Die französischen Heeresflieger (Aviation légère de l’armée de Terre – ALAT) sind Erstkunde des neuen, als NH90 Caïman FS (Forces Spéciales) bezeichneten Hubschraubers. Insgesamt 18 Hubschrauber in der FS/Standard 2-Version wird die ALAT bis zur Jahresmitte 2029 erhalten. Die Entwicklung des NH90 FS/Standard 2 für die französischen Heeresflieger ist ein entscheidender Schritt, da mit diesem Muster eine Lücke in dieser Klasse für Spezialkräftehubschrauber geschlossen wird.
Die Anpassungen und Änderungen der Kabine des NH90 FS/Standard 2 erfolgten in Zusammenarbeit mit den Spezialkräften des französischen Heeres. Der zukünftige Spezialkräftehubschrauber weist gegenüber dem bislang genutzten, ebenfalls bei der ALAT im Einsatz befindlichen NH90-TTH Caïman zahlreiche Modifikationen auf. „Wir fühlen uns geehrt, den NH90 Standard 2 an die französischen Streitkräfte zu übergeben“, sagte Matthieu Louvot, der Hauptgeschäftsführer (CEO) von Airbus Helicopters. „Dieser neue Standard baut auf den bewährten Fähigkeiten der NH90 TTH auf und bietet neue bahnbrechende Funktionen, die speziell für Spezialeinheiten entwickelt wurden. Mehr denn je werden Spezialkräfte in der Lage sein, ihre schwierigen Einsätze in den härtesten Umgebungen durchzuführen.“
Zukünftiger Betreiber des NH90 Caïman FS wird das 4e Régiment d’Hélicoptères des Forces Spéciales (4e RHFS) in Pau. Der 1997 aufgestellte Verband ist die Spezialkräfteeinheit der ALAT und dem Spezialkräftekommando des französischen Heeres unterstellt. Die 18 bestellten NH90 FS werden die bislang im 4e RHFS eingesetzten mittleren Transporthubschrauber Aérospatiale AS330 Puma und Eurocopter AS532 Cougar ersetzen.
Spanien steigt in das Programm ein
Das NH90 Standard 2-Programm wurde 2020 von der NATO Helicopter Management Agency (NAHEMA) durch Beauftragung an NHIndustries (NHI) und deren Partnerunternehmen (Airbus Helicopters, Leonardo und Fokker) gestartet. Im Dezember 2025 schloss sich Spanien dem Programm an und bestellte 31 NH90-TTH, die auf die speziellen Anforderungen des spanischen Beschaffungsamtes DGAM hinsichtlich Spezialkräfteeinsatz zugeschnitten sind. Die Auslieferung dieser Hubschrauber, ähnlich den französischen NH90 FS / Standard 2, soll ab 2031 beginnen. „Wir freuen uns sehr, dass Spanien auch an der Entwicklung beteiligt ist. Es zeigt, dass dieser neue Standard des NH90 auf dem Weg ist, zum Maßstab für Spezialeinheiten weltweit zu werden“, meint Matthieu Louvot.
Laut Airbus Helicopters handelt es sich bei der Standard-2-Version um eine Weiterentwicklung des NH90 zur Implementierung neuer operativer Fähigkeiten und Erhöhung der Flugsicherheit unter schwierigen Bedingungen. Die Standard-2-Konfiguration beinhaltet die Integration des elektrooptischen Systems (EOS)Safran Euroflir 410 D, ein Beobachtungssystem neuester Generation von Safran Electronics & Defense. Das kompakte und modulare elektrooptische System soll unter allen Sichtbedingungen eine unübertroffene Beobachtungsfähigkeit bieten, was zum großen Teil auf sein Multispektralteleskop mit sehr großer Reichweite und seine leistungsstarke Sichtlinienstabilisierung zurückzuführen ist. Es ermöglicht die Erkennung und Identifizierung von Bedrohungen aus mehreren Kilometern Entfernung unter allen Wetterbedingungen bei Tag und Nacht. Über mehrere Arbeitsplätze und Tablets in der Kabine können die jeweiligen Daten abgerufen werden.
Standard 2 setzt neue Maßstäbe
So können auch die Spezialkräfte an Bord das System für eine fortlaufende Missionsplanung und ständige Aktualisierung der Lagedaten während des Fluges bis unmittelbar vor Einsatz nutzen. Zu den weiteren Neuerungen zählen ein digitaler Kartengenerator mit 3D Digital Map neuester Generation, Integration eines dritten Besatzungsmitglieds sowie vergrößerte seitliche Schiebefenster am Ende der Kabine, die auch im Flug zu öffnen sind und den Einsatz eines Bordschützen mit der M134 Minigun ermöglichen. Zunächst wird aber wohl die bisherige Position des Doorgunners mit dem schweren Maschinengewehr FN M3M in der Seitentür beibehalten.
Im Rahmen eines späteren Upgrades erfolgt die Integration des noch in der Entwicklung befindlichen Distributed Aperture System (DAS), das den Piloten bei Tag und bei Nacht zusätzliche visuelle Unterstützung unter schlechten Sichtbedingungen (Schnee, Staub, Nebel) bietet sowie des vollständig digitalisierte Helmsystem TopOwl von Thales, welches gleichzeitig DAS- und EOS-Bilder auf dem Visier anzeigt.
Carsten Vennemann
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