Die Premiere ist geglückt: Erstmalig hat ein mit dem Garmin Autoland-Rettungssystem ausgerüstetes Flugzeug eine scharfe Notlandung erfolgreich durchgeführt. Am 20. Dezember 2025 passierte der Zwischenfall .Die auf der Website LiveAtc.net veröffentlichte Aufzeichnung des Flugfunks ermöglicht es, den Ablauf der Ereignisse zu rekonstruieren. Alles begann mit der Aktivierung des Transpondercodes 7700 durch das zweimotoriges Tubroprop-Flugzeug Beechcraft King Air 200 mit dem Kennzeichen N479BR. Anschließend hört man eine synthetisch generierte, weibliche Stimme, die mitteilt: „November Four Seven Niner Bravo Romeo, Pilot incapacitation, two miles south of Kilo Bravo Juliet Charlie Emergency Autoland in nineteen minutes on Runway Three Zero Right at Kilo Bravo Juliet Charlie“. Übersetzt heißt es: „November Four Sever Niner Bravo Romeo, Pilot flugunfähig, zwei Meilen südlich von Kilo Bravo Juliet Charlie Emergency Autoland in 19 Minuten auf der Piste 30 rechts in Kilo Bravo Juliet Charlie.“
Automatische Kommunikation mit ATC
Die King Air war mit zwei Personen an Bord vom Flugplatz Aspen in Colorado gestartet und befand sich auf dem Weg zum Rocky Mountain Airport in Broomfield als das Garmin-Notlandesystem Alarm auslöste. Zu diesem Zeitpunkt war die King Air 200 noch 19 Minuten von ihrem Ziel entfernt. Der Fluglotse des Towers des Rocky Mountain Metropolitan Airports räumte der King Air Vorrang vor allen anderen Flugzeugen ein. Das Flugzeug landete automatisch auf Landebahn 30R, bremste und kam vollständig zum Stehen. Anschließend stellte das System automatisch die beiden Triebwerke ab.
Die lokale Feuerwehr stand bei der Landung der King Air bereit und folgte dem landenden Flugzeug auf die Piste. Sie brauchte aber nicht einzugreifen. Zur Überraschung der Rettungskräfte konnten beide Insassen das Flugzeug selbstständig verlassen. Dem Piloten ging es gut, und er musste nicht ins Krankenhaus gebracht werden.
Die US-Luftfahrtbehörde FAA gab folgende Erklärung ab: „Eine Beechcraft Super King Air landete am Samstag, den 20. Dezember, gegen 14.20 Uhr Ortszeit sicher auf dem Rocky Mountain Metropolitan Airport in Colorado, nachdem der Pilot den Kontakt zur Flugsicherung verloren hatte. Daraufhin wurde das automatische Notlandesystem aktiviert. Es befanden sich zwei Personen an Bord. Die FAA ermittelt.“
Der rote Aktivierungsknopf für das Garmin Autoland-System ist in der Cirrus SF50 Vision in der Kabinendecke untergebracht. © Garmin International
Das Autoland-System von Garmin – hier an Bord einer TBM 940 – informiert die Insassen an Bord des Flugzeugs genau über da, was es in den nächsten Augenblicken machen wird. © Daher
Garmin hatte das Autoland-System 2019 vorgestellt. Wenn es aktiviert wird, steuert es das Flugzeug ohne menschliches Zutun zum nächsten geeigneten Flugplatz und landet dort. Bei der Auswahl des Flugplatzes berücksichtigt es Faktoren wie Wind, Wetter, Gelände, Hindernisse, verbleibende Treibstoffmenge an Bord und die Leistungsparameter des Flugzeugs. Faktoren für die Auswahl eines geeigneten Flugplatzes sind unter anderem die Verfügbarkeit eines GPS-Anflugverfahrens und die Pistenlänge. Das System ist so ausgeklügelt, dass es selbstständig ein Holding fliegt, wenn es erkennt, dass das Flugzeug zu hoch ist, um das Fahrwerk auszufahren oder es Zeit benötigt, um die Klappen für einen stabilen Anflug zu auszufahren. Es kommuniziert ständig mit der Flugsicherung und teilt seine Absichten auch den Insassen über die Displays im Instrumentenbrett mit.
Garmin erhielt für die Entwicklung und die Zulassung des Autoland-Systems im Jahr 2020 die prestigeträchtige Collier Trophy.
Volker K. Thomalla
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