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Lufthansa stellt mehr Flugzeuge außer Dienst als erwartet

Eine bestenfalls stagnierende Entwicklung der Passagierzahlen im bevorstehenden Herbst und Winter sowie die Unsicherheit darüber, wann die Reiselust der potenziellen Passagiere nach der Coronakrise wieder zurückkehrt, führen dazu, dass die Lufthansa in ihren Restrukturierungsprogramm ReNew eine weitere Sparrunde fahren wird. A380 und A340-600 werden aus der Flotte entfernt, weiteres Personal muss abgebaut werden.

22.09.2020

Es ist unwahrscheinlich, dass die Lufthansa ihre Airbus A380-Flotte noch jemals wieder in Betrieb nehmen wird. © Lufthansa

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Airbus-Riesen A380 und A340-600 jemals wieder in Lufthansa-Farben mit zahlenden Passgieren fliegen, ist seit gestern extrem gesunken. Am 21. September hat der Lufthansa-Vorstand weitere Sparmaßnahmen im Rahmen des Restrukturierungsprogramms ReNew beschlossen, nachdem sich die Aussichten für die Verkehrsentwicklung in den Monaten deutlich verschlechtert haben.

Derzeit gehen die Buchungszahlen sogar wieder zurück, nachdem sie im Juli und August leichte Anzeichen eines Wachstums gezeigt hatten. Wie Aerobuzz.de berichtet hatte, nahm die europäische Flugsicherungsorganisation gerade erst ihre Prognosen zur Entwicklung des Passagierverkehrs zurück. Die Organisation sieht nun in den nächsten sechs Monaten keine grundlegend positive Veränderung der Lage. Für den Januar erwartet sie nun sogar einen erneuten Rückgang von minus 60 Prozent im Vergleich zum Januar 2020. Nach der vorherigen Prognose hätte das Verkehrsaufkommen im Januar 2021 bereits wieder bei minus 20 liegen sollen.

Eurocontrol hat seine Prognose der Verkehrsentwicklung in Europa nach unten korrigiert. Die gestrichelte blaue Linie zeigt die vorherige Prognose, die rote Linie die korrigierte Vorhersage. © Eurocontrol

Die neuerlichen Reisewarnungen aufgrund steigenden Corona-Fallzahlen in den verschiedenen Ländern sowie der nach wie vor nur in homöopathischen Dosen durchgeführte Langstreckenverkehr setzen den Airlines weltweit zu. Die Lufthansa verbrennt nach eigenen Angaben derzeit rund 500 Millionen Euro pro Monat. Sie strebt mit den weiteren Sparmaßnahmen an, den Abfluss der liquiden Mittel auf 400 Millionen pro Monat zu senken.

Markterholung in weiter Ferne

Das geht aber nur durch eine Reduzierung von Material und damit verbunden, auch von Personal. Zusätzlich zu den bereits im März eingemotteten Airbus A380, die im nächsten Jahr vertragsgemäß an Airbus zurückgegeben werden, sollen die weiteren A380 der Kranich-Airline nun ausgeplant werden. Sie enden auf einem Wüstenparkplatz im so genannten „Long-term storage“, einer Art Dornröschenschlaf. Ihnen zur Seite stellt die Lufthansa auch alle bisher noch nicht eingemotteten Langstreckenflugzeuge A340-600, von denen sieben auf jeden Fall außer Dienst gestellt werden. „Diese Flugzeuge würden nur im Falle einer unerwartet schnellen Markterholung wieder reaktiviert werden können“, teilt das Unternehmen mit Bezug auf die A380 und A340-600 mit. Aber eine unerwartet schnelle Markterholung glaubt derzeit niemand.

Konsequenterweise wird wegen dieser Ausmusterungen auch eine Wertberichtigung ausgewiesen, die bis zu 1,1 Milliarden Euro betragen kann und die noch im dritten Quartal 2020 eingebucht werden soll. Schlimmer kann das Jahr kaum werden, und je eher die Wertberichtigung eingebucht ist, umso besser ist es für die Bilanz des nächsten Jahres. Bis Mitte dieses Jahrzehnts will die Lufthansa konzernweit 150 Flugzeuge weniger betreiben als vor Covid-19.

Mit diesem Kahlschlag bei der Langstreckenflotte kommt das Unternehmen nicht um eine weitere Reduzierung der Personalstärke herum. „Die Kompensation und der Abbau personeller Überkapazitäten wird mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen besprochen“, heißt es von der Lufthansa. Da stehen beiden Seiten noch knallharte Verhandlungen bevor.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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