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Tempelhof wird 2023 sein 100-jähriges Bestehen feiern

Tempelhof! An diesem Namen kommt niemand vorbei, der sich mit dem Beginn der Verkehrsluftfahrt, insbesondere in Europa, beschäftigt. In diesem Jahr wird der Flugplatz im Herzen Berlins 100 Jahre alt.

6.06.2022

Die Junkers Ju 52 D-AQUI gehörte zu den letzten Flugzeugen, die vom Flughafen Tempelhof vor seiner Schließung am 31. Oktober 2008 starteten. © Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung

Die ersten Motorflüge auf dem Tempelhofer Feld erfolgten schon im Jahre 1909 durch Armand Zipfel, gefolgt von Vorführungen durch Orville Wright im selben Jahr. Sie legten den Grundstein für die fliegerische Nutzung des Geländes. Am 21. Februar 1923 wurde der Beschluss zum Bau des Flughafens Tempelhof gefasst. Anschließende Erprobungsflüge durch die Junkers Fluggesellschaft mit Junkers F13 bestätigten die Eignung des Geländes für diesen Zweck.

Schon am 8. Oktober 1923 begann der offizielle Flugbetrieb. Ein rapider Ausbau innerhalb von 18 Jahren führte zu dem noch heute existenten Erscheinungsbild. Für die Lufthansa war der Flughafen Tempelhof der Schlüssel zum Aufbau ihres Verkehrsnetzes. So war in den 30er Jahren das Verkehrsaufkommen in Berlin-Tempelhof größer als zum Beispiel in Amsterdam, London und Paris.

Der Flugplan der Deutschen Luft Hansa für den Sommer 1930 unterstreicht die Bedeutung des Flughafens Tempelhof für die Entwicklung des europäischen Luftverkehrs. © Archiv für Luftverkehrsgeschichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Flugplatz unter amerikanische Hoheit gestellt und betrieben. In diesen Zeitraum fiel auch die legendäre Berliner Luftbrücke, mit der die Alliierten im Konflikt mit der Sowjetunion die Versorgung der Berliner Bevölkerung mit allen erforderlichen Materialien von Lebensmitteln bis hin zur Kohle sicher stellten. Die Luftbrücke war eine organisatorische Meisterleistung, und Berlin-Tempelhof spielte dabei eine zentrale Rolle.

Ab 1950 wieder ziviler Luftverkehr in THF

Ab 1. Juli 1950 fand auch wieder ziviler Luftverkehr statt. So war Tempelhof (THF) ein Brückenpfeiler der Verbindung des Westens nach Berlin auf dem Luftweg. Die Öffnung der Grenzen nach Osten im Jahr 1989 bewirkte, dass endlich auch die Lufthansa Ju 52 mit dem historischen Kennzeichen D-AQUI am 20. Juni 1991 mit emotional bewegten Gästen und Besatzungen in Tempelhof landen konnte.

Bei den letzten Flügen der Ju 52 von Tempelhof gab es Sonderpostkarten mit Sonderstempel, die an das historische Ereignis erinnern. © Archiv Frieben

Die D-AQUI war es auch, die gemeinsam mit dem letzten Rosinenbomber, einer Douglas DC-3, in einem ebenso bewegenden Parallelstart wenige Minuten vor Mitternacht des 30.10.2008 als letzte Flugzeuge THF verließen, ehe der Flugplatz um 00.00 Uhr am 31. Oktober 2008 für immer geschlossen wurde. Da die Ju 52 D-AQUI der Lufthansa ursprünglich vom Flughafen Tempelhof das Streckennetz der Lufthansa bediente und den Taufnahmen „Tempelhof“ trägt, darf mit Spannung erwartet werden, ob und wann dieses Flugzeug wieder nach Tempelhof kommt.

Derzeit ist die D-AQUI auf dem Flughafen Paderborn-Lippstadt in der Werkstatt der Quax-Flieger demontiert untergestellt. Laut Aussagen der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung sei dies aber nur eine Interimslösung, bis die Ju 52 einen würdigen Aufstellort (Zitat Vorstand Lufthansa) findet. Laut Beschluss der Lufthansa wird die D-AQUI aber nicht mehr fliegen.

Kommt die D-AQUI wieder nach Berlin?

Die Lufthansa ließ schon vor vielen Jahren äußern, dass sie ihre Ju 52 D-AQUI, in einem Museum in Berlin, wenn möglich auf dem Tempelhofer Flugfeld, einen würdigen Alterssitz verschaffen wolle. Die Tante Ju, wie sie auch liebevoll genannt wird, beförderte nach ihrer Restaurierung in den Jahren 1984 bis 1986 in Hamburg 32 Jahre lang unter dem Dach der Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung (DLBS) unfallfrei über 250.000 Fluggäste auf Rund- und Streckenflügen.

Somit wäre das 100-jährige Bestehen des Flugfeldes Tempelhof im Oktober 2023 ein gebührender Anlass für eine gemeinsame Vorstellung der bereits vorhandenen Fw 200 Condor, einer Iljuschin IL-18, eines C-54 Rosinenbombers und hoffentlich der Ju 52 D-AQUI. Feierlichkeiten dazu werden seitens des Deutschen Technik Museums Berlin ins Auge gefasst.

Die restaurierte Focke Wulf Fw 200 Condor wurde im Juni 2021 von Bremen nach Berlin-Tempelhof in einem spektakulären Transport überführt. © Jan Frieben

Aufgrund der Bedeutung Tempelhofs als eines der ersten „Lufttore“ zur Welt und der „Luft Hansa“ (später: Lufthansa) als weltweit agierendem Carrier darf man auf Würdigung und Beteiligung der Stadt Berlin und der Lufthansa hoffen! Eine Blamage wie anlässlich des Luftbrückenjubiläums 2019 darf auch in Krisenzeiten nicht mehr vorkommen. Damals waren 20 Rosinenbomber mit rund 150 Crewmitgliedern aus aller Welt nach Deutschland angereist, die das ursprüngliche Vorhaben, die Berliner Innenstadt zu überfliegen und eventuell wieder Süßigkeiten abzuwerfen, kurzfristig streichen mussten. Es wurden seitens der Behörden trotz langer Vorlaufzeit die erforderlichen Genehmigungen nicht ausgestellt.

Das Jubiläum darf nicht vergessen werden!

Die Alt-Berliner wissen um die Bedeutung von Tempgelhof und der Luftfahrt in ihrer Stadt. Dieses Wissen und seine Bedeutung gilt es aufrecht zu erhalten. Die Nutzungen des Flugfeldes als Freizeitgelände gepaart mit der Nutzung der Hangars und Terminals für Ausstellungs- und Eventzwecke sind nicht widersprüchlich. Ideen sind vorhanden – die konsequente Umsetzung ist gefragt.

Vielleicht gibt es in den Reihen derer, die in Verbindung mit Tempelhof standen oder noch stehen, weitere Ideen und die Bereitschaft, dieses Tempelhof-Jubiläum zu bereichern? Es wären schöne Ergänzungen, die seiner Geschichte gerecht werden können. Dieses Jubiläum verdient eine besondere Würdigung und Ausstellung.

Jan Frieben

 

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Über Jan Frieben

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Jan Frieben kann auf eine lange Karriere in der Luftfahrt zurückblicken. Er hat als Dispatcher beim JaBoG 31 seinen Dienst geleistet, war am Medizinischen Institut der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt tätig, hat Flugzeugbau studiert und flog von 1980 bis 2004 bei der Lufthansa als Flugingenieur die Boeing 727, die Douglas DC-8 und die Boeing 747-200. Er war seit 2008 im Projektteam der Lockheed L-1649 Super Star und hat bislang rund 11.000 Flugstunden gesammelt. Er war nebenbei auch immer journalistisch tätig.

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