte, das das Manko der geringen Wellentoleranz früherer Konstruktionen überwunden hat, indem es Hochgeschwindigkeits-Tragflächen mit dem Bodeneffektflug kombiniert hat – eine entscheidende Innovation, die den küstennahen Transport revolutionieren wird. Kein Fluggerät in der Geschichte kann es mit der kombinierten Wellentoleranz und Geschwindigkeit unseres Seaglider aufnehmen.“

Die Hydrofoils sind einziehbar

Der Seaglider kann sich nach Berechnungen der Konstrukteure auf drei Arten fortbewegen: Einmal wie ein traditionelles Boot. Diese Fortbewegungsart wird benötigt, um in einem Hafen zu manövrieren. In der Beschleunigungsphase nutzt der Seaglider die Hydrofoils, also Tragflächen unter Wasser, die weniger Widerstand aufweisen als der Bootsrumpf und als dritte Fortbewegungsart soll der Seaglider auf der offenen See den Flug im Bodeneffekt nutzen. Die Hydrofoils sind einziehbar ausgelegt, um beim Flug möglichst wenig Luftwiderstand zu erzeugen.

Das Konzept hat Interesse bei verschiedenen potenziellen Betreibern gefunden, unter anderem bei der Fährgesellschaft Brittany Ferries, die Fährdienste zwischen Großbritannien und Frankreich anbietet, bei Split Express in Kroatien, Hawaiian Airlines sowie bei den Regionalfluggesellschaften Southern Airways Express und Mesa Airlines, um nur einige zu nennen. Im Februar hat REGENT 18 Millionen US-Dollar in einer Finanzierungsrunde eingesammelt, um damit den echten Prototyp des Seaglider zu bauen. Das Fluggerät soll Sitze für zwölf Passagiere erhalten.

Mike Klinker (re.) und Billy Thalheimer (li.) sind beide Absolventen des renommierten MIT. Sie haben gemeinsam REGENT gegründet. © REGENT

Billy Thalheimer, der Hauptgeschäftsführer und Mitbegründer von REGENT, sieht einen großen Markt für den Seaglider, da rund 40 Prozent der Weltbevölkerung in küstennahen Städten wohnen. Thalheimer ist auch optimistisch, was den Zeitplan des Projekts angeht: Er strebt an, dass die ersten Seaglider schon ab 2025 ihren Flugbetrieb aufnehmen werden.

Volker K. Thomalla

 

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