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Brussels Airlines zeigt, wie man ein Flugzeug einmottet

Das Abstellen eines Flugzeuges für mehrere Wochen oder Monate ist kein banales Unterfangen. Damit die Airliner nach dem Ende der Coronakrise unbeschadet wieder abheben können, sind umfangreiche Maßnahmen beim Einmotten zu berücksichtigen, beschreibt Brussels Airlines.

11.04.2020

Gerade jetzt im Frühling würden Vögel Nester in den Triebwerken der abgestellten Jets bauen, wenn diese nicht verschlossen werden. © Brussels Airlines

Verkehrsflugzeuge sind komplexe Maschinen, die am besten funktionieren, wenn sie im Betrieb sind. Aufgrund der grassierenden Coronavirus-Pandemie ist das jedoch bei rund 90 Prozent der weltweiten Airliner-Flotte nicht möglich, denn die Flugzeuge sind an den Boden gekettet. Doch anders als bei einem Auto, das man einfach parkt, abschließt und dann mehrere Wochen nicht bewegt, sind bei einem Flugzeug  – abhängig von der erwarteten Parkdauer – verschiedene Maßnahmen notwendig, um eine sichere und schnelle Rückkehr in den Flugbetrieb zu gewährleisten.

Vorbereitungen zum Einmotten

Wird ein Flugzeug nur für mehrere Tage aus dem Flugbetrieb genommen, reicht es, die vorgeschriebenen Schutzabdeckungen über die Öffnungen der Triebwerke, Pitot-Rohre, Druckabnahmepunkte, etc. zu stülpen. Das Flugzeug kann dann nach einem umfassenden Außencheck wieder fliegen.

Anders sieht es jedoch aus, wenn eine längere Standzeit das Flugzeug an den Boden zwingt, so wie in der jetzigen Krise. Dann erfordert das Abstellen nicht nur einen einmaligen Aufwand – der bei einem Großraumflugzeug wie beispielsweise einem Airbus A330 bis zu 400 Arbeitsstunden ausmacht –, sondern auch eine regelmäßige Funktionsüberprüfung verschiedener Komponenten.

Zur Flotte von Brussels Airlines gehören 56 Flugzeuge, die derzeit alle geparkt sind. © Brussels Airlines

Die Flugzeughersteller haben für das Einmotten der Flugzeuge eindeutige Handlungsempfehlungen erstellt. Dazu gehört, dass beispielsweise alle Fensterblenden in der Kabine heruntergezogen werden. Das verhindert einerseits ein Ausbleichen des Interieurs durch Sonneneinstrahlung, aber auch ein Aufheizen der Kabine, welches auf Dauer Plastikkomponenten spröde machen könnte. Die Sitze und Teppiche in der Kabine werden mit Plastikfolie abgedeckt, um zu verhindern, dass sich dort Staub ablagert, der später von den textilen Materialien schwer zu entfernen wäre.

Korrosion und Kondenswasser

Die Cockpitfenster werden von außen mit lichtundurchlässiger Folie abgeklebt, damit keine Sonne in das Cockpit eindringen kann. Denn durch häufige, unkontrollierte Temperaturwechsel könnte sich Kondenswasser bilden, was die Avionik beeinträchtigen könnte.

Um ein Flugzeug für eine mehrwöchige Parkdauer vorzubereiten, sind Kilometer von verschiedenen Klebebändern erforderlich. Mit Silver Tape dichten die Techniker alle Öffnungen und Spalten am Rumpf ab, damit dort keine Insekten sich häuslich niederlassen. Die Triebwerke werden von vorne und von hinten dicht verschlossen. Insekten siedeln sich gerne dort an und bauen ihre Nester, aber auch Vögel finden diese geschützten Plätze attraktiv. Für die Flugsicherheit wäre dies aber nachteilig.

Die Fahrwerke werden auch eingepackt, um sie zu vor Korrosion zu schützen, aber die Räder müssen täglich ein wenig gedreht werden, damit sie keine Beulen durch eine zu lange einseitige Belastung entwickeln. Bei Brussels Airlines sind derzeit 30 Techniker in Vollzeit mit diesen Arbeiten beschäftigt, damit die Fluggesellschaft nach der Krise schnellstmöglich ihren Flugbetrieb wieder aufnehmen kann.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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