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Die Lufthansa Group strukturiert ihre Piloten-Ausbildung um

Die Lufthansa will mit einem neuen Ausbildungskonzept eine bedarfsgerechtere und modernere Ausbildung ihres fliegenden Nachwuchses erreichen. Dabei stehen auch jahrzehntelange Traditionen wie der DLR-Test im Rahmen des Auswahlverfahrens auf dem Prüfstand. Der Standort Bremen soll als Kompetenzzentrum für die Theorie-Ausbildung erhalten bleiben, was mit Goodyear geschieht, ist noch nicht entschieden.

17.02.2021

Zwei Cirrus SR20 für Lufthansa Aviation Training fliegen über den Great Smokey Mountains in Tennessee. © Cirrus Aircraft

Noch vor zwei Jahren wurde ein drohender weltweiter Mangel an qualifizierten Luftfahrzeugbesatzungen befürchtet. Dann kam das Coronavirus und zerstörte aufgrund dramatisch einbrechender Passagierzahlen die Träume von Tausenden junger Menschen, die eine Karriere im Cockpit angestrebt hatten. Auch die Lufthansa Aviation Training (LAT) war von dem plötzlichen Wegbrechen des Bedarfs an Pilotinnen und Piloten betroffen und stoppte die Ausbildung.

Heute hat die LAT erste Grundzüge vorgestellt, wie es mit der Ausbildung von künftigem fliegendem Personal im Lufthansa-Konzern weitergehen soll. Der Konzern will auch in Zukunft neue Pilotinnen und Piloten ausbilden, und hält klar an der ab-initio-Ausbildung fest. Aber das Ausbildungskonzept wird grundlegend verändert.

Campus-Konzept stärkt Bremen und Rostock

„Wir werden auch künftig an dem hohen Qualitätsstandard festhalten“, betonte eine Lufthansa-Sprecherin im Gespräch mit Aerobuzz. Allerdings ist noch nicht entschieden, ob das Auswahlverfahren künftig auch zwingend einen DLR-Test vorschreibt. „Den Rahmen eines sogenannten Campus-Modells bilden künftig zeitgemäße, digitale Ausbildungsformen sowie neue Auswahlverfahren. Diese ermöglichen eine bedarfsgerechtere Ausbildung für die verschiedenen Airlines der Lufthansa Group und tragen den Nachfrageschwankungen im Luftverkehr Rechnung“, teilte das Unternehmen mit.

Der traditionsreiche Standort Bremen scheint wieder eine langfristige Perspektive als Ausbildungsstandort des Lufthansa-Konzerns zu bekommen. Diese war ja mit Beginn der Pandemie und der Einstellung des Schulungsbetriebs nicht gegeben. Nun soll die Theorie-Ausbildung künftig in Bremen konzentriert werden, während die praktische Ausbildung in Rostock-Laage erfolgen soll. Wie es mit dem Ausbildungszentrum in Goodyear im US-Bundesstaat Arizona weitergeht, dazu gab es heute keine abschließende Aussage. Derzeit findet in Goodyear bis auf weiteres keine Ausbildung statt – mit Ausnahme der Ausbildung einiger Flugschüler der Luftwaffe und der japanischen ANA. Der Standort Goodyear würde auf jeden Fall redimensioniert und es würden derzeit Überlegungen angestellt, wie man Goodyear in Zukunft nutzen werde, so die Sprecherin der LAT.

Einheitlicher Abschluss

Am Ende der künftigen Ausbildung sollen die Absolventen einen einheitlichen, international anerkannten Abschluss erhalten. Danach erfolge die Rekrutierung durch die verschiedenen Airlines der Lufthansa Group. „Damit erhält die aktuelle Generation von Flugschülerinnen und Flugschülern zugleich wieder eine Perspektive auf einen möglichen späteren Einstieg in Cockpits der Lufthansa Group Airlines“, teilte die Lufthansa heute mit, auch wenn derzeit nicht absehbar ist, wann die Airlines der Lufthansa Group wieder neues Cockpitpersonal einstellen.

Dr. Detlef Kayser, der Chief Operating Officer (COO) der Lufthansa Group, sagte: „In der größten Krise der weltweiten Luftfahrt müssen wir im Lufthansa-Konzern alles auf den Prüfstand stellen – so auch unser Jahrzehnte altes Ausbildungskonzept für unsere Pilotinnen und Piloten. Damit konnten wir in den vergangenen Jahrzehnten höchste und weltweit anerkannte Qualitätsstandards bei Auswahl und Ausbildung für unsere Cockpits setzen. Unter Beibehaltung dieser Qualitätsstandards wollen wir das bewährte Konzept nun modernisieren, effizienter und verlässlicher gestalten und mit digitalen Modulen in ein neues Zeitalter führen. Die Entwicklung des neuen Campus-Modells ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir mit unserem Konzernprogramm ReNew Lufthansa modernisieren, indem wir Strukturen zeitgemäß, besser und zugleich effizienter gestalten.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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