Homepage » General Aviation » Bei der fliegenden Feuerwehr in Béziers

Ohne die Feuerlöschflugzeuge würden Wald- und Buschbrände im Süden Frankreichs in jedem Jahr viel größere Flächen vernichten. Bob Fischer hat das Pélicandrome in Béziers besucht, von dem aus Besatzungen mit ihren wenigen AT-802F Feuer schon in frühen Stadien erfolgreich bekämpfen.

9.10.2021

In der Sommersaison sind drei der AT-802F auf dem Pélicandrome Béziers stationiert. © Bob Fischer

In Frankreich werden die Stützpunkte der fliegenden Feuerwehr „Pélicandrome“ genannt. Dieser Spitzname geht auf das historische Funkrufzeichen „Pélican“ der zivilen Löschflugzeuge zurück, das von der PBY Catalina, der Canadair CL-215 und der Bombardier CL-415, aber auch von der Douglas DC-6 in den achtziger Jahren getragen wurde. Die Pélicandromes sind feste Einrichtungen, vor allem an der Mittelmeerküste (zwölf Basen) und auf Korsika (fünf Basen), auf denen Löschmittel gelagert werden können. Außerdem gibt es Einrichtungen in Cahors, Valence, Aubenas, Bordeaux und Limoges. Diese Einrichtungen werden größtenteils vom Hersteller des Löschmittels, Biogema, konzipiert und gewartet.

AT-802F Fire Boss

Das Pélicandrome auf dem Flughafen Nîmes-Garons (LFTW) ist das einzige, welches ganzjährig in Betrieb und sowohl mit den CL-415 und Dash 8 der Sécurité Civile ausgestattet ist. Er verfügt über zwei Stationen für das Tanken von Wasser und vier für Feuerschutzmittel. Auf dem zivilen Flughafen Béziers-Cap d’Agde (LFMU) sind die Feuerwehren (Sapeurs Pompiers) des Départments Hérault in Bereitschaft, um Waldbrände im Südwesten Frankreichs zu bekämpfen.

Während des Besuchs von Aerobuzz.de im August 2021 waren mehrere Brände in der Region Carcassonne und Hérault zu verzeichnen. Bob Fischer hatte die Gelegenheit, mit den beiden Piloten Arnaud und Charles zu sprechen, die ihm wertvolle Informationen gaben. Einige Piloten der Löschflugzeuge waren zuvor beim Militär, wo sie ihr fliegerisches Handwerk gelernt haben.

Über drei Tonnen Wasser an Bord

Die Einheit ist mit AT-802F Fire Boss des Herstellers Air Tractor aus den USA ausgestattet, einem robusten Spornradflugzeug mit einer PT6A-67FPropellerturbine von Pratt & Whitney Canada, der über 3,0 Tonnen Wasser oder Löschmittel tanken kann. Dies kann sogar bei eingeschaltetem Motor und drehendem Propeller erfolgen, eine Art „Hot-Pit-Betankung“. Die Station in Béziers ist mit großen Tanks ausgestattet, die mit Wasser und (teurem) Löschmittel gefüllt sind. Neben einem Ops-Raum stehen den diensthabenden Piloten auf der Basis auch Schlaf- und Badezimmer zur Verfügung.

Arnaud erzählte, dass es in diesem Jahr bis Mitte Juni so gut wie keine Brände gab, im Gegensatz zum Monat August. Was das Fliegen des Flugzeugs anbelangt, so sei die AT-802F ein schöner Vogel, sagte er. Der Fire Boss sei sehr wendig, leistungsstark und sicher und habe ein schönes und modernes Cockpit. Das FRDS (Fire Retardant Dispersal System, Computer für den Abwurf) sei wirklich effizient und benutzerfreundlich. „Sobald wir die Menge und den Abdeckungsgrad gewählt haben, müssen wir nur noch einen Knopf auf dem Steuerknüppel drücken, so dass wir uns wirklich auf das Fliegen konzentrieren können, der Computer erledigt den Rest“, berichtet er.

Pilot Charles an seinem Arbeitsplatz vor dem Start zu einem Einsatz. © Bob Fischer

Ursprünglich wurde der AT-802 als Landwirtschaftsflugzeug entwickelt. Später kamen auch die Versionen Löschflugzeug und sogar eine bewaffnete Version hinzu. Die AT-802 flog erstmals 1990 in Texas in den Vereinigten Staaten, wo sie auch noch heute in Serie hergestellt wird. Es handelt sich um ein einsitziges Flugzeug mit Spornradfahrwerk, das auch mit Schwimmern ausgerüstet werden kann. Das PT6A-Triebwerk bringt 1.600 Pferdestärke auf die Propellerwelle und stellt damit mehr als genug Kraft zur Verfügung, um die Nutzlast des Fire Boss zu transportieren und in bergigen und/oder heißen Einsatzgebieten zu manövrieren.

Die Einheit im Pélicandrome Béziers ist meistens mit drei AT-802F ausgestattet, die unter dem Funkrufnamen „Morane“ fliegen. Die Flugzeuge werden von der spanischen Firma Avialsa geleast – deswegen auch die spanischen Kennzeichen. Im ersten Monat der sommerlichen Waldbrandsaison (15. Juni – 14. Juli) sind zwei und in den beiden folgenden Monaten (15. Juli – 15. September) drei Maschinen dort stationiert. Die normale Wartung der Flugzeuge erfolgt auf dem Flughafen selbst, größere Wartungsereignisse werden dagegen beim Betreiber in Spanien durchgeführt.

Bob Fischer

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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