Homepage » Aero-Kultur » Baltische Jaks im Donauried

Wer ein Trio Kunstflieger des Flugzeugherstellers Jakowlew in Aktion erleben wollte, musste ins Donauried nach Bayern reisen. Dort präsentierten sich beim Jubiläumsfest 70 Jahre Flugplatz Günzburg am ersten Juliwochenende 2026 drei verschiedene Varianten.

5.08.2026

Diese Jak-52 des Dutch Thunder Yaks Teams trägt die auffälligste Lackierung. © Ralf Kurz

Der Doppelsitzer Jakowlew 52 besitzt ein Dreibeinfahrwerk mit einem einziehbaren Bugrad. Die als LY-JAK in Litauen registrierte Einmot wurde 1983 gebaut und kam aus Rotenburg an der Wümme. Dieser Flugplatz gilt als Hochburg dieses Musters mit seinem Yak-Team Wümme. Die Serienfertigung der Jak-52 von rund 1.800 Einheiten fand als Lizenzproduktion von 1979 bis 1991 im rumänischen Bacau statt.

Diese Jak-52 war auch beim Jubiläumsfest 70 Jahre Flugplatz Günzburg eingeflogen. © Ralf Kurz

Die Jak-52TW mit dem Kennzeichen LY-BSF bietet ein völlig anderes Erscheinungsbild. Der Zusatz „Tail Wheel“ weist auf die erfolgte Umrüstung vom Bugrad- auf ein Spornrad-Fahrwerek hin. Zudem wurde der Neunzylinder Sternmotor Wedenejew M-14P mit 360 PS durch ein 400 PS starkes M-14PF Triebwerk ersetzt, das nun einen Dreiblatt-Propeller antreibt. Weil auch das Tankvolumen von 122 Liter auf 280 Liter erhöht wurde, verdoppelt sich die Reichweite auf rund 650 nautischen Meilen (12.00 Kilometer). Während man im Reiseflug lediglich 60 Liter Avgas pro Stunde verbraucht, steigert sich der Wert während des Kunstflugs auf 90 Liter. Von der Jak-52TW entstanden zwischen 30 und 60 Exemplare von 2001 bis 2005 bei Aerostar in Rumänien. Die LY-BSF wurde 1983 als klassische Jak-52 gebaut und 2004 zur Version Tail Wheel umgerüstet.

Diese Jak-52TW ist ein sehr seltenes Exemplar, denn von dieser Serie wurden nur wenige Exemplare gebaut. © Ralf Kurz

Die Jakowlew 54 ist als zweisitziger Trainer der kunstflugtauglichen Jakowlew 55 konzipiert. Da ab 1993 nur 15 Exemplare gefertigt wurden, ist die daraus modifizierte Variante Jak-54B eine absolute Rarität. Neben einer Tragflächenverstärkung erhielt sie das stärkere Triebwerk M-14PF mit 400 PS. Nach Günzburg kam das Unikat mit der Zulassung LY-DOC. Jetziger Besitzer ist ein Fliegerarzt, weshalb er sinnigerweise den Anfang der Registration zum passenden Spruch FLYDOC ergänzte.

In Litauen sind viele Jaks registriert

Aber warum sind die meisten der in Europa fliegenden Jakowlews in Litauen zugelassen? Dafür gibt es eine plausible Erklärung. Weil das Muster keine zivile Typenzulassung durch die europäische Luftfahrtbehörde EASA hat, gelten für sie nationale Ausnahmeregelungen. Am einfachsten erhält man diese Genehmigungen ohne bürokratischen Aufwand in Litauen. Die dort ansässige Firma Termikas aus Pociunai hat sich auf die Zertifizierung und den Unterhalt von ehemaligen Ostblockmaschinen spezialisiert. Deren Experten reisen regelmäßig nach Deutschland, um vor Ort erforderliche Inspektionen und Wartungsintervalle durchzuführen.

Diese Jak-54B gibt einen eindeutigen Hinweis auf den Beruf des Piloten. © Ralf Kurz

Um das vom Luftsportverein Günzburg organisierte Flugplatzfest 2026 nicht gänzlich dem Jakowlew Trio zu überlassen, erschien als besonderes Highlight ein amerikanischer Warbird. Zur Freude der Besucher war es eine Rarität in Gestalt der AT-6 Harvard Mk II Super Six. Die Maschine mit dem Kennzeichen D-FHGV gehört dem Piloten Guido Voss und ist am Flugplatz Degerloch stationiert. Das Exemplar ist eine stark modifizierte Variante der üblichen Standardversion North American T-6 Texan. Dessen 600 PS starker Pratt & Whitney R-1340-AN1-Sternmotor wurde durch einen P&W 1340-61Wasp-Motor mit 800 PS und Dreiblatt Propeller ersetzt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 324 Knoten, und der Normalverbrauch von 120 Liter Avgas pro Stunde erhöht sich im Flugdisplay auf 200 Liter. Heute fliegen weltweit nur noch ganz wenige Super Six, während klassische Texan und Harvard noch zu Hunderten unterwegs sind. Fast 16.000 Exemplare wurden insgesamt von 1939 bis 1950 produziert. Obwohl die 1941 gebaute D-FHGV bis 1960 bei der Royal Canadian Air Force im Einsatz stand, trägt sie jetzt die dunkelblauen Farben der U.S. Navy.

Die Jak-52 wurden in Rumänien gebaut

Der sowjetische Flugzeughersteller Jakowlew wurde 1934 vom gleichnamigen Konstrukteur Alexander Jakowlew gegründet. Ab 1940 entstand die Jägerfamilie Jak-1, Jak-3 sowie Jak-9. Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte man den Düsenjet Jak-15, den Hubschrauber Jak-24 und den Senkrechtstarter Jak-38. Der Einstieg in den Zivilsektor erfolgte mit dreistrahligen Passagierflugzeugen der Typenreihe Jak-40 und Jak-42. Während letztere für Mittelstrecken konzipiert wurden, fungierte erstere als kleiner Regionaljet. Nach dem Ende der Sowjetunion 1991 kam es zum Zusammenbruch der nationalen Luftfahrtindustrie. Eine Kooperation mit dem italienischen Hersteller Aermacchi verschaffte Jakowlew etwas Luft. Später erfolgte eine Fusion mit dem sibirischen Unternehmen Irkut. Schließlich kam es 2006 auf Anordnung der russischen Regierung zur Verschmelzung aller übrig gebliebenen Flugzeughersteller, wie Iljuschin, MiG und Suchoi, zum Staatskonzern United Aircraft Corporation, abgekürzt OAK.

Diese ungarische Jak-52 fotografierte Ralf Kurz 2024 in Schärding. © Ralf Kurz

Für die Fans der Kunstfliegerfamilie von Jakowlew gibt es jedes Jahr einen wichtigen Termin. Das niederländische Flugteam Dutch Thunder Yaks betreibt eine Showstaffel bestehend aus fünf Jakowlew 52. Nur die Teilnahme bei der Flugplatzkerb Gelnhausen ist dabei fest geplant. Weitere Vorführungen bei anderen Veranstaltungen werden immer erst kurzfristig entschieden. Das aviatische Event in Gelnhausen ist eines der größten Fliegertreffen historischer Oldtimer und legendärer Warbirds in Deutschland. Zur diesjährigen 52. Ausgabe am zweiten Juliwochenende 2026 strömten rund 10.000 Besucher. Das Team der Dutch Thunder Yaks war nach 2021 und 2024  schon zum dritten Mal mit vier Jak-52 in Gelnhausen vertreten. Leider konnte im Flying Display keine Fünferformation gezeigt werden, weil diese abseits des Heimatstützpunktes eine komplexe Vorbereitung erfordert. Trotzdem erwies sich das Quartett nicht nur am Himmel, sondern auch am Boden für viele Zuschauer als richtige Attraktion. Besonders wegen der unterschiedlich bunten Lackierungen. Alle Jakowlew 52 dieses Teams sind mit einer Ausnahme am niederländischen Flugplatz Lelystad beheimatet.

Lediglich die 1989 gebaute PH-KWI ist im benachbarten Teuge stationiert. Weitgehend im Originalzustand erhalten verfügt sie über einen 360 PS starken Wedenejew M-14P Motor, welcher einen Zweiblattpropeller antreibt. Wegen seiner ungewöhnlich breiten Blätter erhielt dieser den Spitznamen „Das Paddel“. In sowjetischer Tarnbemalung, trägt die Maschine das taktische Kennzeichen 71. Den gleichen Motor und Propeller besitzt die 1988 gebaute PH-DTM. Ebenfalls im militärischen Tarnanstrich und der Kennung 101 glänzt auf dem Leitwerk das Emblem der Dutch Warbird Foundation.

Die Jak-52 mit dem Kennzeichen PH-DTM wurde 1988 gebaut. © Ralf Kurz

Stärker motorisiert ist die 1991 gebaute PH-DTW mit einem auf 400 PS leistungsgesteigerten M-14PF Triebwerk und einem Dreiblattpropeller. Das Flugzeug trägt noch die rot-weiße Originallackierung von DOSAAF. Dabei handelt es sich eine paramilitärische Organisation der ehemaligen Sowjetunion, um junge Flugbegeisterte auf eine Pilotenlaufbahn vorzubereiten.

Diese Jak-52 trägt noch die Originallackierung aus Sowjet-Zeiten. © Ralf Kurz

Das auffälligste Erscheinungsbild in knallig rotg-elben Farben besitzt ohne Zweifel die 1986 gebaute PH-DTY. Sie war die erste Jakowlew 52 des Kunstflugteams. Trotz eines 400 PS starken M-14PF Motors fliegt sie mit Zweiblattpropeller.

Zum Quartett der niederländischen Kunstflieger gesellten sich die drei in Gelnhausen fest stationierten Maschinen. Es waren dies die erwähnte Jak-52TW mit dem Kennzeichen LY-BSF, und die als LY-DOC registrierte Jak-54B. Beide gastierten eine Woche vorher in Günzburg. Neu in Erscheinung trat eine weitere, extrem seltene Jak-54B mit der Zulassung LY-HOP. Mit insgesamt sieben flugfähigen Modellen dieses Kunstflugklassikers in Gelnhausen dürfte es keine Übertreibung sein, die  Flugplatzkerb 2026  als wahres Mekka für alle Jakowlew Liebhaber zu bezeichnen.

Ralf Kurz

 

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Über Ralf Kurz

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Mein Name ist Ralf Kurz und ich wurde 1958 in München geboren. Seit der Kindheit fasziniert mich die Fliegerei. Meinen Traumjob, Pilot zu werden, konnte ich nicht realisieren. Nebenberuflich arbeite ich als freier Luftfahrtjournalist. In den letzten drei Jahrzehnten wurden über 90 Artikel und Reisereportagen in deutsch- und englischsprachigen Fachmagazinen von mir publiziert. Schwerpunkt sind dabei kleinere Airlines in exotischen Ländern, welche bei uns unbekannt sind. Zudem bin ich Mitglied der deutschen Sektion von MAF, einem christlichen Flugdienst, der rund 120 Kleinflugzeuge in 27 Staaten betreibt. Zwecks Erstellung von Fotoreportagen über unsere MAF-Projekte führten mich Reisen nach Amazonien, Angola, Bangladesch, Lesotho, Madagaskar, Mosambik, Mongolei, Neuguinea, Osttimor, Suriname und Uganda. Alles geschah auf eigene Kosten in meiner Freizeit, verwendet wird ausschließlich selbst erstelltes Fotomaterial.

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